Erlöserkirche (Dresden)

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Erlöserkirche um 1880

Die Erlöserkirche war die Kirche der Evangelisch-Lutherischen Gemeinde böhmischer Exulanten zu Dresden. Sie befand sich an der Paul-Gerhardt-Straße/Wittenberger Straße im Dresdner Stadtteil Striesen und war 1878–1880 von Gotthilf Ludwig Möckel im Stil der Neogotik erbaut worden. Die Kirche wurde 1945 bei den Luftangriffen auf Dresden zerstört und 1961/62 abgetragen.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kirche war ein dreischiffiger Sakralbau mit einem polygonalen Chor. Das Schiff war dreijochig mit querliegenden Walmdächern. Die Fenster und Portale waren hochgotisch. Das Innere zeigte Pfeiler und Kreuzgratgewölbe. Die Seitenschiffe der dreischiffigen Anlage waren mit Emporen ausgestattet. Die Fassade schmückte ein hoher Turm. Als oberer Abschluss des Turmes war ein in Spitzbogenstellung geöffnetes Glockengeschoss mit Umgang zu sehen. Darauf ruhte ein hoher mit Schiefer verkleideter Turmhelm, der nach allen Seiten gleichseitige Dreiecksgiebel aufwies.[1] Das städtische Bauamt Dresdens beanspruchte 1959 gemäß § 14 des Aufbaugesetzes vom 6. September 1950 die vier kirchlichen Grundstücke der Andreas-Erlöser-Gemeinde für den Wohnungsbau. Auf einem der vier beanspruchten Grundstücke befand sich die Ruine der Erlöserkirche, auf dem zweiten das zerstörte Kirchengemeindehaus und auf dem dritten das zerstörte Pfarrhaus. In einem Einspruchsverfahren wurde von dem Superintendenten Gerhart Wendelin die Kirchenruine als „Kulturdenkmal besonderer Art“ beschrieben.[2] Grund dafür sei, dass die Erlöserkirche von den Nachkommen der Lutheraner erbaut worden sei, die in Prag verfolgt wurden und 1639 flüchten mussten. Sie sei somit ein bauliches Zeugnis der Gemeinde böhmischer Exulanten, wobei innerhalb der Gemeinde noch Tschechisch gesprochen würde und die Verbindung nach Prag sich bis in die damalige Gegenwart erhalten habe. Damit wäre sie auch gleichzeitig ein „lebendiges Zeugnis deutsch-tschechischer Freundschaft“.[2] So seien bei in der Ruine abgehaltenen Gottesdiensten im Sommer auch Delegationen aus der ČSR dabei gewesen. Trotzdem wurde sie 1961 abgebrochen.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Erlöserkirche (Dresden) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Volker Helas: Architektur in Dresden 1800-1900. Verlag der Kunst Dresden GmbH, Dresden 1991, ISBN 3-364-00261-4.
  • Matthias Lerm: Abschied vom alten Dresden – Verluste historischer Bausubstanz nach 1945. Forum Verlag, Leipzig 1993, ISBN 3-86151-047-2.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Helas, S. 187 (Erlöserkirche. Wittenberger Straße. 1878/1880 von Möckel)
  2. a b Lerm, S. 181f (Erlöserkirche)

Koordinaten: 51° 3′ 4″ N, 13° 46′ 55″ O