Erich Vad

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Erich Vad (* 2. Januar 1957 in Arnsberg) ist Brigadegeneral a. D. der Bundeswehr, promovierter Historiker und war in seiner letzten dienstlichen Verwendung von April 2007 bis Mai 2013 Leiter der Gruppe 22 in der Außen – und  Sicherheitspolitischen Abteilung im Bundeskanzleramt, Sekretär des Bundessicherheitsrates und Militärpolitischer Berater der Bundeskanzlerin Angela Merkel.[1]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Militärische Laufbahn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ausbildung und erste Verwendungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vad machte 1975 das Abitur am altsprachlichen Görres-Gymnasium in Düsseldorf und trat anschließend als Offizieranwärter in den Dienst der Bundeswehr. Von 1976 bis 1979 absolvierte er ein Studium der Geschichte an der Universität der Bundeswehr München. Im Anschluss daran war er von 1980 bis 1987 im Panzeraufklärungslehrbataillon 11 in Munster zuerst als Zugführer und danach zweimal als Kompaniechef eingesetzt. Während dieser Zeit promovierte Vad parallel zum Dienst bei dem Militärhistoriker Werner Hahlweg und dem israelischen Militärhistoriker Jehuda Wallach über die aktuelle Bedeutung des Militärtheoretikers Carl von Clausewitz. Die Dissertation (Dr. phil.) erschien 1986. Von 1987 an war Hauptmann Vad ein Jahr lang im US-Panzertruppenzentrum (US Army Armor School) in Fort Knox, Kentucky, eingesetzt.

Dienst als Stabsoffizier[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zurück in Deutschland absolvierte er von 1988 bis 1990 den Generalstabslehrgang an der Führungsakademie der Bundeswehr (FüAkBw) in Hamburg und erhielt bei dessen Abschluss die Clausewitz-Medaille. Hiernach wurde er zum Major i. G. befördert und war von 1990 bis 1992 Generalstabsoffizier für Logistik (Stabsabteilung|G4) und Chef des Stabes (G3) der Panzerbrigade 21 in Augustdorf unter dem Kommando von Günter Hannstein. Von 1992 bis 1995 war Vad nach Brüssel abkommandiert, wo er im Internationalen Militärstab der NATO und im Generalsekretariat der WEU als Stabsoffizier diente.

Nach dieser internationalen Verwendung wurde Oberstleutnant i. G. Vad 1995 in das Bundesministerium der Verteidigung (BMVg) versetzt, wo er in Bonn und Berlin bis 1999 in verschiedenen Referaten in der Stabsabteilung Militärpolitik im Führungsstab der Streitkräfte (FüS III 6, 2, 1) unter den Chefs des Stabes Benno Ertmann und Hartmut Moede diente. In dieser Zeit war er zeitweilig zum United States Central Command abkommandiert, zuständig für Sonderoperationen in Bosnien und Herzegowina. 1996 publizierte Vad im Westdeutschen Verlag sein Buch „Strategie und Sicherheitspolitik – Perspektiven im Werk von Carl Schmitt“. Von 1999 bis 2000 war Vad Referent für Rüstungskontrollpolitik im Auswärtigen Amt.

Im Anschluss daran war Vad, der Mitglied der CDU ist, von 2001 bis 2006 Verteidigungspolitischer Referent der CDU/CSU-Bundestagsfraktion in Berlin, wo er die damalige Fraktionsvorsitzende Angela Merkel kennenlernte. Nach der Wahl Merkels zur Bundeskanzlerin 2005 wechselte Vad 2006 in das Bundeskanzleramt, wo er bis 2007 als Referatsleiter für Militärpolitik arbeitete.

Im Mai 2007 wurde Axel Binder vom Generalinspekteur der Bundeswehr, General Wolfgang Schneiderhan, für den militärpolitischen Schlüsselposten des Gruppenleiters 22 im Bundeskanzleramt vorgeschlagen. Der Gruppenleiter 22 arbeitet dem außenpolitischen Berater, Christoph Heusgen, der Bundeskanzlerin Angela Merkel in allen Fragen der Sicherheits- und Verteidigungspolitik berät, zu. Schneiderhans Vorschlag wurde jedoch übergangen und der von der CDU favorisierte Vad auf den Posten befördert.[2] Er löste Gerd Bischof auf diesem Posten ab.

Dienst als General[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ursprünglich war geplant gewesen, Vad zum 1. April 2010 zum Kommandeur des Zentrums für Verifikationsaufgaben zu ernennen, um ihm die Beförderung zum Brigadegeneral zu ermöglichen. Auf Wunsch von Angela Merkel blieb er jedoch auf seinem Posten im Kanzleramt und wurde schließlich am 1. Juli 2010 in Berlin befördert. Der letzte General auf diesem grundsätzlich für einen Oberst vorgesehenen Dienstposten diente unter Helmut Schmidt.[3] Zum 1. Mai 2013 trat Vad in den Ruhestand.[1] Seine Nachfolge trat Oberst Andreas Delp an.[4]

In der Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erich Vad war von 2001 bis 2007 Vorsitzender der CDU Schwielowsee und zudem Fraktionsvorsitzender der CDU/FDP Fraktion in der Gemeindevertretung von Schwielowsee. Von 2009 bis 2013 war er Beisitzer im Landesvorstand der CDU Brandenburg.[5] Nach seinem Umzug nach München ist Erich Vad häufig angefragter Vortragsredner bei der Hanns – Seidel – Stiftung[6], der Jungen Union Bayern sowie in diversen CSU Gremien und Verbänden.[7]

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von 1994 bis 2001 war Erich Vad Beisitzer im Vorstand der Clausewitz-Gesellschaft.[8] Seit 2015 ist er Lehrbeauftragter am Geschwister-Scholl-Institut für Politikwissenschaft der Ludwig-Maximilians – Universität München und unterrichtet Internationale Beziehungen an der Universität Salzburg. 

Seit 2015 ist Erich Vad Inhaber der Beratungsfirma „erichvad-consulting“.[9]

Privates[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vad ist verheiratet und hat drei Kinder.

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Er veröffentlichte Aufsätze in unterschiedlichen Fachzeitschriften wie Zeitschrift für Außen- und Sicherheitspolitik, Österreichische Militärische Zeitschrift, Strategie und Sicherheit und Europäische Sicherheit, aber auch in Tageszeitungen und anderen Publikationsorganen wie Neue Zürcher Zeitung, Wissenschaft & Sicherheit und Sezession.

2003 referierte er über „Friedenssicherung und Geopolitik im Denken Carl Schmitts“ beim Institut für Staatspolitik, das als Denkfabrik der Neuen Rechten gilt. Zuvor vertrat er in einem Beitrag für die rechtskonservative Wochenzeitung Junge Freiheit die Position, in der Ausstellung Verbrechen der Wehrmacht sei „nicht hinreichend erkennbar, dass vieles, was damals – insbesondere im Partisanenkrieg und bei Repressalien sowie Geiselerschießungen – geschah, vom damaligen Kriegsrecht gedeckt war.“[10]

Aus Anlass des 70. Jahrestages hielt Erich Vad am 5. November 2013 vor 300 Teilnehmern des Europakongresses der Jewish Agency in Warschau einen Vortrag über den Aufstand im Warschauer Ghetto im Frühjahr 1943. [11]

Erich Vad hielt am 26. Januar 2015 einen Vortrag vor dem Industrieclub von NRW in Düsseldorf und war im Oktober 2015 Dozent an der amerikanischen Johns Hopkins University[12] sowie der National Defence University in Washington D.C.[13]. Am 15.11.2017 nahm Erich Vad auf Einladung des Schweizer Ständerats Damian Müller (FDP) an einer Podiumsdiskussion zusammen mit dem Schweizer Verteidigungsminister Guy Parmelin und dem Vizepräsidenten der Sicherheitspolitischen Kommission der Schweiz in Luzern teil.[14]

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Monografien

  • Carl von Clausewitz. Seine Bedeutung heute (= Libertas optima rerum. Bd. 3). Mittler, Herford u. a. 1984, ISBN 3-8132-0195-3.
  • Strategie und Sicherheitspolitik. Perspektiven im Werk von Carl Schmitt. Westdeutscher Verlag, Opladen 1996, ISBN 3-531-12912-0.
  • mit Andrea Riemer: Von Samurais und anderen Siegern. Holzhausen, Wien 2013, ISBN 978-3-902868-83-1.
  • mit Andrea Riemer: In den Spuren des Helden…. Holzhausen, Wien 2013, ISBN 978-3-902868-96-1.

