Eriskirch

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Eriskirch
Eriskirch
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Eriskirch hervorgehoben
47.6291666666679.5291666666667400Koordinaten: 47° 38′ N, 9° 32′ O
Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Tübingen
Landkreis: Bodenseekreis
Höhe: 400 m ü. NHN
Fläche: 14,58 km²
Einwohner: 4627 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 317 Einwohner je km²
Postleitzahl: 88097
Vorwahl: 07541
Kfz-Kennzeichen: FN
Gemeindeschlüssel: 08 4 35 013
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Schussenstraße 18
88097 Eriskirch
Webpräsenz: www.eriskirch.de
Bürgermeister: Markus Spieth (parteilos)
Lage der Gemeinde Eriskirch im Bodenseekreis
Bodensee Österreich Schweiz Bayern Bermatingen Daisendorf Deggenhausertal Eriskirch Frickingen Friedrichshafen Hagnau am Bodensee Heiligenberg (Bodenseekreis) Immenstaad am Bodensee Kressbronn am Bodensee Langenargen Markdorf Meckenbeuren Meersburg Neukirch (Bodenseekreis) Oberteuringen Owingen Salem (Baden) Sipplingen Stetten (Bodenseekreis) Tettnang Überlingen Überlingen Uhldingen-Mühlhofen Landkreis Konstanz Landkreis Konstanz Landkreis Ravensburg Landkreis SigmaringenKarte
Über dieses Bild

Eriskirch ist eine baden-württembergische Gemeinde am Bodensee, etwa in der Mitte zwischen Friedrichshafen und Langenargen und sieben Kilometer südlich von Tettnang.

Geographie[Bearbeiten]

Das Gemeindegebiet liegt an der Mündung der Schussen und ist geprägt durch ausgedehnte Waldflächen sowie durch das größte Naturschutzgebiet am nördlichen Bodenseeufer, das 550 Hektar große Eriskircher Ried.

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Zur Gemeinde Eriskirch gehören die Teilorte Eriskirch, Mariabrunn mit Moos, Gmünd, Schlatt, Schussenreute, Röcken, Ziegelhaus, Knöbelhof, Wolfzennen, Langenacker, Hofstatt, Braitenrain und Dillmannshof (seit der Gemeindereform im Jahr 1937), Schlatt sowie Ober- und Unterbaumgarten (seit 1818).

Klima[Bearbeiten]

Die durchschnittliche Jahreslufttemperatur beträgt 9 °C, die mittlere Niederschlagsmenge 950 bis 1000 mm pro Jahr, es herrscht ein günstiges Klima für Obst- und Hopfenanbau.


Monatsmittelwerte für Eriskirch-Mariabrunn, 1961 bis 1990
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Temperatur (°C) -0,3 0,8 4,2 8,2 13,0 16,2 18,4 17,3 14,1 9,1 3,8 0,7 Ø 8,8
Niederschlag (mm) 68,4 62,7 75,8 82,8 116,9 126,6 128,8 129,9 98,4 61,8 80,2 64,4 Σ 1.096,7
Sonnenstunden (h/d) 1,2 2,3 3,9 5,2 6,3 6,7 7,8 6,8 5,2 3,2 1,4 1,1 Ø 4,3
T
e
m
p
e
r
a
t
u
r
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
N
i
e
d
e
r
s
c
h
l
a
g
68,4
62,7
75,8
82,8
116,9
126,6
128,8
129,9
98,4
61,8
80,2
64,4
  Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Quelle: DWD Klimadaten Deutschland[2]

Geschichte[Bearbeiten]

Katholische Pfarrkirche im Zentrum und der Fluss Schussen

Wie auch an anderen Orten der Bodenseeregion sind durch archäologische Funde bereits Siedlungen aus der Steinzeit belegt. Um 50 n. Chr. errichteten die Römer hier eine Brücke über die Schussen. Weitgehend unerforscht ist die zugehörige römische Siedlung am westlichen Schussenufer, der römische Vicus von Eriskirch.

Die erste gesicherte urkundliche Erwähnung Eriskirchs datiert auf das Jahr 1257. Die Herrschaft Baumgarten gehörte bis 1472 dem Bischof von Konstanz. Gegen den Verkauf an die Freie Reichsstadt Buchhorn (heute Friedrichshafen) leisteten die Eriskircher Bauern erbitterten Widerstand.

Ende des 14. Jahrhunderts wurde die frühgotische Kirche Mariä Himmelfahrt neu errichtet, nachdem sich Eriskirch zu einem weithin bekannten Wallfahrtsort entwickelt hatte. Die reiche Ausstattung mit Werken des Meisters von Eriskirch, den Glasfenstern und gotischen Wandmalereien (jeweils um 1420) - im voll ausgemalten Chor sind die „Armenbibel“ und die „Hostienmühle“ fast vollständig erhalten - zeugen von einer blühenden Wallfahrt bis ins 19. Jahrhundert. Die Glocken V, VI und I aus dem 13., 14. und 16. Jahrhundert sind aus dieser Zeit bis heute zu hören. Nach dem Dreißigjährigen Krieg wurde 1666 das Gebäude teilweise barockisiert, insbesondere die Wandmalereien übertüncht und der Dachstuhl des Langhauses um etwa zwei Meter auf die Firsthöhe des Chors angehoben. Aus dieser Zeit stammen auch die Apostelstatuen. 1933 wurden die gotischen Wandmalereien wieder hervorgeholt.

