Ernst Scherenberg

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Ernst Scherenberg

Ernst Scherenberg (* 21. Juli 1839 in Swinemünde; † 19. September 1905 in Eisenach) war ein deutscher lyrischer Dichter.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ernst Scherenberg verbrachte seine Jugend in Swinemünde. Die Stadt, die damals noch kein bekannter Badeort war, und ihre landschaftliche Umgebung übten auf seine spätere Schaffenskraft als lyrischer Dichter eine prägende Wirkung aus. Er kam zunächst auf das Stettiner Gymnasium, wechselte dann jedoch zu einer Gewerbeschule. Dem Wunsch seines Vaters folgend, einen praktischen Beruf zu ergreifen, begann er anschließend eine Lehre in einer Berliner Maschinenfabrik. Da auf ihn das Künstlerische schon früher eine größere Anziehungskraft ausgeübt hatte als die praktische Tätigkeit eines Handwerkers, entschloss er sich, einen anderen Beruf zu wählen. Er besuchte deshalb eine Zeitlang die Kunstakademie Berlin, um Maler zu werden. Dann wandte er sich jedoch der Schriftstellerei zu.

Von 1862 bis 1864 war Scherenberg Redakteur der Berliner Frauenzeitung Viktoria, von 1865 bis 1870 Redakteur beim Braunschweiger Tageblatt und anschließend bis 1883 Chefredakteur der Elberfelder Zeitung. Er wechselte dann als Syndikus zur Elberfelder Handelskammer. Später übernahm er zusätzlich die Aufgabe des Generalsekretärs des Vereins Deutscher Eisengießereien. Beide Ämter hatte er bis zu seinem Tode inne.

Ähnlich wie sein Verwandter Christian Friedrich Scherenberg, Autor eines epischen ‚Waterlooliedes‘, dessen Neffe er war, vertrat er eine patriotische Grundhaltung. Er war ein Befürworter des monarchistischen Prinzips und ein Verehrer Kaiser Wilhelms I. Er bewunderte den Reichsgründer Otto von Bismarck und schaltete sich mit der Herausgabe des Buchs Gegen Rom! – Zeitstimmen deutscher Dichter in dessen ‚Kulturkampf‘ gegen den ultramontanen Katholizismus ein. Parteigänger der Ultramontanen reagierten mit der Gegenschrift Für Rom.

Bekannt wurde Scherenberg hauptsächlich durch seine lyrischen Gedichte, bei seinen Zeitgenossen aber auch durch seine Zeitgedichte, mit denen er ins politische Zeitgeschehen einzugreifen pflegte. Sein letzter Gedichtband – Dem Meere zu – , den er druckfertig hinterlassen hatte, wurde erst nach seinem Tod veröffentlicht. Von 1899 bis 1905 war er Mitglied des Preisrichtergremiums der von Johannes Fastenrath nach spanischem Vorbild ins Leben gerufenen ‚Kölner Blumenspiele‘, einem alljährlich ausgetragenen Poetenwettbewerb.

Als Scherenberg in Eisenach, wo er sich anlässlich einer Tagung des Vereins Deutscher Eisengießereien aufgehalten hatte, unerwartet verstarb, regte Fastenrath an, ihm in seiner Geburtsstadt ein Denkmal zu errichten. Nachdem Fastenrath ebenfalls verstorben war, setzte dessen Witwe diesen Plan in die Tat um: Am 72. Geburtstag Scherenbergs wurde in Swinemünde ein von dem steyerischen Bildhauer Hans Brandstetter, Graz, geschaffene Denkmal enthüllt [1], und zwar in der Nähe des Anlegeplatzes des Winter-Hafens, gegenüber der Ecke Königsstraße/Lindenstraße[2].

Werke (Auszug)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Aus tiefstem Herzen. Gedichte, Berlin 1860
  • Gegen Rom! – Zeitstimmen deutscher Dichter (E. Scherenberg, Hrsg.), 3. Auflage, Elberfeld 1874.
  • Deutsches Künstleralbum – Mit Beiträgen lebender Künstler und Dichter (E, Scherenberg, Hrsg.), Hannover 1877.
  • Fürst Bismarck, Elberfeld 1885.
  • Kaiser Wilhelm I. – Ein Gedenkbuch für das Deutsche Volk, Leipzig 1888.
  • Gedichte, Leipzig 1899, 6. Auflage.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wikisource: Ernst Scherenberg – Quellen und Volltexte

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Das Denkmal ist abgebildet in Jahrbuch der Kölner Blumenspiele, Band XIII, 110-119 (1911); ein Bild Scherenbergs ist enthalten in Band VII, 508-548 (1905).
  2. Meyers Reisebuch Deutsche Ostseeküste, Teil II: Rügen und die pommersche Küste mit ihrem Hinterland, 2. Auflage, Bibliographisches Institut, Leipzig 1924, S. 42-46.