Erik Marquardt

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Erik Marquardt (2019)

Erik Marquardt (* 20. Oktober 1987 in Neubrandenburg) ist ein deutscher Politiker (Bündnis 90/Die Grünen) und Fotojournalist. Marquardt war Sprecher der Grünen Jugend und ist seit November 2015 Mitglied des Parteirats von Bündnis 90/Die Grünen. Seit der Europawahl 2019 ist er Mitglied des Europäischen Parlaments als Teil der Fraktion Die Grünen/EFA.

Leben und Beruf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach seinem Abitur in Berlin-Friedrichshagen studierte Marquardt von 2008 bis 2013 Chemie an der Technischen Universität Berlin, ohne einen Abschluss zu erreichen. Derzeit studiert Marquardt nebenberuflich Politik, Verwaltung und Soziologie an der Fernuniversität Hagen.[1]

Als Fotojournalist hat Marquardt mehrfach Reisen entlang der Fluchtrouten und nach Afghanistan unternommen und seine Bilder und Erlebnisse in Vorträgen bundesweit präsentiert.[2][3][4] Er nahm am Hilfseinsatz der Sea-Eye teil und konnte über 1.000 Menschen auf dem Mittelmeer helfen.[5] Er wurde im Umfeld des G20-Gipfels in Hamburg 2017 von Polizisten festgenommen und kritisierte im Anschluss, dass Kritik am Polizeieinsatz zurückgewiesen wurde.[6]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Marquardt engagierte sich neben seinem Studium von 2011 bis 2013 im Vorstand des freien zusammenschlusses von studentInnenschaften (fzs).[1][7] Von 2010 bis Oktober 2014 war Marquardt Mitglied des Kuratoriums der TU Berlin. Marquardt nahm am 25. Januar 2012 an einer öffentlichen Anhörung des Ausschusses für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung des Deutschen Bundestags zum Thema Studiengebühren als Sachverständiger teil.[8][9] Er ist Vorstandsmitglied des Instituts Solidarische Moderne (ISM) und war von 2015 bis 2019 Vorstandsmitglied des Bundes demokratischer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler (BdWi).

Engagement bei Bündnis 90/Die Grünen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von 2009 bis 2015 war Marquardt Mitglied der Grünen Jugend und ist seit 2011 Mitglied von Bündnis 90/Die Grünen. 2013 wurde er zum politischen Geschäftsführer des Bundesverbands der Grünen Jugend gewählt. Am 11. Oktober 2014 wurde Marquardt zum Sprecher des Bundesverbands gewählt. Beim Bundeskongress im November 2015 konnte Marquardt aufgrund der Altersgrenze für Mitglieder der Grünen Jugend nicht erneut kandidieren.

Parallel zu seinem Engagement in der Jugendorganisation begann sich Marquardt auch bei der Partei selbst zu engagieren, seine thematischen Schwerpunkte sieht er im Bereich Migrations[10]-, Bildungs- und Wissenschaftspolitik.[11] Bei der Aufstellungsversammlung für die Wahlliste von Bündnis 90/Die Grünen Berlin für die Bundestagswahl 2017 wurde er auf den 6. Platz gewählt, und kandidierte parallel im Bundestagswahlkreis Treptow-Köpenick, zog jedoch nicht ins Parlament ein.[12]

Wechsel ins Europaparlament[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im November 2018 kandidierte er auf der Bundesdelegiertenkonferenz der Partei für die Europawahlliste, die Delegierten nominierten ihn für den 8. Listenplatz.[13] Seine Partei gewann bei der Europawahl mit 20,5 Prozent der Stimmen 21 der 96 deutschen Mandate, sodass Marquardt direkt einzog. Er trat der Fraktion Die Grünen/EFA bei, für die Fraktion ist er Mitglied im Entwicklungsausschuss, zu dessen stellvertretendem Vorsitzenden er gewählt wurde. Des Weiteren ist er stellvertretendes Mitglied im Ausschuss für bürgerliche Freiheiten, Justiz und Inneres.[14]

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufgrund seiner Reisen an den Fluchtrouten bringt er sich immer wieder in Debatten ein und kritisiert, dass die "EU keine sicheren Fluchtwege ermöglicht".[15] Zudem widersprach er Bundesinnenminister Thomas de Maizière, dass Geflüchtetenorganisationen mit Schleppern zusammenarbeiten würden.[16]

