Ernst Alexander Rauter

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Ernst Alexander Rauter (* 27. April 1929 in Klagenfurt; † 8. März 2006 in München) war ein österreichischer Schriftsteller und Sprachkritiker.

Er galt als „Kultautor“ der 68er-Generation und arbeitete unter anderem als Kolumnist für die linke Zeitschrift konkret sowie als Ghostwriter für den Kabarettisten Wolfgang Neuss. Hermann Peter Piwitt bezeichnete ihn als einen „ganz Großen der deutschen Sprache“[1].

Wenige Titel wurden in hohen Stückzahlen von Bildungsverantwortlichen des DGB geordert und gehörten lange zur Grundausstattung gewerkschaftlicher Kurse. So verstanden junge Metaller den Weg „Vom Faustkeil zur Fabrik“ und Druckerlehrlinge diskutierten mit GEW-Paukern „Wie eine Meinung in einem Kopf entsteht“. IG Bau-Steine-Erden-Mitgliedern machte er Lust, die Bevormundung durch professionelle Schreiber und ihre Erzieher im Selbstversuch zu überwinden: „Bemühung um besseren Stil ist Bemühung um demokratischere Verhältnisse.“ Der in Pflegefamilien und Erziehungsheimen geschulte Autor war ein Radikaler des Wortes. Mit ihm tanzte er, sprengte Konventionen und entfachte Leidenschaften. Besessen von der Aufgabe, „größenwahnsinnig wie ich war, analog zu Marx‘ „Kapital“ ein Werk mit dem Titel „Die Information“ zu verfassen“ (1985 im Interview mit Mathias Altenburg), saugte Rauter Lügenwörter aus den Zeitungen, die sich vor die Wirklichkeit stellen: „Schreiben heißt, sich gegen Wörter stemmen.“ Er stemmte sich mit den richtigen Wörtern gegen eine Bewusstlosigkeit der Sprache und einen Journalismus, der Ideologie produziert statt Aufklärung. Der die Ohnmacht der Leser voraussetzt und befördert, wo das Klasseninteresse vor der Information entschleiert gehört. Scharf richtete er in dem kleinen Buch „Vom Umgang mit Wörtern“ die fruchtlose Achtlosigkeit linker Wortarbeiter, die ihr Handwerkszeug nicht beherrschen. Erst 1992 fragte ihn jemand, warum er, der wütende Kämpfer für demokratische Verhältnisse, noch kein Gewerkschaftsmitglied sei. Der gelernte Schriftsetzer wollte keine Ausrede gelten lassen und trat in den Schriftstellerverband (VS) ein. Die letzten Jahre seines Lebens verbrachte Rauter damit, dem Nachwuchs an Journalistenschulen und Verleger-Akademien zu erklären, warum sie so schlecht schreiben. Beinahe jede Woche veröffentlichte er eine medienkritische Kolumne im Internet („Rauter, ärgere dich nicht!“), deren 177. Ausgabe am 6. Februar wenige Wochen vor seinem Tod erschien. Auf einem Treffen der von Eckart Spoo gegründeten „Bürgerinitiative für Sozialismus“ im März 1990 plädierte E.A. Rauter dafür, das Wort Sozialismus nicht mehr zu verwenden. Besser solle von Produktionsdemokratie gesprochen werden. Weil es das treffende Wort für eine Sache ist, die hoffnungslos diskreditiert und endgültig verloren schien. Das ist dann nicht weiter verfolgt worden. Vom Sozialismus ganz zu schweigen. Ärgere dich nicht, Rauter, tanze![2].

Zuletzt war er als Lehrer für Schreibende tätig und hielt Seminare unter anderem an der Münchner Akademie der Bayerischen Presse sowie beim Salzburger Kuratorium für Journalistenausbildung. Zitat:

„Viele Kollegen machen sich vor, daß man zwar ein halbes Jahr lernen muß, um ein Schwein zu zerlegen, oder drei Jahre, um einen Anzug nähen zu können, daß aber jeder schreiben kann, sobald er etwas erregt ist.“

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Leben buchstabieren (autobiographischer Roman). Gollenstein Verlag 2005, ISBN 3-935731-82-5
  • Brief an meine Erzieher (autobiographischer Roman). Weismann, München 1980 (2. Aufl.) ISBN 3-921040-62-0
  • Die kunstvolle Arbeit der Verführung (autobiographischer Roman). Ullstein 1981, ISBN 3-550-06457-8
  • Wofür arbeiten wir eigentlich? (Sachbuch). Rasch und Röhring, Hamburg 1988 ISBN 3-89136-156-4
  • Vom Faustkeil zur Fabrik (Sachbuch). Weismann, München 1977, ISBN 3-921040-13-2
  • Wie eine Meinung in einem Kopf entsteht. Über das Herstellen von Untertanen (Sachbuch). Weismann, München 1971, ISBN 3-921040-04-3 Volltext
  • Die neue Schule des Schreibens (Sachbuch). Econ 1996, ISBN 3-430-17661-1
  • Vom Umgang mit Wörtern (Sachbuch). Antje Kunstmann 1978, ISBN 3-921040-53-1
  • Mallorca: Das Land hinter der Bühne (Sachbuch). Rasch & Röhring, Hamburg 1988 ISBN 3-89136-191-2
  • Kunerma, der Ort, wo niemand wohnt. Als westdeutscher Gastarbeiter in der sibirischen Taiga (Reportage). Baulino Verlag 1979, ISBN 3-203-50706-4
  • Folter in Geschichte und Gegenwart von Nero bis Pinochet (Sachbuch/Lexikon). Eichborn (Neuauflage 1988), ISBN 3-8218-1245-1
  • Du sollst mich mal kennenlernen… Das Haus der fertigen Sätze (Jugendbuch). rororo 1972, ISBN 3-499-20014-7
  • Heinz Felsbach, Ernst Alexander Rauter (Hrsg.): Internationaler Publizistik-Preis Klagenfurt 1987. Texte, Thesen, Reaktionen. Paul List, 1988 ISBN 3-471-77542-0

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. konkret 4/2006
  2. .Michael Knoche in "Menschen-Machen.Medien", Mai 2006, von ver.di