Ernst Pernicka

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Ernst Pernicka, 2014

Ernst Pernicka [ˈpɛʁnɪtska] (* 5. Februar 1950 in Wien) ist ein österreichischer Chemiker, spezialisiert auf die Archäometrie.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ernst Pernicka wuchs in Wien auf und besuchte dort die Grundschule und das Realgymnasium.

Ausbildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pernicka studierte ab 1968 zunächst Chemie an der Universität Wien, 1976 wurde er dort mit einer Arbeit über die Herstellungstechnik von mittelalterlicher glasierter Keramik aus Persien und Afghanistan promoviert. Mit einer Arbeit über Erzlagerstätten in der Ägäis habilitierte er sich 1987 an der Fakultät für Geowissenschaften der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg.

Berufsweg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Wien war er 1973 bis 1976 als Forschungsassistent am Institut für Analytische Chemie (Elektronenstrahlmikrosonde, Neutronenaktivierungsanalyse) tätig. Er war 1976/77 wissenschaftlicher Angestellter am Max-Planck-Institut für Kernphysik. Thematisch ging es dabei um Archäometallurgie, zur Aufklärung der Herkunft des Silbers für antike Münzprägungen. Als Forschungsassistent am Institut für Analytische Chemie der Universität Wien arbeitete er 1977 bis 1979 und kehrte 1979 als Arbeitsgruppenleiter (Chemie) zurück an das Max-Planck-Institut für Kernphysik in Heidelberg. Dort ging es bis 1997 thematisch um die Entstehung und Ausbreitung der Metallurgie in der Alten Welt, Herkunftsbestimmung von Keramik und Obsidian im östlichen Mittelmeerraum (besonders in Troja). Zu den angewandten Analysenmethoden zählten

  • Neutronenaktivierungsanalyse,
  • Röntgenfluoreszenzanalyse,
  • Röntgendiffraktometrie,
  • Atomabsorptionsspektrometrie,
  • Ionenchromatographie,
  • UV/VIS-Photometrie,
  • Gravimetrie und
  • Titrimetrie.

1997 folgte er einem Ruf auf eine Professur für Archäometallurgie an der TU Bergakademie Freiberg/Sachsen und wirkte dort sieben Jahre. Von 2004 bis 2013 war er Professor für Archäometrie/Archäometallurgie am Institut für Ur- und Frühgeschichte und Archäologie des Mittelalters der Eberhard Karls Universität Tübingen. Zugleich war er wissenschaftlicher Direktor und Geschäftsführer der Curt-Engelhorn-Zentrum Archäometrie gGmbH, Mannheim (An-Institut der Universität Tübingen). Wissenschaftliche Arbeitsgebiete waren u. a. die Isotopenarchäologie und Echtheitsuntersuchung archäologischer Funde. Seit 2013 ist Pernicka Stiftungsprofessor für Archäometrie der Klaus-Tschira-Stiftung am Institut für Geowissenschaften der Universität Heidelberg und wissenschaftlicher Direktor und Geschäftsführer der Curt-Engelhorn-Zentrum Archäometrie in Mannheim.

Wissenschaftliches Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ernst Pernicka, 2016

Sein Forschungsgebiet ist insbesondere die Entwicklung und Anwendung naturwissenschaftlicher Methoden in der Archäologie sowie die Entstehung und Ausbreitung der Metallurgie in der Alten Welt. Er ist beteiligt an den Forschungen um die Himmelsscheibe von Nebra sowie in Troja und im Iran. Seit 2013 äußert er Zweifel an der Echtheit der Goldfunde von Bernstorf.[1]

Von 2006 bis 2012 war er als Nachfolger von Manfred Korfmann Leiter der Ausgrabung in Troja, zeitweise auch in Udabno (Kachetien/Ostgeorgien).

Preise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2007: Wissenschaftspreis des Landes Vorarlberg (Österreich), zusammen mit R. Krause und K. Oeggl.
  • 2012: Wahl zum korrespondierenden Mitglied im Ausland der mathematisch-naturwissen-schaftlichen Klasse der Österreichischen Akademie der Wissenschaften.
  • 2013: Advanced Grant des Europäischen Forschungsrates, die höchstdotierte Forschungsförderung der EU für herausragende Leistungen.[2]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Interview mit Ernst Pernicka in: Spektrum der Wissenschaft, Mai 2009, ISSN 0170-2971, S. 58–64.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Ernst Pernicka – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ulf von Rauchhaupt: Reinstes Gold. In: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung Nr. 2 /2017 vom 15. Januar 2017, S. 57.
  2. ERC „Advanced Grants“ für drei Wissenschaftler der Universität Tübingen@1@2Vorlage:Toter Link/www.uni-tuebingen.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. , Pressemitteilung der Universität Tübingen, 30. Januar 2013.