Erfrierung

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Klassifikation nach ICD-10
T33.- Oberflächliche Erfrierung
T34.- Erfrierung mit Gewebsnekrose
T35.- Erfrierung mit Beteiligung mehrerer Körperregionen und nicht näher bezeichnete Erfrierung
ICD-10 online (WHO-Version 2016)

Unter einer Erfrierung (lateinisch congelatio) versteht man eine Schädigung des Gewebes durch Kälteeinwirkung. Sie tritt besonders häufig an kälteexponierten Körperstellen (Ohrmuschel, Nase), ungenügend kältegeschützten Gliedmaßen (Finger, Zehen) und unter Umständen zugleich mit einer allgemeinen Unterkühlung auf. Dagegen führt ein örtlich begrenzter direkter Kontakt mit extrem kalten Substanzen, wie beispielsweise Trockeneis oder flüssigem Stickstoff, bei mangelhaft isolierendem Transportbehälter oder technisch verursachten Unfällen zu Symptomen, die einer Verbrennung ähneln und deshalb als Kälteverbrennung bezeichnet werden.

Klassifizierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erfrierungen an den Händen, mutmaßlich 2. Grades

Die Abläufe in Erfrierungswunden gleichen den Verbrennungswunden, sodass die Klassifikation nahezu gleich ist. Erfrierungen werden je nach Schwere in vier Grade eingeteilt:

  • Erfrierung 1. Grades: blasse Hautfarbe, Schwellung der Hautpartie, Schmerzen
  • Erfrierung 2. Grades: blau-rote Hautfarbe, Blasenbildung
  • Erfrierung 3. Grades: beinahe schmerzfreies Absterben des Gewebes
  • Erfrierung 4. Grades: Vereisung und völlige Gewebezerstörung

Symptome[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Frostgefühl“ in Händen und Füßen, Empfindung von zu kleinen Schuhen, blaurote Flecken sind Symptome von Erfrierungen. Erfrorene Körperteile sind zunächst weiß-grau, weich und schmerzhaft (wie Nadelstiche), später sind sie hart und gefühllos bis zur Brüchigkeit. Die Grenze zwischen erfrorenem und gesundem Körpergewebe ist nicht deutlich erkennbar.

2007 wurde erstmals erkannt, weshalb Erfrierungen der Akren, also der endständigen Körperteile wie Nasenspitze, Ohren oder Finger, überhaupt Schmerzen bereiten können. Normalerweise werden durch Schmerzreize erzeugte Aktionspotentiale in Nervenfasern durch das Öffnen von Ionenkanälen für Natrium ausgelöst. Unterhalb von 10 °C stellen diese allerdings ihre Funktion ein. Nun wurde ein anders aufgebauter Typ von Natriumkanälen entdeckt, der sich auch unter 10 °C öffnen kann. Bei Normaltemperatur scheint dieser Weg inaktiv zu sein. Offenbar handelt es sich um ein Notfallsystem, das dem Organismus die drohende Erfrierung von Körperteilen meldet.[1]

Ursachen und Auftreten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptursache für Erfrierungen, insbesondere dritten Grades, ist eine unangepasste Kleidung bei langanhaltend tiefen Temperaturen unter dem Gefrierpunkt. In Kriegszeiten ist Erfrieren eine der häufigsten Todesursachen in kalten Regionen. In Deutschland kommt es heutzutage kaum noch zum Tod durch Erfrieren.[2]

Begünstigend für Erfrierungen sind akute Alkoholvergiftungen. Alkohol verstärkt und beschleunigt eine Unterkühlung, da sich die Blutgefäße in der Haut erweitern und der Körper umso mehr Wärme an die Umgebung abführt. Der Betrunkene fühlt sich subjektiv warm. Der so durch die Rauschwirkung die Gefahr (Zeitdauer, Kälte) unter- und sich selbst überschätzende Betroffene ist zumeist infolge Müdigkeit und Benommenheit nicht mehr in der Lage Hilfe anzufordern.[3] Aus diesen Erfahrungen leitet sich die unbedingte Empfehlung ab, bei organisierten Winterhilfsaktionen auf jedweden Alkoholkonsum zu verzichten und Alleingänge wegen fehlender gegenseitiger Hilfe zu vermeiden.

Bergsteiger sind eine Risikogruppe für Erfrierungen, da sie vergleichsweise häufig und unerwartet in Notsituationen kommen, ohne unverzügliche Gegenmaßnahmen ergreifen zu können.

Eine andere Gefahrenquelle geht auf den Windchill-Effekt zurück. Bei hohen Windgeschwindigkeiten können auch Lufttemperaturen kurz unter dem Gefrierpunkt zu Erfrierungen führen, da der Wärmehaushalt des Menschen von mehr Faktoren abhängt als nur von der Temperatur. Besonders betroffen hiervon sind unbedeckte Hautpartien wie das Gesicht. Der Effekt hat daher eine hohe Bedeutung für Wintersportler, Motorschlittenfahrer (Fahrtgeschwindigkeit) und Bergsteiger (Bergwind). Wird er nicht von vornherein berücksichtigt und paart sich mit der Gefühllosigkeit und damit Schmerzunempfindlichkeit der betroffenen Hautpartien, so kann es leicht zu schwerwiegenden Erfrierungen kommen.

Therapie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Beurteilung einer Erfrierung, im Rahmen eines Notfalls, ist schwer und meist erst nach einigen Tagen eindeutig möglich, daher sollte im Zweifelsfall immer von einer Erfrierung ausgegangen werden. Folgende Maßnahmen sollte man als Ersthelfer setzen:

  • Rettungsdienst über die Rufnummer 112 (in Europa) oder eine andere örtliche Notrufnummer alarmieren
  • Körpertemperatur des Patienten erhalten, im Idealfall anheben. Eine Rettungsdecke oder warme Getränke unterstützen diesen Vorgang
  • Die Wunden mit einer keimfreien Wundauflage versorgen, wobei man Finger und Zähen einzeln verbinden und keinen Fäustlingverband anlegen sollte
  • Die geschädigten Körperareale vor weiteren Kälteeinwirkungen schützen
  • Weiter allgemeine Maßnahmen im Rahmen der Ersten Hilfe [4]
  • Kein schnelles Auftauen der betroffenen Areale durch heißes Wasser vornehmen
  • Keine mechanische Belastungen, wie etwa Drücken oder ca Reiben, auf die verletzten Areale ausüben
  • Beengende Kleidungsstücke öffnen

Beim raschen Auftauen steigt zwar der Sauerstoffbedarf des Gewebes sehr schnell an und die noch nicht voll funktionsfähigen Gefäße können den benötigten Sauerstoff noch nicht liefern, aber der Schaden durch die Sauerstoffunterversorgung ist geringer als der neuerliche toxische Schaden durch langsames Auftauen.[5]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Erfrierung – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Erfrierung – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bild der Wissenschaft 11/2007, S. 40. Originalquelle nicht genau angegeben („Wissenschaftler aus Erlangen“).
  2. Statistisches Bundesamt Deutschland, Erkrankungen des Kreislaufsystems sind häufigste Todesursache im Jahr 2006, abgerufen 26. Dezember 2007
  3. Kältetod im Rausch zeit.de, abgerufen am 16. September 2015
  4. Österreichisches Rotes Kreuz Generalsekretariat: Sanitätshilfe Ausbildung; 7. Auflage Version März 2016; ISBN 978-3-902332-18-9
  5. Fritsch: Dermatologie & Venerologie für das Studium; Springer Verlag Heidelberg 2009
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