Eremitage (Arlesheim)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Ermitage Arlesheim, Basellland, Schweiz
Ermitage Arlesheim
Ermitage Arlesheim, Eremitenklause oder Waldbruderklause, 1789 wird die Figur des Eremiten, der ehemals in der heutigen Gessnergrotte lag, in ihr jetziges Domizil verlegt
Eremitenklause
Ermitage Arlesheim, Früher hiess er mittlere Karpfen Weiher „Lac du Tempé“, ein Name, der auf das griechische Tempé – Tal zwischen Olymp und Ossagebirge verweist, ein landschaftlich ausserordentlich schöner Einschnitt, dem im Apollon – Kult eine wichtige Rolle zukam. Früher konnten Besucher ihn mittels Barke überqueren
Mittlere Karpfen Weiher
Ermitage Arlesheim, Holzkreuz auf Felsen
Holzkreuz auf Felsen

Die Eremitage (offizielle Schreibweise: Ermitage) in Arlesheim ist mit einer Fläche von rund vierzig Hektar der grösste englische Landschaftsgarten der Schweiz.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ermitage Arlesheim, Panorama der Gessnergrotte und Eremitenklause. 1789 wird die Figur des Eremiten, der ehemals in der heutigen Gessnergrotte lag, in ihr jetziges Domizil verlegt
Gessnergrotte und Eremitenklause
Bereits bei der Eröffnung der Ermitage 1785 und dann wieder ab 1812 bis etwa 1860 fuhren Boote auf dem Weiher. Die Besucher wurden von Bediensteten über den Weiher gerudert. Der Name lac de Tempé verschwand, die Weiher wurden nun Forellenweiher (hinterer Weiher), Karpfenweiher (mittlere Weiher) und Hechtweiher (unterer Weiher) genannt.
Hinterer Forellen Weiher
Ermitage Arlesheim, Karusellplatz, An diesem prähistorisch interessanten Ort, wo man Funde entdeckt hat, die 17'000 Jahre alt sind, entstand ein Spielplatz mit einem Holzkarussell und verschiedenen Ball-, Ring- und Geschicklichkeitsspielen. Die Inschrift im Felsen erinnert an die Besitzer Achilles Alioth und seine Frau Lucie Alioth-Frank (zwischen 1871 und 1889)
Karusellplatz, und prähistorische Höhle
Ermitage Arlesheim, Die Mühle wurde 1780 erbaut, bestand also schon vor der Eröffnung des Gartens. Sie wurde jedoch erst 1814 Bestandteil der Ermitage. Das Gärtnerhaus, 1814 erwarb Conrad von Andlau, das dann als Wohnung des Gärtners genutzt wurde.
Mühle und Gärtnerhaus
Früher hiess der mittlere Weiher „Lac du Tempé“, ein Name, der auf das griechische Tempé – Tal zwischen Olymp und Ossagebirge verweist, ein landschaftlich ausserordentlich schöner Einschnitt, dem im Apollon – Kult eine wichtige Rolle zukam. Früher konnten Besucher ihn mittels Barke überqueren
Mittlerer Weiher
Ermitage Arlesheim, Temple de l’amour; Temple rustique. Unter ihrem Dach stand ein Altar mit Blumen- und Früchtekorb, sowie der Inschrift: Aux dieux amis des champs, des arts et de la paix (Den Göttern, Freunden der Natur, der Künste und des Friedens). Heute ist dieser Altar aus Holz. Durch seine Öffnung fällt Licht in die Proserpinagrotte. Am 29. Juni 1985 wurde er durch die Arlesheimer Säuli-Zunft neu aufgebaut.
Temple de l’amour; Temple rustique

Der Park wurde auf Initiative von Balbina von Andlau-Staal und deren Cousin, Domherr Heinrich von Ligerz, erbaut und 1785 eröffnet. Ähnlichkeiten mit dem Landschaftsgarten Sanspareil bei Bayreuth sind unverkennbar.