Die Grafen von Montfort stifteten unter anderem das „Stifterfenster“ in der Wallfahrtskirche „Mariä Himelfahrt“ um 1420 in Eriskirch und im heutigen Ortsteil Mariabrunn im 18. Jahrhundert die Kirche „Zu unserer lieben Frau“.

Im 19. Jahrhundert fiel Eriskirch zunächst an Bayern, 1810 dann an Württemberg. Einen wirtschaftlichen Aufschwung erlebte die Gemeinde, als sie 1899 an die Bodenseegürtelbahn angeschlossen wurde.

Im Ortsteil Oberbaumgarten befinden sich die Reste der Burg Baumgarten.

Religionen[Bearbeiten]

Seit 1353 ist eine eigene Pfarrgemeinde nachgewiesen. Seit 1823 ist auch der heutige Teilort Mariabrunn Pfarrgemeinde. Auch heute noch ist der Ort überwiegend römisch-katholisch geprägt. Im 750. Jubiläumsjahr 2007 wurden zwei neue Glocken (Franziskus und Benedikt XVI.) für die Eriskircher Kirche Mariä Himmelfahrt gestiftet. Beide Glocken wurden von Bischof Gebhard Fürst im Rahmen einer Sternwallfahrt am 29. April 2007 gesegnet. Am 6. Mai 2007 zogen über 200 Kinder und Erwachsene aus der Gemeinde zusammen mit Weihbischof Bernhard Rieger und Bürgermeister Markus Spieth die Glocken per Hand in den Turm.

Die 800 evangelischen Christen der Gemeinde (Stand: 2004) gehören der Kirchengemeinde Langenargen-Eriskirch im Kirchenbezirk Ravensburg der Evangelischen Landeskirche in Württemberg an. Im Ortsteil Schlatt wurde 1970 die evangelische Kreuzkirche errichtet.

Eingemeindungen[Bearbeiten]

  • 1818: Ober- und Unterbaumgarten
  • 1937: Mariabrunn

Politik[Bearbeiten]

Eriskirch hat sich mit den Gemeinden Langenargen und Kressbronn zu einem Gemeindeverwaltungsverband zusammengeschlossen.

Bürgermeister[Bearbeiten]

Bei der Bürgermeisterwahl am 5. April 2009 wurde Markus Spieth (parteilos) mit 79,11 Prozent der gültig abgegebenen Stimmen bei einer Wahlbeteiligung von 64,72 Prozent für eine dritte Amtszeit bestätigt.[3]

Gemeinderat[Bearbeiten]

Bei der Kommunalwahl am 25. Mai 2014 ergab sich folgende Sitzverteilung:

CDU 51,9 % -2,9 7 Sitze -1
FWV 48,1 % +2,9 7 Sitze +1

Wappen[Bearbeiten]

Blasonierung: „Gespalten von Blau und Gold, vorne eine goldene Lilie (Iris), hinten eine blau bedachte silberne Kirche in perspektivischer Sicht mit rechtsstehendem, ins Langhaus integriertem Glockenturm mit spitzem Rhombendach und schwarzem Portal an der linken Stirnseite.“

Das Wappen von Eriskirch ist ein redendes Wappen, da es den Ortsnamen ausspricht: „Iris“ und „Kirche“ ergeben „Eriskirch“.

Gemeindepartnerschaften[Bearbeiten]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Obstanbaugebiet, im Hintergrund die Eriskircher Kirche

Eriskirch dient vor allem als Wohngemeinde für Menschen, die in den umliegenden größeren Städten wie Friedrichshafen arbeiten. In Eriskirch selbst befindet sich der Hauptsitz des Maschinenbauunternehmens DRIAM Anlagenbau, dem Weltmarktführer im Bereich Großcoater für das Beschichten von Tabletten und Dragees.

Darüber hinaus hat sich die Gemeinde bis heute eine landwirtschaftliche Prägung bewahrt, wobei vor allem Obst- und Hopfenanbau eine Rolle spielen. Schließlich ist in dem „staatlich anerkannten Erholungsort“ auch der Tourismus von Bedeutung.

Die Energieversorgung erfolgt durch das Regionalwerk Bodensee.

Verkehr[Bearbeiten]

Eriskirch liegt an der Bundesstraße 31 und ist durch die Bodenseegürtelbahn (Radolfzell - Lindau) auch an das Schienennetz angebunden.

Die Gemeinde ist darüber hinaus mit einigen Buslinien u. a. mit Friedrichshafen, Tettnang und Langenargen verbunden und gehört dem Bodensee-Oberschwaben Verkehrsverbund (bodo) an.