Marquardt ist verantwortlich für das Projekt #Civilfleet, bei dem Geld für das Chartern eines Bootes zur Seenotrettung im Mittelmeer gesammelt wurde.[17] Bei der von Klaas Heufer-Umlauf organisierten Spendensammlung wurden knapp 300.000 Euro eingenommen.[18] Das Geld wurde überwiegend für eine mehrmonatige Charterung der Golfo Azzurro sowie deren Umbau und Registrierung genutzt. Zu einem Einsatz des Schiffes kam es nicht.[19]

Er lebt derzeit auf der griechischen Insel Lesbos und erlebt dort die Situation im Flüchtlingslager Moria und den Rechtsruck in der Bevölkerung aus erster Hand mit und berichtet darüber auf seinem Twitteraccount.[20] Daraufhin starteten er und andere Aktivisten die Kampagne "Leave no one behind".

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Erik Marquardt – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Marquardt auf der Seite des fzs (Memento des Originals vom 22. Oktober 2014 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.fzs.de
  2. Bärbel Schoen: Afghanistan mit eigenen Augen erlebt. 18. März 2017, abgerufen am 20. April 2017.
  3. Erik Marquardt: In Idomeni wohnt auch die Hoffnung. Der Tagesspiegel, 1. April 2017, abgerufen am 20. April 2017.
  4. Afghanistan – Sicheres Herkunftsland? Fotovortrag von Erik Marquardt mit anschließender Diskussion | Heinrich-Böll-Stiftung Brandenburg. In: Heinrich-Böll-Stiftung Brandenburg. (boell-brandenburg.de [abgerufen am 9. Dezember 2017]).
  5. NDR: Porträt: Fotograf und Helfer Erik Marquardt. 3. August 2017, abgerufen am 9. Dezember 2017 (deutsch).
  6. Erik Marquardt: Polizeieinsatz bei G20: Fragen müssen erlaubt sein. In: Die Zeit. 8. Juli 2017, ISSN 0044-2070 (zeit.de [abgerufen am 9. Dezember 2017]).
  7. FOCUS Online: Erneut zu wenig Zimmer für Studenten. In: FOCUS Online. (focus.de [abgerufen am 9. Dezember 2017]).
  8. Yalda Franzen: Gebührendebatte im Bundestag: „Menschenrechte kauft man nicht“. In: SPIEGEL online. 30. Januar 2012, abgerufen am 10. Oktober 2014.
  9. Artikel auf bundestag.de mit Video der Sitzung, abgerufen am 10. Oktober.
  10. Jana Anzlinger: Grünen-Politiker über Abschiebungen: „Wir befeuern eine Scheindebatte“. In: Die Tageszeitung: taz. 23. Januar 2017, ISSN 0931-9085 (taz.de [abgerufen am 9. Dezember 2017]).
  11. Profilbildung, gute Lehre, Wissenstransfer – gelebte Wirklichkeit oder unwirkliche Vision? Interview mit Erik Marquardt. In: podcampus.de. (podcampus.de [abgerufen am 9. Dezember 2017]).
  12. Berliner Wochenblatt Verlag GmbH: Grüne wählten ihren Direktkandidaten: Mit Erik Marquardt zur Bundestagswahl. In: berliner-woche.de. (berliner-woche.de [abgerufen am 9. Dezember 2017]).
  13. Grüne Europaliste. Abgerufen am 13. Juli 2019.
  14. Home | Erik MARQUARDT | Abgeordnete | Europäisches Parlament. Abgerufen am 13. Juli 2019.
  15. "Es ist einfach erbärmlich, dass die EU keine sicheren Fluchtwege ermöglicht": Erik Marquardt im Interview über die Balkanroute. In: Blogrebellen. 30. November 2015 (blogrebellen.de [abgerufen am 9. Dezember 2017]).
  16. De Maizière und die Seenotretter: "Das ist schäbig". In: Spiegel Online. 18. Juli 2017 (spiegel.de [abgerufen am 9. Dezember 2017]).
  17. „Jetzt retten wir!“ rp-online.de, 9. Juli 2018
  18. Jetzt retten wir! - #Civilfleet bei leetchi.com, abgerufen am 23. September 2019
  19. Was aus dem Spendenaufruf von Klaas Heufer-Umlauf wurde welt.de, 23. September 2019
  20. Hilferuf aus Moria