Beiträge in Sammelbänden

  • Militär und die neuen Formen der Gewalt als Mittel der Politik. In: Gerhard P. Groß (Hrsg.): Führungsdenken in europäischen und nordamerikanischen Streitkräften im 19. und 20. Jahrhundert (= Vorträge zur Militärgeschichte. Bd. 19). Im Auftrag des Militärgeschichtlichen Forschungsamtes, Mittler, Hamburg u. a. 2001, ISBN 3-8132-0762-5, S. 57–70.
  • Zur Zukunft der Europäischen Sicherheits- und Verteidigungspolitik (ESVP) nach dem Dritten Golfkrieg. In: Björn Kilian, Christian Tobergte, Simon Wunder (Hrsg.): Nach dem dritten Golfkrieg. Sicherheitspolitische Analysen zu Verlauf und Folgen des Konflikts (= Wissenschaft & Sicherheit. Bd. 1). BWV, Berlin 2005, ISBN 3-8305-0972-3, S. 206–215.
  • Neue geopolitische Herausforderungen im Lichte des erweiterten Sicherheitsbegriffs. In: Walter Feichtinger, Anton Dengg (Hrsg.): Kein Feind in Sicht. Konfliktbilder und Bedrohungen der Zukunft (= Internationale Sicherheit und Konfliktmanagement. Bd. 5). Böhlau, Wien 2010, ISBN 978-3-205-78481-4, S. 35–43.
  • Asymmetrischer Krieg als Mittel der Politik. In: Thomas Jäger, Rasmus Beckmann (Hrsg.): Handbuch Kriegstheorien. VS-Verlag, Wiesbaden 2011, ISBN 978-3-531-17933-9, S. 586–593.
  • How to fight terrorism? Political and strategic aspects. In: CNS Spectrums, Cambridge University Press, Cambridge 2017, S. 1–8.
  • Angela Merkel und das Dilemma deutscher Sicherheitspolitik. In: Phillip Plickert (Hrsg.): Merkel: Eine kritische Bilanz. FinanzBuch Verlag, München 2017, ISBN 978-3959720656, S.237 ff.
  • Bündnis ohne Kraft. Wozu braucht es die NATO? In: Cicero. Magazin für politische Kultur, Heft 6, 2017, S. 59–65

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Personalveränderungen in militärischen und zivilen Spitzenstellen. Bundesministerium der Verteidigung, 6. Juni 2013, abgerufen am 6. September 2013 (PDF; 33 kB): „Brigadegeneral Dr. phil. Erich VAD, Gruppenleiter 22 im Bundeskanzleramt, Berlin, trat in den Ruhestand.“
  2. Peter Müller: Personalwechsel im Verteidigungsministerium. Welt Online, 6. April 2007, abgerufen am 6. September 2013: „So konkurrierten um den Posten als Gruppenleiter 22 im Kanzleramt der von der CDU favorisierte und nun ins Amt gehievte Erich Vad mit dem von Schneiderhan vorgeschlagenen Axel Binder.“
  3. Merkels General. Focus Online, 6. März 2010, abgerufen am 6. September 2013.
  4. Oberst Delp wird neuer Militärberater von Merkel. Abgerufen am 20. Juni 2014.
  5. Henry Klix: Der Mann im Hintergrund. Potsdamer Neueste Nachrichten, 14. Juni 2007, abgerufen am 6. September 2013.
  6. Europäische Sicherheitspolitik vor neuen Herausforderungen: Hanns-Seidel-Stiftung. Abgerufen am 13. November 2017.
  7. Otto Fritscher Feldafing: Unübersichtliche Lage. In: sueddeutsche.de. 20. Februar 2017, ISSN 0174-4917 (sueddeutsche.de [abgerufen am 13. November 2017]).
  8. Viktor Toyka, Rüdiger Kracht: Clausewitz-Gesellschaft. Chronik 1961–2011. Hrsg. durch die Clausewitz-Gesellschaft, Hamburg 2011, ISBN 978-3-9810794-6-3, S. 266.
  9. Erich Vad Consulting - Industrie- und Unternehmensberatung. Abgerufen am 13. November 2017 (deutsch).
  10. Anton Maegerle: Bundeswehr und Rechte. In: Tribüne - Zeitschrift zum Verständnis des Judentums. Nr. 196, 2010, S. 121–132 (online (PDF; 48 kB) [abgerufen am 6. September 2013]).
  11. Detlef David Kauschke: Erinnerung plus. In: http://www.juedische-allgemeine.de/. Jüdische Allgemeine, 5. November 2013, abgerufen am 6. Januar 2018.
  12. A different world: Scholars, experts reflect on 25 years of a unified Germany. In: The Hub. 1. Oktober 2015 (jhu.edu [abgerufen am 13. November 2017]).
  13. Deutsche Welle (www.dw.com): Germany 'in need of a more proactive defense policy' | Europe | DW | 10.10.2015. Abgerufen am 13. November 2017 (englisch).
  14. Luzerner Zeitung AG 6006 Luzern: «Luzern diskutiert»: Bundesrat Guy Parmelin und ein deutscher General sind zu Gast. (luzernerzeitung.ch [abgerufen am 13. November 2017]).