Ernst Gottfried Vivié

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Ernst Gottfried Vivié, Medaille 1889
Der Zug des Hamburger Künstlervereins im Schiller-Festzug (hinter den Musikanten in weißer Tracht) am 13. November 1859. Auf dem Pferd vor dem Zug Ernst Gottfried Vivié
Vergoldete Figur des Heiligen Georg in der Langen Reihe 39 in Hamburg-St. Georg, Kopie der Statuette von Ernst Gottfried Vivié
Vergoldete Figur des Heiligen Georg in der Langen Reihe 39 in Hamburg-St. Georg, Kopie der Statuette von Ernst Gottfried Vivié

Ernst Gottfried Vivié (* 13. Mai 1823 in Hamburg; † 18. Dezember 1902 in Hamburg) war ein deutscher Bildhauer, Vizepräsident der Hamburgischen Bürgerschaft, Vorsitzender der Patriotischen Gesellschaft und Ehrenpräsident des Hamburger Gewerbevereins.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ernst Gottfried Vivié entstammt einer Hugenotten-Familie, die aus Nimes über Holland nach Hamburg gekommen war.[1] Er wurde als Sohn des Kaufmanns und Buchhalters in einem Bankhaus Wilhelm Daniel Vivié († 1846)[2][3] und dessen Frau Anna Catharina, geborene Cords, geboren.[4] Ernst Gottfried Vivié wurde 1836 und 1837 im Atelier von Otto Sigismund Runge ausgebildet. Er begleitete diesen 1838 nach St. Petersburg, wo er vier Monate später, nach Runges Tod, dessen Arbeiten, sieben große Basreliefs für die Ausschmückung des wieder aufgebauten Winterpalais beendete. Danach war er ein Jahr und drei Monate für August Julius Streichenberg im Petersburger Schloss tätig. Dafür erhielt er eine silberne Erinnerungsmedaille. 1840 reiste er nach München und studierte dort an der Akademie der Bildenden Künste bis 1844. Nebenbei arbeitete er in dem Atelier seines Lehrers Ludwig von Schwanthaler und wurde Mitglied des Kunstvereins München.[5]

Am 1. Januar 1845 kehrte er nach kurzen Aufenthalten in Dresden und Berlin nach Hamburg zurück, wo er mit Arbeiten für den Wiederaufbau nach dem Großen Brand beschäftigt war. Nebenbei entstand eine Gruppe in Gips, Faun und Bacchantin, wovon der Kunstverein München das Original ankaufte. 1846 war sein Atelier in der Lilienstraße 14.[6] 1846 entstand die acht Fuß hohe Skulptur Der Frieden, 1847 eine vier Fuß hohe Statue in Marmor, ein Mädchen, dass eine Taube liebkost. Sie wurde von Carl Heine angekauft. Im selben Jahr schuf er zwei Fuß hohen Becher in Terrakotta, dessen Reliefs die Einigkeit als Motiv haben. Ab 1847 befand sich sein Atelier in der Caffamacherreihe 25. 1849 arbeitete er an verschiedene Holzschnitzarbeiten am Altar für die St. Nikolai Kirche. 1850 kreierte er eine Büste, die die Nichte von Heinrich von Struve darstellte. Er gewann den ausgeschriebenen Wettbewerb um die Skulptur des Evangelisten Lukas, die der Hamburger Künstlerverein von 1832, dessen Mitglied er war, der Nikolaikirche stiftete. Er war auch Mitglied der Allgemeinen Deutschen Kunstgenossenschaft.[7] Es entstanden weitere Arbeiten wie zum Beispiel die Skulpturen von Adolf IV. für das Maria-Magdalenen-Kloster und Karl der Große für die Hamburger Kunsthalle und eine Kranzträgerin. Ab 1856 befand sich sein Atelier und seine Wohnung in der Straße Große Drehbahn 41 (heute Drehbahn). Um 1859 entstand die Statuette Heiliger Georg aus Zink.[8][9][10] 1859 schuf er auch eine große Büste von Friedrich Schiller für den Vereinszug des Hamburger Künstlervereins von 1832 des Schiller-Festzuges. Er selbst ritt am 13. November 1859 auf einem Pferd an der Spitze des Vereinszuges des Hamburger Künstlervereins vorweg. Ab 1861 befand sich sein Atelier in der Caffamacherreihe 32 und ab dem 1. Mai 1874 wohnte er in der ABC-Straße 6, während sein Atelier sich nun in der Ulricusstraße 31 befand. Ab 1880 lautete seine Adresse Parkallee 5 und ab 1886 Fruchtalle 1. Ab 1896 wohnte er in der Adolfstraße 28 (heute Bernstorffstraße) und von 1898 bis zu seinem Tode Mundsburger Damm 67.

