Ernährungsrat

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Ernährungsräte (engl.: food policy councils und food board) sind Plattformen, mit denen Bürger die Ernährungspolitik auf lokaler Ebene gestalten können. Sie sind in der ganzen Welt verbreitet und bringen Konsumenten, lokale Akteure der Lebensmittelversorgung wie Landwirte und andere Erzeuger, Vertreter von Interessengruppen, Aktivisten und Vertreter der kommunalen Verwaltung zusammen, um gemeinsam die lokale Versorgung mit Lebensmitteln auf soziale und ökologisch nachhaltige Weise zu beeinflussen.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der erste Ernährungsrat der Welt wurde 1982 in Knoxville (Vereinigte Staaten) gegründet. 2002 gründete sich der erste Rat im Vereinigten Königreich, 2013 folgten die Niederlande.[1]

In Brasilien wurde im Jahr 1993 der nationale Ernährungsrat CONSEA (Conselho de Segurança Alimentar e Nutricional) gegründet, der danach lange Zeit unbeachtet blieb, aber im Jahr 2003 wieder eingesetzt wurde. Unter der Präsidentschaft Lula da Silvas konnte durch die CONSEA und damit die Einbindung der Zivilgesellschaft die Zero-Fome- (Null-Hunger-) Strategie des Landes weitestgehend durchgesetzt werden. So erscheint das Land seit 2014 nicht mehr auf der Hunger Map der FAO, und die Umsetzung diverser Sozialprogramme, wie beispielsweise die Bolsa Familia, führten zu einer stetigen Verbesserung im Kampf gegen die extreme Armut. Landesweit wurde zudem ein Schulmahlzeiten-Programm durchgesetzt, das die Schulen mit lokalen, kleinbäuerlichen und gesunden Erzeugnissen versorgt. So wird nicht nur die kleinbäuerliche Landwirtschaft unterstützt, sondern auch auf eine gesunde Ernährung im Rahmen des Schulsystems gesetzt. All diese Errungenschaften ergaben sich vor allem durch die Einbindung der Zivilgesellschaft im Rahmen der CONSEA, die mittels ihrer beratenden Funktion viele Diskussionsprozesse in Gang setzten. Bereits am Tag seines Amtsantritts am 1. Januar 2019 löste Jair Bolsonaro die CONSEA auf.[2]

Mittlerweile setzt sich das Konzept der Ernährungsräte auch weltweit immer mehr durch. So auch seit einigen Jahren in Deutschland, wobei es hier viele kleinere und lokal funktionierende Ernährungsräte gibt, beispielsweise in Berlin, Köln und Freiburg.[3] Im März 2016 wurde der Ernährungsrat in Köln als erster seiner Art in Deutschland gegründet, kurz darauf hat sich der Ernährungsrat in Berlin formiert.

Ziele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ernährungsräte beschäftigen sich je nach Zusammensetzung und lokaler Ausgangslage mit:

  • der Förderung urbaner Landwirtschaft und solidarischer Landwirtschaft
  • der Bekämpfung sozialer Benachteiligung im Ernährungssystem
  • der Verbesserung von Gemeinschaftsverpflegung in Schulen oder sozialen Einrichtungen
  • der Stärkung der Beziehungen zwischen Stadtbewohnern und Erzeugern im Umland

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Steven Engler, Oliver Stengel, Wilfried Bommert (Hrsg.): Regional, innovativ und gesund: Nachhaltige Ernährung als Teil der Großen Transformation. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2016, S. 130–133
  • Kameshwari Pothukuchi, Jerome L. Kaufman: Placing the food system on the urban agenda: The role of municipal institutions in food systems planning. In: Agriculture and Human Values, Juni 1999, Vol. 16, Issue 2, S. 213–224
  • Institut für Welternährung (Hrsg.): Ernährungswende Jetzt - Ein Beratungsmodul für Ernährungsräte, 2020. Download: http://www.ernaehrungsrat-koeln.de/wp-content/uploads/2020/02/Beratungsmodul-fu%CC%88r-Erna%CC%88hrungsra%CC%88te.pdf

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Susanne Kost, Christina Kölking: Transitorische Stadtlandschaften: Welche Landwirtschaft braucht die Stadt?. Springer, Wiesbaden 2017, S. 52 f.
  2. Viktoria Wölfl: Brasiliens Lebensmittelpolitik: Zwei Schritte nach vorn, drei Schritte zurück. Abgerufen am 26. März 2019.
  3. Ernährungsräte-Broschüre FIAN. Abgerufen am 26. März 2019.