Erich Schatzki

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Erich Schatzki (* 23. Januar 1898 in Klafeld; † 28. August 1991 in Palo Alto) war ein deutscher Flugzeugkonstrukteur unter anderem beschäftigt bei Junkers, Lufthansa und Fokker.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erich Schatzki war einer von fünf Söhnen des Diplom-Ingenieurs Ferdinand Schatzki (1857–1910), der als Oberingenieur bei der Siegener Verzinkerei AG in Klafeld-Geisweid tätig war, und seiner Frau Beate geb. Stern aus Schmallenberg. Seine Brüder waren der Textilfabrikant Herbert Schatzki, der Buchhändler und Antiquar Walter Schatzki, der Röntgenologe Richard Schatzki (1901–1992) und der Arzt Paul Schatzki. Später zog die Familie in den Nachbarort Weidenau. Erich Schatzki besuchte das Siegener Gymnasium und absolvierte ein Ingenieurstudium.[1][2]

Aus seiner ersten Ehe, Bertha Schatzki verstarb 1969, gingen ein Sohn und eine Tochter hervor. Die Familie wohnte bis 1934 am Hohenzollerndamm 142 in Berlin-Wilmersdorf. Später heiratete Erich Schatzki noch zweimal, zuletzt die Künstlerin Hedda Oppenheim.[2]

Deutsche Luftfahrtindustrie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fokker D.XXI im Museum Soesterberg
Replica der Fokker G.IA in Soesterberg
P-47B der USAAF

Nach dem Ersten Weltkrieg arbeitete Erich Schatzki ab 1924 zunächst bei Junkers und wechselte 1926 als Flugzeugführer und Testpilot zur gerade gegründeten Luft Hansa. Mit dem Aufstieg zum technischen Direktor 1929 prägte er die Flugzeugentwicklung beim Luftfahrtunternehmen, so ist die Weiterentwicklung des einmotorigen Frachtflugzeugs Junkers Ju 52/1m zum dreimotorigen Verkehrsflieger Junkers Ju 52/3m hauptsächlich sein Verdienst. Im Jahr 1929 legte Erich Schatzki an der Technischen Hochschule Berlin auch seine Promotion ab. Der Titel seiner Dissertation lautete Motorschonung durch Drosselung.[2][3]

Exil[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bald nach der Machtübergabe an die Nationalsozialisten am 30. Januar 1933 beurlaubte die Lufthansa Erich Schatzki wegen seiner jüdischen Herkunft. Im Mai 1933 reiste er im Auftrag der Swissair in die USA, um die Entwicklungen im Flugzeugbau zu verfolgen und den Ankauf von Maschinen zu ermöglichen. Während des einjährigen Aufenthalts war er in ähnlicher Weise auch für das Reichsluftfahrtministerium tätig. Drei über die Lufthansa zu Studienzwecken erworbene Flugzeuge von Boeing nahm Erich Schatzki technisch ab.[2]

Die Hoffnung auf eine Beschäftigung in der US-amerikanischen Luftfahrt zerschlug sich und so übernahm Erich Schatzki im Mai 1934 den Posten als Chefkonstrukteur bei den Fokker Flugzeugwerken in Amsterdam. Dafür verließ er mit seiner Familie Berlin. Nach der Zeit bei Fokker, dort u. a. verantwortlich für das Design der D.XXI und Fokker G.I, heuerte er bei Sytse Frederick Willem Koolhoven an.[2]

Als die Niederlande 1940 von den Deutschen erobert wurden, beschäftigte er sich mit Maschinen der Tabakindustrie. Der Lufthansa-Direktor Carl August von Gablenz besuchte Erich Schatzki und warnte ihn erneut vor der akuten Gefahr durch die Judenverfolgung. Mit seiner Familie floh er über Frankreich und Spanien im Juni 1941 in die Vereinigten Staaten. Dort fand er eine Anstellung bei der Republic Aviation Company und war z. T. für die Republic P-47 verantwortlich. Neben seiner Tätigkeit in der Luftfahrtindustrie bekleidete er nach dem Zweiten Weltkrieg verschiedene Lehrstühle an US-amerikanischen Universitäten. Auch seine Brüder überlebten durch Emigration den Holocaust.[2][1]

In den Jahren 1949 sowie 1958 bis 1962 arbeitete er für die israelische Luftwaffe, ab 1970 war er bei El Al tätig. Später kehrte er in die USA zurück.[4][2]

Ehrung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf dem Lufthansa-Gelände in Hamburg-Fuhlsbüttel erinnert seit September 1996 der „Erich-Schatzki-Weg“ an ihn.[5] 2011 reiste sein Sohn aus den USA an, sah sich die nach seinem Vater benannte Straße an und führte Gespräche mit leitenden Lufthansa-Beschäftigten.

Filmdokumentationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Christoph Weber: Fliegen heißt Siegen – Die verdrängte Geschichte der Deutschen Lufthansa, 50 Min., D, WDR-ARTE, 2010

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Walter Tetzlaff: 2000 Kurzbiographien bedeutender deutscher Juden des 20. Jahrhunderts. 1. Auflage. Askania-Verlag, Lindhorst 1982, ISBN 3-921730-10-4. S. 293.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Erinnerungen an die Geisweider Juden. In: NS-gedenkstätten NRW. Arbeitskreis der NS-Gedenkstätten und -Erinnerungsorte in NRW e. V., 1. Februar 2011, archiviert vom Original am 14. September 2012; abgerufen am 15. Januar 2014.
  2. a b c d e f g Astrid Venn: Erich Schatzki. Technischer Leiter der Luft Hansa und Flugzeugkonstrukteur. In: Deutsches Technikmuseum Berlin. Nr. 1/2013, Freunde und Förderer des Deutschen Technikmuseums Berlin e. V., Stiftung Deutsches Technikmuseum Berlin, ISSN 1869-1358, S. 40–41.
  3. Erich Schatzki: Motorschonung durch Drosseln. In: Katalog der Deutschen Nationalbibliothek. Deutsche Nationalbibliothek, 1929, abgerufen am 15. Januar 2013.
  4. Walter Tetzlaff: 2000 Kurzbiographien bedeutender deutscher Juden des 20. Jahrhunderts. 1. Auflage. Askania-Verlag, Lindhorst 1982, ISBN 3-921730-10-4. S. 293.
  5. Karl Morgenstern: Erinnerung an einen Luftfahrtpionier. Straße erinnert an Lufthansa-Urgestein Erich Schatzki, der vor 20 Jahren verstarb. In: Die Welt. Axel Springer AG, 20. August 2011, abgerufen am 14. Januar 2013.