Ernö Verebes

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Ernö Verebes um 1928 auf einer Fotografie von Alexander Binder

Ernö Verebes (auch Ernst Verebes; * 6. Dezember 1902 in New York City; † 13. Juni 1971 in Los Angeles) war ein Schauspieler und Sänger, der zeitweise in Ungarn, Deutschland und den USA lebte und arbeitete.

Leben und Werk[Bearbeiten]

Ernö Verebes wurde zwar Anfang des vergangenen Jahrhunderts in New York geboren, doch kehrte seine als Einwanderer in die USA gekommene Familie 1914 nach Ungarn zurück. Nach einer Ausbildung an der Theater-Akademie in Budapest und Auftritten als Bühnendarsteller startete Verebes 1922 in dem Film A hetedik Fatyol seine Karriere als Filmschauspieler. Schon bald wurde er (unter dem Namen Ernst Verebes) auch in deutschen Stummfilmen ein gefragter und beliebter Protagonist. 1928 war Verebes in dem großformatigen Buch Filmkünstler. Wir über uns selbst vertreten. In einem amüsanten Beitrag bekannte er: „Eleganten Humor im Film zum Ausdruck zu bringen, die Leute dazu zu bringen, dass ein herzliches Gelächter aus ihren perlenweißen Chlorodontzähnen dringt, halte ich für meine Aufgabe im Film.“[1]

Verebes war einer jener Darsteller, die aufgrund ihrer Stimme und Ausstrahlung den Übergang zum Tonfilm nahtlos bewältigten. Er war in der Folgezeit in zahlreichen Musik- und Unterhaltungsfilmen zu sehen, u.a. in Va Banque (an der Seite von Gustaf Gründgens und Lil Dagover), der Filmoperette Das Blaue vom Himmel (Musik Paul Abraham, Drehbuch Billy Wilder), der Komödie Geheimnis der roten Katze und den Operettenverfilmungen Gräfin Mariza (Musik Emmerich Kálmán), Viktoria und ihr Husar und Die Blume von Hawaii (Musik jeweils Paul Abraham). Bis 1933 folgte Film auf Film, dann musste der Schauspieler nach der Machtübergabe an die Nationalsozialisten emigrieren.[2] Er ging in sein Geburtsland USA und konnte dort unter seinem alten Namen Ernö Verebes weiter beim Film arbeiten, allerdings meist in kleineren Rollen. Er erreichte nie mehr die Beliebtheit, derer er sich in Europa erfreut hatte. War Verebes in Deutschland und Ungarn oft in der Rolle des Adeligen oder des Offiziers zu sehen, so wurde er jetzt oft als typischer Deutscher oder gar als SS-Offizier besetzt. Eine Ausnahme bildete seine Rolle als Inspizient in Ernst Lubitschs Film Sein oder Nichtsein.

Im September 1945 erhielt Ernö Verebes die Nachricht, dass seine Mutter Margit Verebes und seine Schwester Emmy Verebes 1944 in einem Internierungslager in Budapest während eines Luftangriffs der Alliierten getötet worden waren. Dies war besonders tragisch, da ihnen als amerikanischen Staatsbürgern die Deportation erspart geblieben war.

Nach dem Zweiten Weltkrieg drehte Verebes weiter in Unterhaltungsfilmen, allerdings wurden die Rollen immer bescheidener. So spielte er 1952 in der Verfilmung der Operette Die lustige Witwe (Musik: Franz Léhar) einen Ober, ohne in der Liste der Schauspieler aufgeführt zu werden. Ähnlich ging es ihm 1953 in der Rolle des Prof. Alligari in Houdini, der König des Varieté. Er zog die Konsequenz und zog sich im Alter von nur 51 Jahren von der Filmarbeit zurück. Immerhin konnte er auf die beeindruckende Bilanz von gut 140 Filmrollen zurückblicken. Seine letzten Lebensjahre verbrachte er, vom Filmgeschäft zurückgezogen, in Woodland Hills, Los Angeles.

Filmografie (Auswahl)[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Aufbau, 11. Jahrgang, Nummer 38, 21. September 1945, Seite 18, Nummer 39, 28. September 1945, Seite 17, online:.
  • Johann Caspar Glenzdorf: Glenzdorfs internationales Film-Lexikon : biographisches Handbuch für das gesamte Filmwesen. 3. Peit - Zz. Bad-Münder 1961, Seite 1786.
  • Kay Weniger: Das große Personenlexikon des Films : die Schauspieler, Regisseure, Kameraleute, Produzenten, Komponisten, Drehbuchautoren, Filmarchitekten, Ausstatter, Kostümbildner, Cutter, Tontechniker, Maskenbildner und Special Effects Designer des 20. Jahrhunderts. 8. T–Z: David Tomlinson – Theo Zwierski. Berlin 2001, Seite 157-158.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Hermann Treuner (Hrsg.): Wir über uns selbst. Band 1: Filmkünstler. Sybillen-Verlag, Berlin 1928.
  2. René Geoffroy: Ungarn als Zufluchtsort und Wirkungsstätte deutschsprachiger Emigranten (1933–1938/39). Frankfurt am Main : Lang 2001, S. 270