Ernst Böse

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Ernst Böse (geboren am 1. März 1901 in Oebisfelde; gestorben am 12. September 1962 in Hamburg) war ein deutscher Volksschullehrer. Zeitweise war er Mitglied der KPD, dann der SPD. Ab 1956 war er Direktor der Polizeifachschule in Hamburg-Alsterdorf.[1]

Leben und Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ernst Böse besuchte ein Lehrerseminar und war anschließend als Volksschullehrer in Neuhaldensleben tätig. 1919 schloss er sich der KPD an. In einem Prozess gegen Kommunisten vor dem Landgericht Magdeburg im April 1921 wurde er freigesprochen. Auf dem 8. Parteitag der KPD in Leipzig 1923 wurde er als Anhänger der rechten Kommunisten zum Ersatzmitglied des Zentralausschusses für den Bezirk Magdeburg-Anhalt gewählt. Er war als Redakteur für die KPD-Zeitung Tribüne in Magdeburg tätig. Am 9. November 1924 wurde er zum Abgeordneten in den Landtag des Freistaates Anhalt gewählt. Aus Protest gegen den ultralinken Kurs der Partei trat er 1925 gemeinsam mit weiteren Kommunisten aus der KPD aus. Bekannt wurde er durch seine gegen die Führung gerichtete Schrift „Wahnsinn oder Verbrechen? Am Grabe des Kommunismus“. Hier griff er die neue linke Führung um Ruth Fischer, Arkadi Maslow, Arthur Rosenberg, Max Schütz an, denen er vorwarf, den Begriff der Disziplin bis „zum Kadavergehorsam“ überspannt zu haben, die KPD leiste der „Reaktion Vorschub“. Böse schloss sich der SPD an. Vom 1925 bis 1933 war er stellvertretender Distriktsführer in der SPD. Nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten 1933 war er für einen Monat im KZ Fuhlsbüttel inhaftiert und verlor seinen Arbeitsplatz.

Nach 1945 war er wieder in der Hamburger SPD aktiv. Er trat zuerst mit verschiedenen Publikationen über Karl Marx und seine Gesellschaftslehre hervor, zu denen Herbert Wehner ein positives Gutachten verfasste.[2] In seinem Buch „Probleme der Marxschen Gesellschaftslehre“ bekennt er sich zu Max Adler und dessen Theorie.[3] Böse war ein erklärter Gegner der Auffassungen von Lenin und Stalin. Fritz Heine ermöglichte ihm die Schrift „Marx contra Stalin. Karl Marx über die russische Politik“ zu veröffentlichen.[4] Darin benutzte Böse eine Veröffentlichung von David Rjasanow[5] ohne die Zitate aus dessen Schrift nachzuweisen für seine antikommunistische Auffassung.

Ab 1956 verfasste er als Direktor[6] der Hamburger Polizeifachschule verschiedene Schriften zur staatspolitischen Bildung der angehenden Polizeibeamten. Ernst Böse starb am 12. September 1962 in Hamburg. Seine letzte Wohnadresse war Tösfeldtstr. 18 in Altona.[7]

