Erika Riemann

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Erika Riemann (* 25. Dezember 1930 in Mühlhausen; geborene Erika Grabe) ist eine deutsche Autorin. Riemann wurde 1945 als damals 14-jährige Jugendliche bis 1954 in verschiedenen sowjetischen Strafvollzugsanstalten inhaftiert. Ihre Erfahrungen publizierte sie in dem Buch Die Schleife an Stalins Bart.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sie besuchte an ihrem Geburtsort die Schule, bis sie 1945 im Alter von 14 Jahren wegen „antisowjetischer Aktivitäten“ verhaftet wurde, nachdem sie ein Porträt Stalins mit einem Lippenstift bemalt hatte.

Sie wurde von einem Sowjetischen Militärtribunal (SMT) verurteilt und verbrachte 9 Jahre in sowjetischen Strafvollzugsanstalten, anfänglich auf dem Gelände des Speziallagers Nr. 7 Sachsenhausen. Während ihrer Haft wurde sie über einen längeren Zeitraum psychisch gefoltert. Unter anderem kam es zu einer Scheinhinrichtung, bei der sie mit anderen in einen Duschraum des Lagers geführt wurde. Dort drohten die Bewacher, man werde den Häftlingen das Gleiche antun wie den Opfern des ehemaligen Konzentrationslagers Sachsenhausen, auf dessen Gelände das Speziallager betrieben wurde, denn aus den Duschen komme kein Wasser, sondern Gas.[1]

Nach der Haft zog sie 1954 zu ihrer Mutter, die sich in Hamburg-Sankt Pauli niedergelassen hatte. Den Schulabschluss konnte sie erst 1962 nachholen. Sie war insgesamt dreimal verheiratet und ist Mutter von zwei Söhnen und einer Tochter. Sie war in verschiedenen Berufen tätig. Mit über siebzig Jahren verfasste Erika Riemann das Buch Die Schleife an Stalins Bart, in dem sie ihr Schicksal darstellt. Das Buch erregte einiges Aufsehen und wurde vielfach besprochen. Noch heute warnt sie davor, die Vorkommnisse der Stalin-Ära gegenüber denen der Zeit des Nationalsozialismus zu verharmlosen.

Konflikt mit Stefan Raab[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2002 war Riemann Gast bei der Fernsehsendung Johannes B. Kerner gewesen und hatte über ihre Zeit in einem sowjetischen Speziallager berichtet. Kerner hatte sie aufgefordert, eine russischsprachige Beleidigung zu übersetzen. Erika Riemann wiederholte das Zitat „Fick deine Mutter“. Raab zeigte diesen Ausschnitt mehrmals in seiner Sendung TV total im November 2002 und bezeichnete Erika Riemann laut ihrem Anwalt als 'alte, primitive Frau, die sich schmutzigen Fäkal-Vokabulars bediene'. Dies Video war in der Folge bei YouTube eingestellt und etliche hunderttausend Mal aufgerufen worden.[2]

In der Presse wurde daraufhin von einer möglichen Klage gegen den Moderator Stefan Raab berichtet, es wurde jedoch kein Prozess geführt.

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Schleife an Stalins Bart. Ein Mädchenstreich, acht Jahre Haft und die Zeit danach. Piper, München 2006, ISBN 3-492-26165-5 (Piper Boulevard; Bd. 6165).
  • Stalins Bart ist ab. Von Bautzen zum Bundesverdienstkreuz. Hoffmann und Campe 2010, ISBN 978-3-455-50149-0

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Video Die verlorene Jugend der Erika Riemann in der ZDFmediathek, abgerufen am 26. Januar 2014. (offline)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. My lost world of Communism, BBC News, 13. März 2009
  2. Eklat um Fäkal-Zitat. Spiegel.de, 11. September 2010, abgerufen am 16. Dezember 2010.