Erinnerungsort Olympia-Attentat

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Erinnerungsort im Olympiapark München
Dreisprachige Beschriftung am Erinnerungsort

Der Gedenkort „Einschnitt“ informiert über die zwölf Opfer der Geiselnahme von München am 5. September 1972 während der Olympischen Sommerspiele in München. Er stellt die Opfer und das Geschehen an diesem Tag in der Nähe des Haupt-Tatortes im damaligen Olympiadorf multimedial in einem Pavillon in einem Geländeeinschnitt dar und wurde am 6. September 2017 in Anwesenheit u.a. der Staatspräsidenten Rivlin (Israel) und Steinmeier (Deutschland) eröffnet. Der Gedenkort „Einschnitt“ ist eine Einrichtung des Freistaates Bayern. Er soll „Bewusstseinsstiftung und Sensibilisierung gegenüber den allgegenwärtigen Gefahren für unsere Freiheit und unsere Demokratie“ schaffen.[1]

Videoinstallation Erinnerungsort Olympia-Attentat
Videoinstallation Erinnerungsort Olympia-Attentat

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Erinnerungsort ist ein horizontaler Einschnitt in einen der Hügel im nördlichen Olympiapark nördlich des Kolehmainenwegs in Milbertshofen-Am Hart.[2] Nach Osten ist der Lindenhügel geschlossen, zu allen anderen Seiten öffnet er sich für die Besucher und bietet gleichzeitig vom Inneren Sichtachsen zu den Tatorten. Die Raumfläche ist gegenüber der Umgebung etwas abgesenkt. Der Innenraum ist 2,50 Meter hoch, der Hügel insgesamt 1,50 Meter höher. Es gibt zu den zwölf Opfern säulenartige Informationstafeln mit persönlichen Erinnerungsstücken. Auf der elf Meter breiten Medienwand wird täglich von 8 bis 22 Uhr in einem „Zehn-Minuten-Loop“ mit Bildern und Tonaufnahmen erzählt, „was wir vom Attentat wissen, was nach intensiven Recherchen zusammengetragen worden ist“. Sie ist mit einem Sicherheitsglas umgeben.[3] Das Video ist auf deutsch mit englischen Untertiteln. Die videoüberwachte Gedenkstätte ist Tag und Nacht geöffnet.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anlässlich des 40. Jahrestages des Olympia-Attentats vom 5. und 6. September 1972, bei dem elf israelische Sportler und ein Münchner Polizist von palästinensischen Terroristen ermordet wurden, kündigte der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer an, gemeinsam mit der Landeshauptstadt München einen Erinnerungsort zu errichten. Im Mittelpunkt der Darstellung sollen dabei die Biografien der ermordeten Sportler stehen. Finanziell unterstützt wird dieses Vorhaben von der Landeshauptstadt München, dem Deutschen Olympischen Sportbund und dem Internationalen Olympischen Komitee. Das wissenschaftliche Konzept wurde von Werner Karg (Bayerische Landeszentrale für politische Bildungsarbeit), Bernhard Purin (Jüdisches Museum München) und Jörg Skriebeleit (KZ-Gedenkstätte Flossenbürg) erarbeitet. Bei einem 2014 durchgeführten gestalterischen Auswahlverfahren ging das Architekturbüro Brückner & Brückner als Sieger hervor.[4] Ab Herbst 2014 erhoben Anwohner des Studentendorfs (damals Olympiadorf) Proteste gegen eine zu nahe an ihren Wohnungen geplanten Standort des Erinnerungsortes und gründeten eine Bürgerinitiative.[5] Der Freistaat reagierte darauf mit einer Verlegung des Standortes zum Lindenhügel, südlich des Kolehmainenweges, etwa 250 Meter südwestlich des U-Bahnhofs Olympiazentrum im Nordteil des Olympiaparks.[6]

Bei der Grundsteinlegung wurde in Anwesenheit des israelischen Generalkonsuls Dan Sharam und der israelischen Vize-Außenministerin Tzipi Hotovely eine bronzefarbene Kapsel gefüllt. Darin befinden sich eine Grundsteinurkunde, eine bayerische und eine israelische Tageszeitung sowie Euros und Schekel.[7]

In Fürstenfeldbruck ist eine weitere Gedenkstätte geplant. Der Landtag stellte hierfür 20.000 € für die Konzeption zur Verfügung.[8] Die Gesamtkosten beliefen sich auf rund 1,676 Millionen Euro, wovon die Stadt München 419.000 Euro beisteuerte.[9][10] Die übrigen Mittel kamen vom Freistaat Bayern, vom Bund sowie vom IOC und einer US-Stiftung.[11]

Gedenken an die Opfer des Attentats von 1972 im Olympiapark München
Gedenken an die Opfer des Attentats von 1972 im Olympiapark München

Am 6. September 2017 wurde die Gedenkstätte im Beisein von Angehörigen der Opfer sowie dem deutschen Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier und Israels Staatspräsidenten Reuven Rivlin offiziell eröffnet.[12]

Zitate[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • „Es geht nicht nur um das Gedenken an die Opfer, sondern um Bewusstseinsstiftung und Sensibilisierung gegenüber den allgegenwärtigen Gefahren für unsere Freiheit und unsere Demokratie.“ – Charlotte Knobloch[13], Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern
  • „Der Gedenkort soll an das schreckliche Geschehen erinnern, es erklären, historisch einordnen und daraus Schlüsse ziehen helfen.“ – Ludwig Spaenle[14], bayerischer Wissenschaftsminister
Gedenktafel am Haus Connollystraße 31
Gedenkstein von Fritz Koenig am Stadion, 1995

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Erinnerungsort Olympia-Attentat – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Pressemitteilung von Minister Spänle am 4.9. und
    Bericht Bay. Rundfunk von der Veranstaltung
  2. Informationen zum Wettbewerb in der Zeitschrift Bauwelt
  3. http://www.sueddeutsche.de/muenchen/olympiapark-ein-gangbarer-weg-1.2715926
  4. https://www.garten-landschaft.de/olympia-attentat-muenchen-72/
  5. Website der Bürgerinitiative (Memento vom 1. August 2015 im Internet Archive)
  6. Artikel in Die Welt, 7. März 2015
  7. http://www.abendzeitung-muenchen.de/inhalt.attentat-von-1972-grundsteinlegung-fuer-das-olympia-denkmal.a599b617-1a44-46cf-a47a-ca7cadd00c96.html
  8. https://www.merkur.de/lokales/fuerstenfeldbruck/olympia-attentat-landtag-gibt-20000-euro-gedenkstaette-5851202.html
  9. http://www.br.de/nachrichten/oberbayern/inhalt/olympia-attentat-gedenkort-100.html (Memento vom 27. Oktober 2015 im Internet Archive)
  10. http://www.abendzeitung-muenchen.de/inhalt.erinnerungsstaette-im-olympiapark-olympia-attentat-stadt-beteiligt-sich-an-denkmal-kosten.e88b1a72-eae8-4da5-a8ea-04699d2f1e52.html
  11. Stadt wird das Erinnerungsort Olympia-Attentat fördern welt.de 3. März 2016
  12. Stroh, Kassian: "Es ist das erste Mal, dass ich in München lache" bei sueddeutsche.de, 6. September 2017 (abgerufen am 7. September 2017).
  13. https://www.muenchen.tv/neue-plaene-zum-gedenken-an-opfer-des-olympia-attentats-von-1972-134808/
  14. https://www.welt.de/geschichte/article148061092/Warum-Olympia-1972-nach-dem-Attentat-weiterging.html

Koordinaten: 48° 10′ 40″ N, 11° 33′ 0″ O