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wahnsinn oder Verbrechen? Am Grabe des Kommunismus. Druck: W. Pfannkuch & Co., Bernburg 1925.
  • Die Religion im Spiegel sozialdemokratischer Parteitage. In: Der Atheist. Organ der Gemeinschaft Proletarischer Freidenker. Wien 3., 1929, Nr. 5 und 6.
  • Wohin steuert Sowjetrußland. In: Das Freie Wort. Sozialdemokratisches Diskussionsorgan. 2. Jg. (1930), Heft 12.
  • Unsere Taktik – oder der Bürgerkrieg. In: Das Freie Wort. Sozialdemokratisches Diskussionsorgan. 3. Jg. (1931), Heft 15.
  • Wirtschaftskrise und sozialistische Wissenschaft. In: Das freie Wort. Sozialdemokratisches Diskussionsorgan. Hrsg. von Ernst Heilmann. Berlin 1931, 3. Jahrgang, Heft 29, 19. Juli 1931.
  • Warum organisiert die KPD Meuchelmorde? In: Das freie Wort. Sozialdemokratisches Diskussionsorgan. 3. Jahrgang, Heft 36, 6. September 1931.
  • Bekenntnis eines deutschen Terror-Kommunisten. In: Das freie Wort. Sozialdemokratisches Diskussionsorgan. 3. Jahrgang, Heft 42, 18. Oktober 1931.
  • Individualpsychologie und Propaganda. In: Das freie Wort. Sozialdemokratisches Diskussionsorgan. 4. Jahrgang. 16. Oktober 1932.
  • Materialistische Geschichtsauffassung. Eine kritische Einführung. Friedrich Oetinger, Hamburg 1947. (2. Auflage 1948)
  • Ein Jahrhundert Marxismus. Hrsg. Vorstand der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Hannoversche Presse. Druck und Verlagsanstalt, Hannover o. J. [ca. 1947]
  • Probleme der Marxschen Gesellschaftslehre. Friedrich Oetinger, Hamburg 1948.[8]
  • Karl Marx. Sein Leben und sein Werk. Friedrich Oetinger, Hamburg 1948.
  • Marx contra Stalin. Karl Marx über die russische Politik. Druck: Westfalendruck, Dortmund [1950]
  • Grundgesetz und Polizei. Was der Polizeibeamte vom Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland wissen muß. Verlag Deutsche Polizei, Hamburg 1956.
  • Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland und Verfassung der Freien und Hansestadt Hamburg. Mit Einführungen in das Grundgesetz und die Hamburger Verfassung sowie kurzem Abriß der Geschichte Hamburgs. Bearb. von Ernst Böse. 2., unveränd. Aufl. Verlag Deutsche Polizei, Hamburg 1956.
  • Ernst Böse, Julius Kraft: Die Selbstentfremgung des Menschen. In: Geist und Tat. Vierteljahresschrift für Politik und Kultur. Hrsg. von Willi Eichler. Europäische Verlags-Anstalt, Frankfurt am Main 1956, S. 213 ff. ISSN 0344-2098
  • Vom Kaiserreich zur Bundesrepublik. Verlag Deutsche Polizei GmbH, Hamburg 1960. (2. Auflage 1961)
  • Politik und Demokratie. Ein Leitfaden für den politischen Unterricht. Verlag Deutsche Polizei, Hamburg 1961.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Neuhaldersleben. Wieder ein Abschied von Moskau. In: Volksstimme. Tageszeitung der Sozialdemokratischen Partei. Magdeburg. Nr. 52 vom 3. März 1925, S. 9. Digitalisat
  • Zwei Lumpen. In: Volksstimme. Tageszeitung der Sozialdemokratischen Partei. Magdeburg. Nr. 89 vom 17. April 1925, S. 1. Digitalisat
  • Fred Oelßner: Der Marxismus der Gegenwart und seine Kritiker. Dietz Verlag, Berlin 1952, S. 181 ff.
  • Martin Polzin: Kapp-Putsch in Mecklenburg. Junkertum und Landproletariat in der revolutionären Krise nach dem 1. Weltkrieg. Hinstorff, Rostock 1966, S. 57–58. (=Veröffentlichungen des Staatsarchivs Schwerin. 5)
  • Für Freiheit und Demokratie. Hamburger Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten in Verfolgung und Widerstand. 1933–1945. Hrsg. von der SPD Landesorganisation Hamburg, Arbeitskreis Geschichte und Arbeitsgemeinschaft ehemals verfolgter Sozialdemokraten. Buch und Media, Hamburg 2003. ISBN 3-8330-0637-4, S. 187. Digitalisat
  • Ernst Böse. In: Hermann Weber, Andreas Herbst: Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945. 2., überarbeitete und stark erweiterte Auflage. Dietz, Berlin 2008, ISBN 978-3-320-02130-6 (Online).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Die Bundesrepublik: Bund und Länder, kommunale und andere Körperschaften des öffentlichen Rechts sowie Spitzenverbände mit Personalangaben. Carl Heymanns, Köln et al. 1960, S. 7.
  2. Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945.
  3. „Der Wiener Marxist Max Adler […] hat […] den Versuch unternommen, die Marxsche Theorie mit den Gesichtspunkten des erkenntniskritischen Denken von Kant unauflöslich zu verbinden. Aus dieser Denkrichtung, der der Verfasser folgt […] ergeben sich […] wichtige Erkenntnisse für die sozialistische Praxis“. (Probleme der Marxschen Gesellschaftslehre, S. 7 f.)
  4. Marx contra Stalin. Karl Marx über die russische Politik, S. 12.
  5. N. Rjasanoff: Karl Marx über den Ursprung der Vorherrschaft Rußlands in Europa. Kritische Untersuchungen. (Ergänzungshefte zur Neuen Zeit 5). J. H. W. Dietz, Stuttgart 1909.
  6. Für Freiheit und Demokratie. Hamburger Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten in Verfolgung und Widerstand. 1933–1945.
  7. Hamburger Adressbuch 1962.
  8. Die angekündigte „Einführung in den Marxismus. Ein Lehrbuch“ ist nicht erschienen. (Probleme der Marxschen Gesellschaftslehre, S. 157.)