Die Eremitage wurde eine der Hauptattraktionen für Reisende aus ganz Europa, die hier auf dem Weg von oder nach Basel einen Halt machten. Die Besucher schätzten die schöne Natur mit den Felsenklippen, Höhlen und Weihern. In einer der Höhlen wurde die älteste neolithische Bestattung der Schweiz ausgegraben.[1] Zahlreiche prominente Namen in der erhaltenen Gästebüchern aus dem 18. und dem ersten Drittel des 19. Jahrhunderts belegen die Bekanntheit und Beliebtheit des Gartens.

Es gab darin unter anderem einen künstlichen Wasserfall, eine Eremitenklause, eine Dianagrotte, eine künstliche Turmruine (der Temple de l’amour), eine Apollogrotte, eine Hängebrücke und die Proserpinagrotte, welche die Hauptattraktion des Gartens war. In dieser konnte man herumschlendern und in den raffiniert beleuchteten Gängen einen Altar, Monster, Drachen und gar ein Krokodil entdecken. Das Zentrum des Gartens wurde 1787 das Chalet des Alpes, eine echte Sennhütte, deren Saal für Konzerte, Tanz und Bankette genutzt wurde.

Ende 1792 steckte das Landvolk, sich gegen die adlige Obrigkeit auflehnend und ermutigt durch die französische Revolution, Teile der Eremitage in Brand. Ins Fürstbistum Basel einmarschierte französische Truppen zerstörten 1793 den Rest der Eremitage fast vollständig. Balbina von Andlau-Staal ging nach Freiburg/Br. ins Exil und starb dort am 15. November 1798.

1812 kehrte Heinrich von Ligerz aus dem Exil zurück und half Balbinas Sohn Conrad von Andlau beim Wiederaufbau der Eremitage.

Was heute noch zu sehen ist, stammt aus der Zeit um 1812. Blinde Zerstörungswut hat jedoch seither vieles unwiderruflich vernichtet. Der Baumbestand wurde in jüngster Zeit mit grossem Aufwand ausgelichtet, um den (allerdings mehr vermuteten als kunsthistorisch einwandfrei belegten) Eindruck der alten Gartenanlage wiederherzustellen. Auch die beiden unteren Teiche wurden saniert und das Gärtnerhaus sowie das Waldhaus renoviert. Über weitere Restaurierungsarbeiten unter anderem in den Grotten und die zukünftige Pflege und Nutzung der Eremitage wird diskutiert.

Auch in der Anthroposophie Rudolf Steiners, der im nahen Dornach das Goetheanum errichten liess, hat die Eremitage eine grosse Bedeutung. Die Eremitage gilt in esoterischen Kreisen als Kraftort mit Erdstrahlen.

Im September 1999 wurde die Eremitage in das Inventar der geschützten Naturobjekte des Kantons Basel-Landschaft aufgenommen.

Galerie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ermitage Arlesheim, Basellland, Schweiz
Panorama Ermitage Arlesheim

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Brigitte Frei-Heitz, Anne Nagel: Landschaftsgärten des 19. Jahrhunderts in Basel und Umgebung = Gartenwege der Schweiz 1. Hier + Jetzt, Baden 2012. ISBN 978-3-03919-240-3, S. 22–29.
  • Hans-Rudolf Heyer: Die Eremitage in Arlesheim. Ein Spazier- und Gedankengang. (Schweizerische Kunstführer. Nr. 672, Serie 68). Hrsg. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte (GSK), Bern 2000. ISBN 978-3-85782-672-6
  • Vanja Hug: Die Eremitage in Arlesheim. Ein Englisch-Chinesischer Landschaftsgarten der Spätaufklärung = Grüne Reihe. Quellen und Forschungen zur Gartenkunst 27. 2 Bände. Wernersche Verlagsgesellschaft, Worms 2008, ISBN 978-3-88462-270-4.
  • Erich Plattner: Die Höhlen der Ermitage bei Arlesheim. Geschichte, Geologie, Archäologie. Speleo Projects, 2014. ISBN 978-3-908495-22-2

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Die Schweiz vom Paläolithikum bis zum frühen Mittelalter. Schweizerische Gesellschaft für Ur- und Frühgeschichte, Basel 1995, ISBN 3-908006-51-1, S. 232.

Koordinaten: 47° 29′ 24,2″ N, 7° 37′ 46,6″ O; CH1903: 614394 / 259938