Ernst-Ludwig von Thadden

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Ernst-Ludwig von Thadden (* 1959 in Göttingen) ist Professor für Volkswirtschaftslehre und Rektor der Universität Mannheim.

Von Thadden erhielt 1978 sein Abitur am Max-Planck-Gymnasium Göttingen, um dann unter anderem an der Universität Heidelberg und an der London School of Economics Mathematik und Wirtschaftswissenschaften zu studieren. 1991 wurde er im Rahmen des „European Doctoral Program in Economics“ im Fach Volkswirtschaftslehre an der Universität Bonn promoviert.[1] Vor seinem Wechsel nach Mannheim im Jahre 2004 war er nach Stationen in Basel (Schweiz) und Stanford (CA) seit 1995 ordentlicher Professor an der Universität Lausanne.[2] Dort war er u.a. Forschungsdirektor des National Center of Competence in Research (NCCR) „FinRisk“ und Leiter des Doktorandenprogramms des „International Center FAME for Financial Asset Management and Engineering“, eines Vorläufers des Swiss Finance Institutes. 1998/99 war von Thadden Resident Fellow des Centre for Advanced Study in the Behavioral Sciences (CASBS) in Stanford (CA). 2002 bekleidete er den Bertil Danielson Chair an der Stockholm School of Economics und der Universität Göteborg.

Seine Forschungsschwerpunkte sind Mikroökonomie und Kapitalmarkttheorie sowie Finanzintermediation. Seine bekanntesten Beiträge zur Kapitalstrukturtheorie sind die Arbeit mit Berglöf zur Fristigkeit von Fremdfinanzierung und mit Patrick Bolton zur Liquidität von Aktienpaketen. Mit Hellwig, Pagano, Perotti, Rajan, Roe und Zingales gehörte von Thadden zu den Pionieren in der Untersuchung der politischen und historischen Dimensionen von Unternehmenskontrolle durch Kapitalmärkte. Weite Aufmerksamkeit fand in diesem Kontext seine Arbeit zur politischen Ökonomie der Unternehmenskontrolle mit Perotti.[3] In der Theorie des Bankwesens sind u.a. seine Arbeiten zur Fristigkeit von Bankkrediten, zur Informationsasymmetrie von Bank-Firmen-Beziehungen und zur dynamischen Modellierung der Fristentransformation von Bedeutung. Neben diesen Themen arbeitete er in den 2000er Jahren vor allem zum neu entstehenden europäischen Obligationenmarkt[4] und veröffentlichte 2010 mit Berglöf und Roland eine weit beachtete mikroökonomische Theorie des Konkurses.[5] Nach 2008 wandte sich von Thadden verstärkt den in der Finanzkrise von 2007 offenbarten Strukturproblemen des Finanzsystems zu, auf die er schon vorher hingewiesen hatte.[6] 2014 erschien hierzu seine mit Martin und Skeie erarbeitete Theorie der Instabilität besicherter Kreditfinanzierungsbeziehungen.[7]

Von 2001 - 2004 war von Thadden Herausgeber des Journal of Financial Intermediation und war Chefherausgeber der Zeitschrift von 2004 bis 2008. Seit 2009 ist er Mitglied der Heidelberger Akademie der Wissenschaften.[8] Neben vielfältigen anderen Positionen in der internationalen wissenschaftlichen Selbstverwaltung ist er seit 2014 Vorsitzender des Boards der „European Corporate Governance Research Foundation“ in Brüssel.

Seit 2008 im Universitätsrat der Universität Mannheim, wurde von Thadden im Oktober 2012 Rektor der Universität Mannheim.[9][10] Beiträge zur öffentlichen Diskussion von aktuellen Fragen aus dieser Zeit sind zum Beispiel zur Europäischen Schuldenkrise[11] oder der Hochschulpolitik.[12] 2015 war die Universität Mannheimer zusammen mit der London School of Economics, der Science Po (Paris) und anderen Gründungsmitglied der „Alliance of Leading Universities on Migration“ (ALUM).[13]

Ernst-Ludwig von Thadden ist der Sohn von Wiebke und Rudolf von Thadden und der Bruder von Elisabeth von Thadden. Er ist verheiratet mit Monika Abt und hat drei Kinder, Rebekka, Julia und Jakob.[14]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Gesine Millhoff: Schloss-Universität mit neuem Kapitän. Gespräch mit Professor Ernst-Ludwig von Thadden. In: Mannheim - Stadt im Quadrat, 43. Jahrgang 2013, S. 104–105. Abgerufen am 9. Juni 2016 (PDF-Datei).
  2. Thorsten Lindenbauer: Einfach Spitze: Mannheimer Fakultät für Volkswirtschaftslehre gewinnt gleich zwei international herausragende Wissenschaftler, Universität Mannheim, 14. Mai 2004
  3. E. Perotti und E. von Thadden: The Political Economy of Corporate Control and Labor Rents. In: Journal of Political Economy 114. 2006, S. 145–174.
  4. insbes. C. Favero, M. Pagano, E. von Thadden, How Does Liquidity Affect Government Bond Yields? in Journal of Financial and Quantitative Analysis 45, 2010, 107-134.
  5. E. von Thadden, E. Berglöf und G. Roland, The Design of Corporate Debt Structure and Bankruptcy in Review of Financial Studies 23, 2010, 2648-2679.
  6. z. B. in E. von Thadden: Bank Capital Adequacy Regulation and the New Basel Accord, in Journal of Financial Intermediation 13, 2004, 90-95.
  7. A. Martin, D. Skeie und E. von Thadden: Repo Runs, in: Review of Financial Studies 27, 2014, 957-989. Für eine breitere Öffentlichkeit siehe die Darstellung "Bankenzusammenbrüche und der Repo Markt aus spieltheoretischer Sicht", in: Jahrbuch der Heidelberger Akademie der Wissenschaften 2011, 99-107.
  8. Mitglieder der HAdW seit ihrer Gründung im Jahr 1909. Ernst-Ludwig von Thadden. Heidelberger Akademie der Wissenschaften, abgerufen am 9. Juni 2016.
  9. http://www.uni-mannheim.de/1/rektorat/mitglieder/rektor/
  10. Peter W. Ragge: Ein kraftvoller Gestalter geht, Mannheimer Morgen 4. Oktober 2012
  11. Ernst-Ludwig von Thadden: Lernt von Griechenland! Die ZEIT Nr. 51, 2015, abgerufen am 5. Februar 2017.
  12. J. Rocholl, E. von Thadden: Umgekehrter Braindrain: Magnet Deutschland. In: Handelsblatt. 7. Dezember 2016 (handelsblatt.com [abgerufen am 5. Februar 2017]).
  13. Interview anläßlich der zweiten, in Mannheim abgehaltenen internationalen Tagung November 2016: https://www.youtube.com/watch?v=W7lrIDnY2NI&list=PL3snVYOIL07ugDTtFVepBtYxmTmx7V7WS&index=3
  14. Profil: Prof. Dr. Ernst-Ludwig von Thadden. In: rnf.de. Rhein-Neckar Fernsehen, 15. April 2013, abgerufen am 9. August 2016 (Video, 27 Minuten).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Thadden family – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien