Erich Gritzbach

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Erich Gritzbach

Erich Gritzbach (* 12. Juli 1896 in Forst (Lausitz); † nach 1955)[1] war ein deutscher Staatsbeamter und SS-Führer. Gritzbach wurde vor allem bekannt als die „rechte Hand“ des NS-Politikers Hermann Göring.

Leben und Wirken[Bearbeiten]

In seiner Jugend besuchte Gritzbach die Realschule in Forst in der Lausitz. Anlässlich des Ausbruchs des Ersten Weltkriegs trat Gritzbach am 1. August 1914 in die Preußische Armee ein, mit der er bis 1918 an der Westfront kämpfte. Während des Krieges wurde er zum Leutnant der Reserve befördert und mit dem Eisernen Kreuz beider Klassen sowie der Österreichischen Tapferkeitsmedaille ausgezeichnet.

Am 19. April 1919 legte Gritzbach die Reifeprüfung am Königstädtischen Oberrealschule in Berlin ab. Anschließend meldete er sich als Freiwilliger zum Grenzschutz Ost, mit dem er bis Mai 1920 als Kompanieführer einer Maschinengewehrkompagnie im Reichswehrschützenregiment 9 und später dem Reichswehrschützenregiment 93 an den Grenzschutzkämpfen in Schlesien teilnahm.

Von 1920 bis 1922 betätigte Gritzbach sich praktisch als Direktionsassistent im Verein Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken. Parallel zu dieser Tätigkeit studierte er an der Universität Berlin bzw. der Universität Tübingen Rechts- und Staatswissenschaften. 1924 legte er seine Dissertation zum Dr sc. pol. an der Universität Tübingen vor (mit Promotionsdatum vom 16. Februar 1924). Politisch betätigte Gritzbach sich in den frühen 1920er Jahren in der Deutschnationalen Volkspartei (DNVP), die er um 1924 wieder verließ.

Am 17. April 1924 trat Gritzbach in die Reichszentrale für Heimatdienst ein. Dort wurde er am 1. Januar 1931 zum Regierungsrat befördert. Am 20. Juli 1932 wurde er ins Preußische Staatsministerium berufen und dort zum 1. Oktober 1932 zum Ministerialrat befördert.

Im Februar 1933, unmittelbar nach dem Antritt der Regierung Hitler, wurde Gritzbach zum Leiter des persönlichen Büros des neuen Reichskommissars für Preußen (de facto preußischer Ministerpräsident) Franz von Papen ernannt. Diese Stellung behielt er auch bei, als Papen seinen Posten wenige Wochen später an Hermann Göring abgeben musste, der fortan als preußischer Ministerpräsident amtierte. Mit offiziellem Ernennungsdatum vom 24. März 1934 wurde Gritzbach zum persönlichen Referenten Görings als Ministerpräsident sowie – als Nachfolger von Martin Sommerfeld – zum Pressechef des Preußischen Staatsministeriums ernannt.

In den Jahren 1933 bis 1945 fungierte Gritzbach, der zum 1. Mai 1933 in die NSDAP eintrat (Mitgliedsnummer 3.473.289) praktisch als die „rechte Hand“ Görings, dessen besonderes Vertrauen er genoss: Als Chef des Ministerbüros im Preußischen Staatsministerium (1933 bis 1938) und „Chef des Stabsamtes des Preußischen Ministerpräsidenten“ beziehungsweise des „Stabsamtes des Reichsmarschalls des Deutschen Reiches“ (1936 bis 1945), oblag Gritzbach die organisatorische und sekretärische Wahrnehmung der Amtsgeschäfte Görings als preußischer Ministerpräsident. Ergänzend dazu fungierte er in den Jahren 1933 bis 1936 als Hauptkommissar für die Olympischen Spiele: In dieser Eigenschaft war er für die organisatorische Vorbereitung der Olympischen Spiele von 1936 in Berlin verantwortlich.

Auf Veranlassung Görings gehörte Gritzbach, der 1936 zum Ministerialdirigenten befördert wurde, seit 1933 der NSDAP sowie der Schutzstaffel (SS) an, in der 1938 den Rang eines SS-Oberführers erreichte.[2] Ab 1938 war er im Stab des Reichsführer SS Heinrich Himmler[3] und außerdem Mitglied des Preußischen Staatsrates.

Nachkriegszeit[Bearbeiten]

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde Gritzbach kurzzeitig von den Amerikanern interniert. Um 1947 erhielt er eine Anstellung als Büroleiter in dem von Hugo Scholz (Wirtschaftsfunktionär) geleiteten Pressesekretariat der North German Iron and Steel Control in Düsseldorf. Scholz und Gritzbach kannten sich bereits aus dem Jahr 1932: Damals hatte Scholz als Leiter eines von der Firma Otto Wolff und dem Flick-Konzern gemeinsam geleiteten Pressebüros eng mit dem Reichskommissar im Preußischen Innenministerium Bracht, dem Gritzbach als Referent zugeteilt war, zusammengearbeitet. Eine Zeitungsnotiz aus den 1950er Jahren behauptete außerdem, dass Gritzbach damals bei der Internationalen Montanunion beschäftigt gewesen sei.[4]

Später lebte er Gritzbach, der als ehemaliger leitender Beamter eine Pension von mehr als 1500 DM pro Monat bezog, einige Jahre in Martinsweiler im Schwarzwald.[3]

Beförderung[Bearbeiten]

Beförderungen im Staatsdienst:

  • 1. Januar 1931: Regierungsrat
  • 1. Oktober 1932: Ministerialrat
  • 1936: Ministerialdirigent

Beförderungen in der SS:

  • 25. September 1933: SS-Untersturmführer
  • 4. Juli 1934: SS-Obersturmführer
  • 1. Januar 1935: SS-Hauptsturmführer
  • 20. April 1936: SS-Sturmbannführer
  • 9. November 1936: SS-Obersturmbannführer
  • 9. November 1937: SS-Standartenführer
  • 20. April 1938: SS-Oberführer

Schriften[Bearbeiten]

  • Die Preisbildung im deutschen Werkzeugmaschinenbau, s.l. 1924. (Dissertation)
  • Hermann Göring. Werk und Mensch, 1938.
  • Hermann Göring. Reden und Aufsätze, 1938.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Die Berliner Zeitung vom 12. September 1956 berichtete in einer kurzen Notiz unter dem Titel „Kein Kommentar“ davon, dass Gritzbach zu dieser Zeit der Vorladung einer Berliner Spruchkammer nicht Folge geleistet habe.
  2. SS-Personalhauptamt: Dienstaltersliste der Schutzstaffel der NSDAP, Sachstand 30. Januar 1940, lfd. Nummer 365
  3. a b Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich, Frankfurt am Main 2007, S. 201.
  4. Zur Zusammenarbeit von Scholz mit Bracht/Gritzbach 1932, vgl. Rheinhard Neebe: Die Republik von Weimar 1918-1933. Demokratie ohne Demokraten?, 1987, S. 111; Ulrike Hörster-Philipps: Im Schatten des grossen Geldes: Flick-Konzern und Politik. Weimarer Republik, Drittes Reich, Bundesrepublik, 1985, S. 101.