Erich Schönebeck

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Erich Schönebeck (* 28. Dezember 1884 in Berlin; † 1982) war ein deutscher Pädagoge und Schriftsteller.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schönebeck studierte die Fächer Germanistik, Klassische Philologie und Philosophie. 1910 promovierte er mit der Arbeit „Tieck und Solger“[1] zum Dr. phil. 1913 begann seine pädagogische Laufbahn mit Stationen an verschiedenen Berliner Gymnasien, die allerdings durch den Kriegsdienst 1915–1916 eine Unterbrechung erfuhr. Von 1917 bis 1923 war er Studienrat am Köllnischen Gymnasium in Berlin und von 1923 bis 1925 Oberstudienrat bzw. Direktor eines Staatlichen Reformrealgymnasiums in Holzminden. 1925 kehrte er nach Berlin zurück und übernahm als Oberstudiendirektor die Leitung des Andreas-Gymnasium im Berliner Bezirk Friedrichshain. Schönebeck, der seit 1919 dem Bund Entschiedener Schulreformer angehörte, 1923 in die SPD eingetreten und auch Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Lehrer war, schloss sich 1925 der Deutschen Friedensgesellschaft an. Als Pädagoge engagierte er sich für moderne Prinzipien der Erziehung. 1931 wurde er zum Vorsitzenden der Prüfstelle für die Lehrbücher des Deutschen Unterrichts berufen.

In der Berliner Ortsgruppe der Deutschen Friedensgesellschaft übte Schönebeck zeitweise das Amt eines 1. Vorsitzenden aus. Einer größeren Öffentlichkeit wurde er bekannt, als er 1928 das Verhalten der SPD-Führung in der Panzerkreuzerfrage als Wahlbetrug brandmarkte und den „Vorwärts“ in diesem Zusammenhang als „Witzblatt“ bezeichnete.[2] Sein Ausscheiden aus der DFG 1930 ist vermutlich der damaligen tiefen organisatorischen und politischen Krise der deutschen Friedensbewegung geschuldet. Nach dem Machtantritt der Nationalsozialisten verlor Schönebeck schon im Mai 1933 seine Stellung als Schuldirektor und alle sonstigen Ämter. Seitdem war er auf die Erteilung von Privatunterricht angewiesen. 1944 erhielt er eine Anstellung als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Verlagsbuchhandlung Albrecht-Dürer-Haus Berlin. Nach Kriegsende kehrte er im Mai 1945 in sein altes Amt als Leiter der Andreas-Oberschule zurück. Als 1946 auch im Ostteil Berlins unter sowjetischen Druck aus KPD und Teilen der SPD die SED gebildet wurde, gehörte Schönebeck zu den Sozialdemokraten, die ihrer Partei treu blieben. Seine Mitgliedschaft in der SPD beendete er 1948. Mit Erreichung seines 66. Lebensjahres schied er Ende 1950 aus seinem Amt als Schulleiter aus, gab aber noch bis 1952 Unterricht am Grauen Kloster. Von 1948 an war er Lehrbeauftragter für Deutschmethodik an der Pädagogischen Fakultät der Humboldt-Universität, später für Mittel- und Althochdeutsch sowie Mittel- und Neulatein am Germanistischen Institut dieser Universität, eine Tätigkeit, die er bis in sein 87. Lebensjahr weiterführte.

Literarisches Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits als junger Mann hatte sich Schönebeck literarisch betätigt. Vorrangig waren seine oft essayistischen Arbeiten aber pädagogisch, philosophisch oder literaturwissenschaftlich ausgerichtet. Im Alter wagte er sich auch an Erzählungen, Novellen und Romane heran, die meist interessanten Phasen im Leben geistesgeschichtlich oder historisch bedeutsamer Personen, etwa Kant, E.T.A. Hoffmann, Galileo Galilei oder Klopstock, gewidmet waren. Erfolgreich war sein 1966 erschienener Roman „Und auf Erden Tschingis-Chan“, der mehrfach aufgelegt wurde. Der Roman über den grausamen Welteroberer Dschingis Khan endet mit einem – für die DDR-Literatur dieser Zeit ungewöhnlich deutlichen – Bekenntnis zum Pazifismus.

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Johannes Hus. Ein Drama in fünf Akten. 1908
  • Strindberg als Erzieher. (=Entschiedene Schulreform Band 3), Verlag Ernst Oldenburg, Berlin 1922
  • Europas Totentanz (Rede), Holzminden 1924
  • Immanuel. Eine Erzählung um den jungen Kant. Lorch/Württ. und Stuttgart 1946
  • Der gefährliche Floh. Eine Novelle um E. T. A. Hoffmanns letzte Tage. Berlin 1953
  • Galileo Galilei. Berlin 1958
  • Und auf Erden Tschingis Chan. Leipzig 1966
  • Klopstock reist nach Zürich. Berlin 1969.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Berlin (Hermann Blankes Spezialdruckerei für Dissertationen) 1910, 87 S.
  2. „Die Welt am Abend“ vom 26. September 1928.