Erich Lewinski

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Erich Lewinski (* 1. Januar 1899 in Goldap/Ostpreußen; † 16. Februar 1956) war ein deutscher Anwalt, Sozialist und Präsident des Landgerichts in Kassel.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lewinski stammte aus einer jüdischen Arzt- und Kaufmannsfamilie und studierte Rechts- und Sozialwissenschaften in Königsberg und Breslau mit Abschluss der Promotion. Von 1917 bis 1919 war er Soldat des Heeres und Teilnehmer am Ersten Weltkrieg und legte danach die beiden Staatsexamina ab. Von 1923 bis 1933 war er als Rechtsanwalt in Kassel niedergelassen. Politisch aktiv wurde er als Mitglied des Internationalen Sozialistischen Kampfbundes (ISK) und der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD).

Nach der Machtergreifung 1933 emigrierte Lewinski gemeinsam mit seiner Ehefrau Hertha, geb. Voremberg, in die Schweiz und nach Frankreich, um der Verhaftung durch die Nationalsozialisten zu entgehen, nachdem er sich bei der Verteidigung politisch Verfolgter mit Roland Freisler auseinandergesetzt hatte. In Paris betrieb er mit Unterstützung von unter anderem seiner Frau das „Restaurant Végétarien des Boulevards (d’aprés Bircher-Benner) 28 Boulevard Poissonniére“,[1] welches zum Treffpunkt vieler Emigranten wurde und nach kurzer Zeit täglich 500 Gäste bediente und zwanzig Serviererinnen und Küchenhilfen Arbeit bot.[2] Das erwirtschaftete Geld diente den Emigrantinnen als Lebensunterhalt und zur Finanzierung der politischen Arbeit im Exil.[3] Seine Schwester Eva Lewinski leitete in den Jahren 1938/39 den Pariser ISK-Ortsverein.[4]

1940–1941 gehörte Lewinski zum Emergency Rescue Committee in Südfrankreich. In Marseille koordinierte er Rettungsaktionen für bedrohte SPD-Funktionäre zusammen mit Fritz Heine. 1941 gelang ihm über Spanien und Portugal die Flucht in die USA, dort war er unter anderem Büroangestellter und Mitglied im geschäftsführenden Vorstand des „German-American Council for the Liberation of Germany from Nazism“.

1947 kehrte Lewinski nach Kassel zurück und wurde dort Landgerichtsdirektor und seit 1949 Präsident des Landgerichts Kassel. Dabei trat er für eine umfassende Reform des deutschen Justizwesens und eine demokratische Erneuerung ein. Er engagierte sich auch kulturpolitisch und wurde Mitglied des Clubs 53 der Kasseler Documenta.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Antje Dertinger: Die drei Exile des Erich Lewinski. Bleicher Verlag, Gerlingen 1995.
  • Antje Dertinger: Lewinsky, Erich. In: Manfred Asendorf, Rolf von Bockel (Hrsg.): Demokratische Wege. Deutsche Lebensläufe aus fünf Jahrhunderten. J. B. Metzler, Stuttgart/Weimar 1997, ISBN 3-476-01244-1, S. 385–386.
  • Ewald Grothe: Lewinski, Erich. In: Kassel Lexikon. Bd. 2, hrsg. von der Stadt Kassel, Kassel 2009, S. 39.
  • Werner Röder, Herbert A. Strauss (Hrsg.): Biographisches Handbuch der deutschsprachigen Emigration nach 1933. Bd. 1: Politik, Wirtschaft, Öffentliches Leben. Saur, München 1980, S. 441.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Antje Dertinger: Die drei Exile des Erich Lewinski, Gerlingen 1995, S. 103.
  2. Antje Dertinger: Die drei Exile des Erich Lewinski, Gerlingen 1995, S. 108.
  3. Antje Dertinger: Die drei Exile des Erich Lewinski, Gerlingen 1995, S. 104.
  4. Antje Dertinger: Die drei Exile des Erich Lewinski, Gerlingen 1995, S. 123.