Erlebnisgeschenke

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Als Erlebnisgeschenke werden Geschenke bezeichnet, die nicht materieller Art sind, sondern bei denen das Teilen gemeinsamer Erfahrungen und individueller Erinnerungen im Vordergrund steht. Diese Eigenschaft unterscheidet sie von klassischen Geschenken. Typische Erlebnisgeschenke sind zum Beispiel actionreiche Aktivitäten wie Bungee Jumping und Ferrari fahren oder kulinarische Erlebnisse wie Krimidinner und Candle Light Dinner.

Das Wort selbst stellt ein Kompositum dar, das sich aus den Begriffen Erlebnis und Geschenke zusammensetzt.

Mittlerweile gibt es weltweit eine Vielzahl verschiedener Anbieter, die Erlebnisgeschenke unterschiedlicher Kategorien, darunter unter anderem Sport- und Wellnessangebote, verkaufen. Je nach Produkt können die Erlebnisse entweder alleine, zu zweit oder in einer Gruppe durchgeführt werden.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Pionier des Konzepts, individuelle, erlebbare Erfahrungen zu verschenken, gilt das britische Unternehmen Red Letter Days. Die Idee dazu entstand 1989, als die Engländerin Rachel Elnaugh ihrem Vater bis dato nicht erhältliche Tickets für ein Cricketspiel zum Geburtstag schenken wollte. Noch im gleichen Jahr gründete sie ihr eigenes Unternehmen namens Red Letter Days (von engl. red-letter day "ein besonderer Tag, den man sich im Kalender rot anstreichen muss"[1]). Der weltweit erste Anbieter für Erlebnisgeschenke war geboren, dessen Angebote beschränkten sich jedoch auf das Vereinigte Königreich. In den darauffolgenden Jahren entstanden weltweit Unternehmen, die es sich zur Aufgabe machten, individuelle Erfahrungen als Erlebnisgeschenke zu verkaufen. Auch international agierende Anbieter etablierten sich auf dem Markt.

Erster Erlebnisgeschenkanbieter in Deutschland war das Unternehmen Mydays, welches 2003 in Frankfurt gegründet wurde und 2004 nach München zog. In den folgenden Jahren erweiterte sich der deutsche und deutschsprachige Markt um vielzählige Anbieter, wobei sich die Jochen Schweizer GmbH als nationaler Marktführer behaupten konnte.[2] Seit 2008 existiert ein globales Netzwerk von Erlebnisanbietern aus der ganzen Welt, die Global Experience Alliance.

Kategorien von Erlebnisgeschenken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Sport und Action: Typische Erlebnisgeschenke in diesem Bereich sind Extremsportarten und abenteuerliche Erlebnisse aller Art, wie zum Beispiel Paintball spielen, Base-Flying, ein Besuch im Hochseilgarten oder Wildwasser Rafting.
  • Dinner und Kulinarisches: Neben einem romantischen Abend zu zweit beim Candle Light Dinner oder einem erlebnisreichen Krimidinner können auch internationale Kochkurse, Whisky Seminare oder Bierbraukurse besucht werden.
  • Fahrerlebnisse: Zu diesen zählen unter anderem, einen Rennwagen selber zu fahren, ein Motorrad Training zu absolvieren oder eine Tour mit einem Panzer zu machen.
  • Fliegen und Fallen: Die Angebote in diesem Bereich reichen von Fallschirmsprüngen über das Fliegen eines Hubschraubers oder Flugzeugs bis hin zu Ballonfahrten.
  • Wellness: Unter den Erlebnisgeschenken befinden sich auch zahlreiche Wellness- und Beautyangebote. Hier sind vor allem Massagen unterschiedlicher Art, Wellnessangebote speziell für Frauen oder Männer sowie Kosmetikbehandlungen vertreten. In einer Floating Muschel schwerelos auf dem Wasser zu schweben ist ein weiteres beliebtes Wellnessangebot, das bei den meisten Erlebnisanbietern zur Verfügung steht.
  • Kultur und Lifestyle: In dieser Kategorie gibt es vielfältige Angebote, wie beispielsweise die Teilnahme an einem Goldschmiedekurs, einem professionellen Fotoshooting oder einer Stadtführung. Weitere Erlebnisse in diesem Bereich sind beispielsweise Malkurse, Bodypainting oder das Aufnehmen einer eigenen CD.
  • Kurzurlaub und Übernachten: Auch Kurzurlaube wie Städtereisen, Musicals mit Übernachtung oder das Verbringen einer Nacht im Iglu oder Baumhaus bilden bei vielen Anbietern eine eigene Kategorie.