Zum Regionalflughafen Friedrichshafen sind es fünf Kilometer.

Als direkt am See liegende Gemeinde ist Eriskirch auch Station des Bodensee-Radwegs und des Bodensee-Rundwegs.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Eriskirch liegt an der Hauptroute der Oberschwäbischen Barockstraße.

Naturschutzzentrum[Bearbeiten]

Naturschutzzentrum im Eriskircher Ried

Eriskirch bietet ein Naturschutzzentrum, das auf die Tier- und Pflanzenwelt und den Naturschutz des naheliegenden Riedes spezialisiert ist. Insbesondere die Ausstellungen zum Thema Natur am Bodensee, aber auch die Führungen durch das 450 Hektar große Eriskircher Ried, dem größten Naturschutzgebiet am nördlichen Bodenseeufer sind sehenswert. Das Ried wurde bereits 1937 als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Der Bestand der blau blühenden Sibirischen Schwertlilie ist der größte seiner Art in Deutschland. Trotz früherer Hochwasser und auch durch die zeitweise Nutzung des Riedes als Truppenübungsplatz ist das gesamte Gebiet heute wieder in einem guten ökologischen Zustand.[4]

Bauwerke[Bearbeiten]

  • In der Wallfahrtskirche Maria Himmelfahrt, die um 1400 erbaut wurde, sind im hochgotischen Chorraum seltene Seccomalereien zu sehen. Diese Wandmalereien sind von 1420 bis 1430 entstanden. Im Chor des heute als Pfarrkirche genutzten Sakralbaues befinden sich weiterhin zwei bunte Glasfenster, die von den Grafen von Montfort gestiftet wurden. Eine besondere Kostbarkeit ist das Gnadenbild der Gottesmutter mit Christus, thronend auf dem Sockel mit Mondgesicht aus dem Jahre 1350. Einzigartig auch das Bildnis der Darstellung einer Hostienmühle als Wandmalerei.[4] Auf der südlichen Langhauswand befindet sich – wie in der Jodokus-Kirche in Überlingen – ein Wandbild mit der Legende der Begegnung der drei Lebenden und der drei Toten aus der Zeit um 1430. Als Besonderheit wird hier die linke Gruppe der Lebenden von der rechten Gruppe der Toten getrennt durch ein Brustbild Christi als Weltenrichter über zwei offenen Gräbern, aus denen zwei Tote hervorsteigen und Schriftbänder halten, deren Texte nicht mehr zu entziffern sind.[5]
  • Über die Schussen führen zwei historische Holzbrücken: eine von 1828 bei der Ortsmitte und eine 1824 erbaute im Ortsteil Oberbaumgarten. Die Eriskircher Brücke ruht auf 96 Holzpfählen, die am 13. Februar 1828 geschlagen wurden; sie bildet an der ehemaligen Grenze zwischen der Reichsstadt Buchhorn und der Grafschaft Montfort seitdem die Verbindung von Oberdorf nach Eriskirch.[6]

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

Streibemahder

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Ehrenbürger[Bearbeiten]

  • Ernst Zodel, wegen seiner Verdienste um den Erhalt der Selbständigkeit der Gemeinde und sein kommunalpolitisches Engagement.

Literatur[Bearbeiten]

  • Johann Daniel Georg von Memminger: Gemeinde Eriskirch, in: Beschreibung des Oberamts Tettnang. Cotta, Stuttgart und Tübingen 1838 (Volltext bei Wikisource)
  • Gemeinde Eriskirch (Hrsg.): 750 Jahre Eriskirch. Beiträge zur Geschichte und Ausblick in das 21. Jahrhundert. Gemeinde Eriskirch, Eriskirch 2006, ISBN 978-3-88812-208-8

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistisches Bundesamt – Gemeinden in Deutschland mit Bevölkerung am 31.12.2012 (XLS-Datei; 4,0 MB) (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. http://www.dwd.de/bvbw/appmanager/bvbw/dwdwwwDesktop?_nfpb=true&_windowLabel=T3200039671164966383319&_state=maximized&_pageLabel=dwdwww_start
  3. Staatsanzeiger Nr. 13 vom 9. April 2009, Seite 10
  4. a b Wanderer bewundern Schwertlilien. Inzigkofer Ortsgruppe des Schwäbischen Albvereins im Eriskircher Ried am Bodensee unterwegs. In: Südkurier vom 6. Juni 2009
  5. Hans Georg Wehrens: Der Totentanz im alemannischen Sprachraum. „Muos ich doch dran – und weis nit wan“. Schnell & Steiner, Regensburg 2012, ISBN 978-3-7954-2563-0. S. 34.
  6. Ralf Schäfer: Geschichte im Gebälk – Die historische Schussenbrücke in Eriskirch in „40 Jahre Bodenseekreis“, Sonderveröffentlichung der Schwäbischen Zeitung, Seite 15, 28. September 2013

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Eriskirch – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien