Erlabrunn

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Dieser Artikel beschäftigt sich mit der bayerischen Gemeinde Erlabrunn. Zu einem Ortsteil der sächsischen Gemeinde Breitenbrunn siehe Erlabrunn (Breitenbrunn)
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Erlabrunn
Erlabrunn
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Erlabrunn hervorgehoben
Koordinaten: 49° 52′ N, 9° 51′ O
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Unterfranken
Landkreis: Würzburg
Verwaltungs­gemeinschaft: Margetshöchheim
Höhe: 180 m ü. NHN
Fläche: 4,01 km²
Einwohner: 1742 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 434 Einwohner je km²
Postleitzahl: 97250
Vorwahl: 09364
Kfz-Kennzeichen: WÜ, OCH
Gemeindeschlüssel: 09 6 79 128
Gemeindegliederung: 1 Ortsteil
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Mainstr. 15
97276 Margetshöchheim
Webpräsenz: www.gemeinde-erlabrunn.de
Bürgermeister: Thomas Benkert (CSU / Fr. Wählergem. /SPD/ UB)
Lage der Gemeinde Erlabrunn im Landkreis Würzburg
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Erlabrunn ist eine Gemeinde im unterfränkischen Landkreis Würzburg und Mitglied der Verwaltungsgemeinschaft Margetshöchheim. Erlabrunn ist als Weinort bekannt und hat des Weiteren einen ansehnlichen Obstbaumbestand. Ebenfalls bekannt ist der große Badesee, der sich im Sommer großer Beliebtheit erfreut.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erlabrunn liegt an der Staatsstraße 2300 etwa zehn Kilometer nördlich von Würzburg. Der Ort liegt am Osthang des Volkenberg und reicht bis an den Main. Nachbarorte sind im Süden Margetshöchheim und Veitshöchheim, im Westen Leinach und im Norden Zellingen sowie Thüngersheim.

Es gibt nur die Gemarkung Erlabrunn. Der Ort gehört zur Verwaltungsgemeinschaft Margetshöchheim, deren Verwaltungssitz sich in Margetshöchheim befindet.

Erlabrunn ist durch zwei Einfahrten zu erreichen, die südliche Einfahrt (Margetshöchheim) und die nördliche Einfahrt (Zellingen). Ebenfalls kann Erlabrunn zu Fuß über die Schleuse am östlich gelegenen Main besucht werden.

Name[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Etymologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der ursprüngliche Gewässername Harnobrunno besteht aus den althochdeutschen Wörtern harin und brunno. Sie bedeuten Harn und Brunnen, im Sinne von „unreine Quelle“. Es gab im 12. Jahrhundert einen sinngemäßen Namenswechsel, der den Brunnen in Erlenbrunnen umbenannt hat. Dabei wurde vom mittelhochdeutschen Adjektiv erlîn, das Erle bedeutet, abgeleitet. Als Erklärung ergibt sich daraus „von Erlen umstandene Quelle“. Der Name der Quelle ging auf den Ort über.[2]

Frühere Schreibweisen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Frühere Schreibweisen des Ortes aus diversen historischen Karten und Urkunden:[2]

  • 809 Harnobrunno (nur Gewässername)
  • 1209 Erlebrunnen
  • 1272 Erlenbrunne
  • 1331 Erlebrun
  • 1342 Erlbrun
  • 1356 Erlbrunn
  • 1357 Erelbrunne
  • 1576 Erlabrun
  • 1747 Erlabrunn

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im 12. Jahrhundert existierte die Burg Falkenberg auf dem Volkenberg (der damalige Name war Falkenberg) am nördlichen Ende des heutigen Ortes. Die Bewohner der Burg Falkenberg waren Lehnsmänner der Ravensburg. Als Strafmaßnahme für die Ermordung des Würzburger Bischof Konrad von Querfurt wurde die Burg geschleift. Heute sind nur noch wenige Steine von der Ruine zu sehen.

Die erste urkundliche Erwähnung des Ortes stammt aus dem Jahr 1209 und beinhaltet, dass das Gebiet des heutigen Erlabrunn den Grafen von Rieneck gehörte. Als der Graf ein Darlehen vom Bischof von Würzburg aufnahm, verpfändete er das Land an das Hochstift Würzburg, das zum Fränkischen Reichskreis gehörte. Als Teil dieses fiel Erlabrunn – 1803 zugunsten Bayerns säkularisiert – dann im Frieden von Pressburg (1805) an Erzherzog Ferdinand III. von Toskana zur Bildung des Großherzogtums Würzburg, mit welchem es 1814 endgültig an Bayern zurückfiel. Im Zuge der Verwaltungsreformen in Bayern entstand – mit dem Gemeindeedikt von 1818 – die heutige Gemeinde.