Ernst Gottfried Vivié war auch Zeichenlehrer und Lehrer in der Modellierklasse der Gewerbeschule der Patriotischen Gesellschaft, die sich im Gebäude des Museums für Kunst und Gewerbe befand und die Vorläuferin der heutigen Hochschule für bildende Künste Hamburg war. Außerdem war er Mitglied der Gesellschaft und von 1864 bis 1866 deren erster Vorsitzender sowie deren proponierender Sekretär.[11][12] Er war von 1859 bis 1893 Mitglied der Hamburgischen Bürgerschaft (Fraktion der Linken) und unter anderem deren 2. Vizepräsident von 1882 bis 1890.[13][14] Zudem war er ein Gründer[15] und Ehrenpräsident des Hamburger Gewerbevereins.[16] Er war auch Mitglied der Commisson des Museums für Kunst und Gewerbe.[17]

Auf dem mit Öl auf Eichenholz von Günther Gensler gefertigten Gemälde Künstlerische Unterhaltung von 1849 wurde Ernst Gottfried Vivié zusammen mit Theodor Bülau und Franz Bernhard Schiller abgebildet.[18] Vivié erwarb das Gemälde und schenkte es 1872 dem Museum für Kunst und Gewerbe.[19]

Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ernst Gottfried Vivié hatte mit seiner Frau Auguste, geborene Donauer, den Sohn Wilhelm Daniel Vivié (1849–1919), der Architekt und Baurat bei der Baupolizeibehörde war.[20] Er ließ ihn als Kind von Hermann Steinfurth porträtieren.

Schüler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ausstellungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Werke (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Ernst Gottfried Vivié – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Nachweis der Abstammung von Ernst Gottfried Vivié
  2. Sterbejahr des Vaters und Erwähnung eines Engels auf dem Grabstein des Vaters. Es stellt sich die Frage, ob der Engel (bzw. der ganze Grabstein) nicht auch von Ernst Gottfried Vivié ist.
  3. Abbildung des Grabsteines mit dem Engel
  4. Nachweis der Namen der Eltern
  5. Mitgliederliste Kunstverein München
  6. Hamburger Adressbuch von 1846
  7. Mitgliederliste der Allgemeinen Deutschen Kunstgenossenschaft
  8. Ernst Gottfried Vivié im Hamburgischen Künstler-Lexikon, bearbeitet vom Verein für Hamburgische Geschichte, Hoffmann und Campe 1854
  9. Ernst Gottfried Vivié im Allgemeinen Künstler-Lexicon, Band 5, von Hermann Alexander Müller, Hans Wolfgang Singer (Herausgeber), Rütten & Loening 1921
  10. Ernst Gottfried Vivié in der Deutschen Biographischen Enzyklopädie
  11. Nachweis Patriotischen Gesellschaft in Zeitschrift des Vereins für Hamburgische Geschichte, Band 92
  12. Nachweis proponierender Sekretär in Aus der Gegenwart die Zukunft gewinnen: die Geschichte der Patriotischen Gesellschaft von 1765
  13. Nachweis Hamburger Bürgerschaft in Planung und Finanzierung der Speicherstadt in Hamburg
  14. Nachweis Fraktion der Linken im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
  15. Nachweis Gründer in Hanseatische Gewerbeausstellungen im 19. Jahrhundert
  16. Nachweis Ehrenpräsident in der Deutschen Digitalen Bibliothek
  17. Commission des Museums für Kunst und Gewerbe in Jahresberichte der Hamburgischen Wissenschaftlichen Anstalten 1893
  18. Informationen zu dem Gemälde Künstlerische Unterhaltung in Die Gensler, drei Hamburger Malerbrüder des 19. Jahrhunderts
  19. Erwähnung der Schenkung in Hohe Kunst zwischen Biedermeier und Jugendstil: Historismus in Hamburg und Norddeutschland, 1977
  20. Nachweis: Baurat Sohn Wilhelm Daniel in der Deutschen Digitalen Bibliothek
  21. Nachweis über die Teilnehmer der Ausstellung, PDF-Datei des Kunstvereins
  22. Erwähnung der Statue von Schiller in der Allgemeinen Zeitung vom 4. August 1855, wo von einer Aufführung in einem Hamburger Theater berichtet wird.
  23. Seite 8 der PDF-Datei vom Bürgerverein St. Georg
  24. Abbildung der Skulptur, unten auf der Seite die PDF-Datei Flyer Gemeinde Lütau anklicken