Erich Hippke

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Erich Hippke (1908)

Erich Hippke (* 7. März 1888 in Prökuls, Landkreis Memel, Preußisch Litauen; † 10. Juni 1969 in Bonn) war ein deutscher Sanitätsoffizier, zuletzt Generaloberstabsarzt der Wehrmacht. Nach dem Krieg war er niedergelassener Arzt in Hamburg und Berlin.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hippke war Sohn des Forstkassenrendanten Wilhelm Hippke. Am 28. März 1907 trat er in die Kaiser-Wilhelms-Akademie für das militärärztliche Bildungswesen.[1] Mit Kurt Oehlmann, Otto von Schjerning, Berthold von Kern, Willy Vorkastner und Max Wissemann wurde er im Pépinière-Corps Franconia aktiv. Er war ein hervorragender Consenior.[2] Nach dem Staatsexamen an der Charité diente er 1913/14 als Unterarzt in Stargard, Bromberg, Demmin und Kolberg. Im Ersten Weltkrieg war er als Truppenarzt des Infanterie-Regiments von der Goltz (7. Pommersches) Nr. 54 in Galizien, in Mazedonien und in der Türkei. Am 28. Juli 1919 wurde er von der Friedrich-Wilhelms-Universität zum Dr. med. promoviert.[3] Gutachter waren Albert Köhler und Otto Hildebrand.[4] Von der Reichswehr übernommen, wurde er an das Berliner Hygiene-Institut kommandiert. Als Oberstabsarzt war er ab 1922 Hygieniker der Wehrkreise Königsberg (I), München (VII) und Dresden (IV). Er war Divisionsarzt in Hannover und Lehrstabsoffizier an der Kriegsschule in Dresden.

Mit Aufstellung der Wehrmacht wurde er im April 1935 in den Sanitätsdienst der Luftwaffe (Wehrmacht) übernommen. Befördert wurde er am 1. Februar 1939 zum Generalarzt, am 1. Januar 1940 zum Generalstabsarzt und am 1. Juli 1941 zum Generaloberstabsarzt. Von 1937 bis Ende Dezember 1943 war er Inspekteur des Sanitätswesens der Luftwaffe. Zudem war er Mitglied im Kuratorium des Kaiser-Wilhelm-Instituts für Hirnforschung. Unter Hippkes Mitwirkung als ranghöchster Luftwaffenangehöriger fanden ab 1941 Unterdruck-Experimente und Auskühlungsversuche an Gefangenen im KZ Dachau statt. Im Mai 1942 waren die Höhenversuche abgeschlossen und Hippke erstattete dem SS-Obergruppenführer Karl Wolff Bericht.[5] Hippke sprach im Februar 1943 Heinrich Himmler seinen „ergebendsten Dank“ aus und bezeichnete die Menschenversuche als „große Hilfe“.[6] Gegenüber Wolff erklärte Hippke im März 1943: „Alle Arbeiten aus dem Gebiet der Luftfahrtmedizin – also der Höhe – standen ohnehin unter meiner wissenschaftlichen Aufsicht in meiner Eigenschaft als Leiter der deutschen Luftfahrtmedizin.“[7] Nach neun Monaten in der Führerreserve vom Oberkommando der Luftwaffe trat er am 30. September 1944 mit 58 Jahren in den Ruhestand.

Hippkes Amtsnachfolger Oskar Schröder wurde nach Kriegsende im Nürnberger Ärzteprozess angeklagt; eine Anklage Hippkes unterblieb, da er untergetaucht und sein Aufenthaltsort bei Prozessbeginn unbekannt war.[8] Hippke wurde Werksarzt der U-Bahn Hamburg und Mitarbeiter der Hamburger Ärztekammer. Bei seiner Verhaftung im Dezember 1946 war er als praktischer Arzt in Hamburg tätig. Als der für die Menschenversuche verantwortliche Sanitätsinspekteur wurde er im sogenannten Milch-Prozess gegen seinen Vorgesetzten Erhard Milch als Zeuge des Militärgerichtshofes II vernommen. Er verließ Nürnberg ohne Anklage. Anschließend war er bis 1962 Kassenarzt in Berlin.[9] Beim Wiederaufbau des Sanitätswesens der Luftwaffe (Bundeswehr) engagierte er sich als Berater.[10]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ulrich-Dieter Oppitz, Thure von Uexküll: Medizinverbrechen vor Gericht: das Urteil im Nürnberger Ärzteprozess gegen Karl Brandt und andere sowie aus dem Prozess gegen Generalfeldmarschall Milch, Palm & Enke, 1999. ISBN 978-3-7896-0595-6.
  • Ernst Klee: Auschwitz, die NS-Medizin und ihre Opfer. 3. Auflage. Fischer, Frankfurt am Main 1997, ISBN 3-596-14906-1.
  • Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich: Wer war was vor und nach 1945. Fischer, Frankfurt am Main 2005, ISBN 3-596-16048-0.
  • Alexander Mitscherlich, Fred Mielke: Wissenschaft ohne Menschlichkeit: Medizinische und eugenische Irrwege unter Diktatur, Bürokratie und Krieg. Schneider, Heidelberg 1949. Die gesamte Auflage wurde von den Ärztekammern aufgekauft. Neuauflage: Medizin ohne Menschlichkeit: Dokumente des Nürnberger Ärzteprozesses. Fischer, Heidelberg 1960. ISBN 3-596-22003-3.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Paul Wätzold: Stammliste der Kaiser Wilhelms-Akademie für das militärärztliche Bildungswesen (1910)
  2. Kösener Corpslisten 1960, 60, 432
  3. Dissertation: Ueber Fremdkörper im Magen.
  4. WorldCat
  5. Ludwig Eiber, Robert Sigel: Dachauer Prozesse: NS-Verbrechen vor amerikanischen Militärgerichten in Dachau 1945–48, Wallstein Verlag, 2007, ISBN 978-3-83530167-2, S. 156 ff
  6. Schreiben Hippkes an Himmler vom 19. Februar 1943. Im Faksimile (Memento des Originals vom 10. Juni 2007 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/nuremberg.law.harvard.edu beim Nuremberg Trials Project. (Nürnberger Dokument NO-268).
  7. Schreiben Hippkes an Wolff vom 6. März 1943. Im Faksimile (Memento des Originals vom 31. Dezember 2015 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/nuremberg.law.harvard.edu beim Nuremberg Trials Project. (Nürnberger Dokument NO-262)
  8. Udo Benzenhöfer: Nürnberger Ärzteprozeß: Die Auswahl der Angeklagten. Deutsches Ärzteblatt 1996; 93: A-2929–2931 (Heft 45) (PDF; 258 kB).
  9. H. Zehmisch: Deutsche Hakenkreuzmedizin. Ideologen und Praktiker. (Memento des Originals vom 13. Januar 2011 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.slaek.de (PDF; 176 kB) In: Ärzteblatt Sachsen 4/2005. S. 142–145, hier S. 145.
  10. Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. Fischer Taschenbuch, Frankfurt am Main 2005, ISBN 3-596-16048-0, S. 258.