Die katholische Pfarrkirche St. Andreas wurde ca. 1381 erbaut. 1597 wurde die Pfarrei selbständig, nachdem sie bis dahin zur Pfarrei Hettstadt gehörte. Wegen Einsturzgefahr wurde die Kirche 1655 wieder abgerissen und 1656 neu erbaut. Geweiht wurde die Kirche am 16. September 1657.[3] Das Innere der Kirche wurde 1999 teilrenoviert.

Unter dem Motto „Altes erhalten Neues gestalten“ wird seit 1991 die Dorferneuerung vorangetrieben.[4] Hierbei werden vor allem die Durchfahrtsstraße durch den Altort und die angrenzenden Gassen umgebaut. Begonnen wurde im nördlichen Teil der Durchfahrtsstraße, der Zellinger Straße. Im zweiten Bauabschnitt wird der Bereich um die Schule erneuert. Beschlossen wurde auch schon die Neugestaltung der Würzburger Straße (südlich der Schule), aber aufgrund knapper Geldmittel wurden die Baumaßnahmen auf unbestimmte Zeit verschoben.[5]

Um der wachsenden Nachfrage nach Bauplätzen gerecht zu werden, wurde 2005 im Norden des Ortes das für die Verhältnisse des Ortes große Baugebiet „Am Erlenbrunnen / Goldbühlein“ erschlossen. Zur Begründung der Größe der Erschließung wurden rechtliche und wirtschaftliche Gründe angegeben. Die Erschließungskosten betrugen 2,3 Millionen Euro.[4]

Jahr Einwohner
1875 779
1900 652
1925 701
1970 997
1987 1320
2000 1574

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde Erlabrunn hatte um 1875 779 Einwohner. Nach einem Rückgang gegen Ende des 19. Jahrhunderts fiel die Einwohnerzahl auf 652 im Jahr 1900. In der Folgezeit konnte der Ort aber wieder eine wachsende Bevölkerungszahl verzeichnen. So lebten laut einer Volkszählung 1925 701 Einwohner in der Gemeinde.[6] Auf dem Gebiet der Gemeinde wurden 1970 997, 1987 dann 1320 und im Jahr 2000 1574 Einwohner gezählt. Die aktuelle Einwohnerzahl (31. Dezember 2009) beträgt 1625.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinderat und Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Gemeinderat besteht aus zwölf Mitgliedern. Bei der Gemeinderatswahl vom 16. März 2014 lag die Wahlbeteiligung der 1358 Stimmberechtigten bei 75,18 %.[7] Aus ihr ging die CSU/Freie Wählergemeinschaft mit 52,96 % als stärkste Fraktion hervor, die damit sechs Sitze im Gemeinderat gewann. Die SPD/ Unabhängige Bürger erzielte 39,86 % und fünf Sitze, die FDP 7,18 % und einen Sitz.

Bürgermeister ist Thomas Benkert (CSU/FWG/SPD/UB). Er wurde Nachfolger von Günter Muth (CSU/FW), im Amt von 2002 bis 2014. Dessen Vorgänger waren Friedrich Petermann (SPD/Unabhängige Bürger,1990–2002), Hans Muth (1984–1990), Oskar Eckert (1960–1984) und Eugen Blaß (1948–1960).

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blasonierung: Eine grüne Weintraube auf mehrfach in rot und gold geteiltem Schild.

Dieses Wappen wurde Erlabrunn 1957 auf Antrag verliehen.[8] Früher hatte der Ort ein Dorfsiegel und Wappen, das den Kirchenpatron St. Andreas, zeigt. Dieses existierte bis etwa 1800, ging dann es aber in der Säkularisation unter, geriet in Vergessenheit und tauchte erst wieder 2003 auf.

Gemeindepartnerschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Begrüßungsschild von Erlabrunn
Ortsbild von Erlabrunn
Badesee des Erlabrunner Naherholungsgebietes
Erlabrunner Kirche vor dem Volkenberg mit der Kapelle

Partnergemeinde von Erlabrunn ist die 1600 Einwohner-Gemeinde Quettehou im nordfranzösischen Département Manche nahe der Kanalküste in der Region Normandie. Die entsprechende Charta wurde am 7. April 1985 von den beiden Bürgermeistern unterzeichnet.[9]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Natur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erlabrunn gilt aufgrund ausgedehnter Bepflanzung mit Clematis als „Clematis-Dorf“.

Tourismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rad- und Wanderwege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort verfügt über ein Wanderwegenetz, das besonders durch die Weinberge und den größten Schwarzkiefernwald Deutschlands führt.

Erlabrunner Badesee[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am südlichen Ortsende liegt der Erlabrunner Badesee, ein 19 ha großes Naherholungsgebiet mit zwei Seen (7 ha und 0,2 ha).

Baudenkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf dem Volkenberg, der einen Ausblick über den Ort und das Maintal bietet, befindet sich die 1876 errichtete Wallfahrtskapelle Maria Hilf. In unmittelbarer Nähe liegen die Reste der Burg „Falkenstein“.

Siehe auch: Liste der Baudenkmäler in Erlabrunn

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Sommernachtsfest, das Straßenweinfest und das Bergfest werden jährlich von örtlichen Vereinen veranstaltet.

Von 1995 bis 2005 wurde auf der Kulturbühne Erlabrunn das Freilichtstück ″Gebrochene Schwingen″ aufgeführt, in dem es um die Geschichte der Burg Falkenberg und der Ravensburg sowie um die Ermordung des Würzburger Bischofs Konrad von Querfurt ging.[10] Die Aufführung wurde anlässlich der 800-Jahr-Feier des Ortes Erlabrunn 2009 wieder aufgenommen.

Kulinarische Spezialitäten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Winzerbetriebe betreiben „Heckenwirtschaften“.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die einzige Verbindungsstraße des Ortes ist die Staatsstraße ST. 2300, die in nördlicher Richtung nach Zellingen führt und in südlicher Richtung nach Margetshöchheim. Da die Ortsdurchfahrt zu schmal für den Durchgangsverkehr wurde, wurde 1987 die Umgehungsstraße von Erlabrunn eröffnet. Über den Main führt sie Staustufe Erlabrunn, die allerdings nur für Fußgänger geöffnet ist. Trotz der Lage am Fluss besitzt Erlabrunn keine spezielle Anlegestelle für Schiffe. Für diese besteht lediglich die Möglichkeit, an der Kaimauer südlich der Staustufe, also flussaufwärts, festzumachen. Des Weiteren besaß Erlabrunn früher einen Bahnhof, der aber aufgrund seiner Lage auf der gegenüberliegenden Mainseite und der damit verbundenen Entfernung zum Ort kaum genutzt wurde und daher stillgelegt wurde.

Wirtschaft sowie Land- und Forstwirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gab 1998 nach der amtlichen Statistik im produzierenden Gewerbe 15 und im Bereich Handel und Verkehr keine sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Arbeitsort. In sonstigen Wirtschaftsbereichen waren am Arbeitsort 28 Personen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Wohnort gab es insgesamt 573. Im verarbeitenden Gewerbe gab es keinen, im Bauhauptgewerbe einen Betrieb. Zudem bestanden im Jahr 1999 19 landwirtschaftliche Betriebe mit einer landwirtschaftlich genutzten Fläche von 73 Hektar. Dabei handelt es sich ausschließlich um Wein- und Obstbaubetriebe.

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Kindergarten wird vom St. Elisabethenverein betrieben und umfasste 1999 75 Kindergartenplätze mit 60 Kindern.

Die 1958 errichtete Grundschule Erlabrunn ist seit 1969 neben den Grundschulen Leinachs und Zells eine der Außenstelle der Verbandsschule Margetshöchheim. Da nicht genügend Räumlichkeiten zur Verfügung stehen, gibt es nur jedes zweite Jahr eine erste Klasse in Erlabrunn. Die Erstklässler des darauffolgenden Jahres werden ab der ersten Klasse in Margetshöchheim unterrichtet. Weiterführende Schulen gibt es in Erlabrunn nicht, eine Hauptschule befindet sich in der Nachbargemeinde Margetshöchheim, Gymnasien, Realschulen sowie berufsbildende Schulen und Hochschulen vor allem in Würzburg.

Die Pfarr- und Gemeindebücherei befindet sich im Erdgeschoss des Schulgebäudes. Finanziert wird sie von der Gemeinde, der Pfarrei sowie von Spenden.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Erlabrunn – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Tabelle 12411-001: Fortschreibung des Bevölkerungsstandes: Bevölkerung: Gemeinden, Stichtage (letzten 6) vom Juli 2016 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. a b Wolf-Armin Frhr. v. Reitzenstein: Lexikon fränkischer Ortsnamen. Herkunft und Bedeutung. C.H.Beck, München 2009, ISBN 978-3-406-59131-0, S. 65 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  3. Karl Lott, Dr. Friedrich Petermann: Erlabrunn – Lebensart im Einklang mit der Natur. 1994, S. 6
  4. a b Beschreibung auf der Homepage des SPD-Ortsverbands
  5. Informationsblatt der Gemeinde Erlabrunn vom 15. Februar 2008, S.17f
  6. Karl Lott, Friedrich Petermann: Erlabrunn – Lebensart im Einklang mit der Natur. 1994, S. 9
  7. Wahlergebnis auf mainpost.de
  8. Infoblatt der Gemeinde Erlabrunn, Nr.9, vom 15. September 2008
  9. quettehou.erlabrunn.free.fr (Memento vom 28. Juli 2007 im Internet Archive)
  10. gebrochene-schwingen.de