Studie zum Markt für Erlebnisgeschenke in Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Marktstudie für Erlebnisgeschenke in Deutschland von 2014[3] hat sich neben ausgewählten soziodemographischen Merkmalen der Käufer von Erlebnisgeschenken mit deren Kaufverhalten auseinandergesetzt. Untersucht wurde der Zeitraum Mitte November 2009 bis Ende November 2013.

Geschlecht, Alter und Herkunft der Käufer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der typische Erlebnisgeschenk-Käufer aus Deutschland ist weiblich, zwischen 25 und 34 Jahre alt und lebt in einer Großstadt.

Gesamt gesehen besteht die Käuferschaft von Erlebnisgeschenken zu 60 % aus Frauen und 40 % aus Männern, wobei Männer generell etwas mehr Geld investieren. Die größte Käufergruppe bilden die 25- bis 34-Jährigen. Gemessen an der Gesamteinwohnerzahl der deutschen Bundesländer zeigen Personen, die in den Stadtstaaten Hamburg, Berlin und Bremen leben, das meiste Interesse an Erlebnisgeschenken, gefolgt von den Bewohnern der Bundesländer Hessen und Bayern. Im Schnitt geben die Deutschen rund 130 Euro pro Erlebnisgeschenk-Einkauf aus.

Im Hinblick auf die zehn bevölkerungsstärksten Städte Deutschlands erwerben die Bewohner der Großstädte München, Stuttgart und Frankfurt am Main die meisten Erlebnisgeschenke. Die durchschnittlichen Ausgaben pro Kopf belaufen sich auf rund 126 Euro. Bezüglich der Angebotsdichte pro Bundesland liegen Bayern, Nordrhein-Westfalen und Hamburg vorne. In Schleswig-Holstein herrscht die geringste Vielfalt an Erlebnisgeschenk-Angeboten. Für die Schenkenden ist der regionale Aspekt von großer Bedeutung. Sie suchen vorwiegend nach Erlebnisgeschenken in ihrer unmittelbaren Umgebung.

Beliebte Erlebnisgeschenke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von den unterschiedlichen Kategorien sind kulinarische Erlebnisse bundesweit die beliebtesten. In Bezug auf die einzelnen Angebote befinden sich das Krimidinner, ein Flug im Flugsimulator und eine Tour mit dem Segway auf den ersten Plätzen.

Aspekt des Schenkens[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei 92 % der gekauften Erlebnisgeschenke handelt es sich, wie der Name bereits suggeriert, um Geschenke. Dabei geht fast jedes zweite Erlebnisgeschenk an den eigenen Partner bzw. die eigene Partnerin, es folgen Freunde und Bekannte. 8 % werden schließlich vom Käufer selbst eingelöst, weitere Beschenkte sind unter anderem die Eltern, andere Pärchen und Verwandte.

Die meisten Erlebnisgeschenke werden zu Weihnachten und zum Valentinstag verschenkt.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Online-Wörterbuch Pons: Übersetzung "red-letter day"
  2. Rebecca Eisert: Jochen Schweizer und Co.: Das große Geschäft mit dem Kick. In: Wirtschaftswoche. 1. November 2013; abgerufen am 27. Juli 2014.
  3. Erlebnisgeschenke-Report 2014: Die erste Studie zum Erlebnisgeschenke-Markt in Deutschland, abgerufen am 28. Juli 2014

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Nina Andres: Geschenke mal anders: Ideen für Menschen, die schon alles haben. Bassermann, München 2013, ISBN 978-3809430049
  • Anna Noebels, Loreen Lauschke: Das ideale Geschenk finden: Der Praxis-Ratgeber, ISBN 978-3847660576
  • Gerhard Schmied: Zuwendungen aus Neigung und Pflicht: Geschenke als Kommunikationsmedien. In: Alfred Bellebaum, Robert Hettlage (Hrsg.): Unser Alltag ist voll von Gesellschaft. Sozialwissenschaftliche Beiträge. Springer Verlag, Viernheim 2014, ISBN 978-3-531-18605-4, S. 105–123.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]