Ernst Schulin

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Ernst Schulin (* 12. Oktober 1929 in Kassel) ist ein deutscher Historiker.

Die Vorfahren von Schulin waren väterlicherseits hessische Juristen und ostpreußische Kaufleute. Die Vorfahren seiner Mutter waren schlesische Gutspächter und Handwerker.[1] Sein Vater war Vizepräsident am Hessischen Verwaltungsgerichtshof. Schulin wuchs in Kassel auf. Er studierte Geschichte, Germanistik und Religionswissenschaft von 1949 bis 1955 in Göttingen und für ein Semester in Tübingen. Im Jahr 1952 ging er für fünf Monate nach Spanien. 1954 besuchte er für vier Monate Kurse am Institut d’études politiques de Paris. Von seinen akademischen Lehrern prägte ihn besonders der Orientalist und Religionshistoriker Hans Heinrich Schaeder.[2] Im Jahr 1956 wurde er bei Percy Ernst Schramm in Göttingen promoviert mit der Arbeit Die weltgeschichtliche Erfassung des Orients bei Hegel und Ranke. Von 1958 bis 1965 war er wissenschaftlicher Assistent zunächst bei Martin Göhring am Institut für Europäische Geschichte in Mainz, dann an der Universität Gießen. Die Habilitation erfolgte dort mit der Arbeit Handelsstaat England. Das politische Interesse der Nation am Außenhandel vom 16. bis ins frühe 18. Jahrhundert. Schulin lehrte als Professor für Neuere Geschichte zunächst an der Technischen Universität Berlin (1967–1974) und im Anschluss als Nachfolger von Erich Hassinger an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg (1974–1995). Zu seinen akademischen Schülern gehört Jürgen Osterhammel. Schulin war 1985/86 Stipendiat des Historischen Kollegs in München. Gemeinsam mit Wolfgang Reinhard war er seit 1992 Herausgeber der Reihe Rombach Wissenschaft Reihe Historiae.

Seine Forschungsschwerpunkte sind die Geschichte der Geschichtswissenschaft im 19. und 20. Jahrhundert sowie die jüdische, englische und französische Geschichte. Im Jahr 1974 gab er einen umfangreichen Band zur Universalgeschichte heraus, der in der Fachwelt allerdings nur verhalten aufgenommen wurde. Schulin forschte eingehend über Walther Rathenau. Er ist seit 1977 Mitherausgeber einer vielbändigen Walther-Rathenau-Gesamtausgabe. Über Rathenau veröffentlichte er 1979 eine Biographie. Im Jahr 1988 publizierte er anlässlich des zweihundertjährigen Jubiläums eine bis heute mehrmals aufgelegte Darstellung über die Französische Revolution. Im Jahr 1999 erschien von ihm eine Biographie zu Karl V.

Von 1968 bis 1995 gehörte er der Historischen Kommission Berlin an. Schulin war von 1969 bis 1995 Mitglied und ab 1992 Vorsitzender im Britisch-Deutschen-Historikerkreis, deren Bestrebungen zur Gründung des Deutschen Historischen Instituts in London führten. Seit 1981 ist Schulin ordentliches Mitglied der Heidelberger Akademie der Wissenschaften. Ihm wurde 1999 das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen. Schulin wurde 2005 Ritter der Ehrenlegion.

Schulin heiratete 1957. Aus der Ehe gingen drei Kinder hervor.

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten]

Monographien

  • Die Französische Revolution. 5. Auflage, Beck, München 2013, ISBN 978-3-406-65877-8 (Erstausgabe 1988).
  • Kaiser Karl V. Geschichte eines übergroßen Wirkungsbereiches. Kohlhammer, Stuttgart u.a. 1999, ISBN 3-17-015695-0.
  • Arbeit an der Geschichte. Etappen der Historisierung auf dem Weg zur Moderne (= Edition Pandora. Bd. 35). Campus-Verlag, Frankfurt am Main u.a. 1992, ISBN 3-593-35854-9.
  • Walther Rathenau. Repräsentant, Kritiker und Opfer seiner Zeit (= Persönlichkeit und Geschichte. Biographische Reihe. Bd. 104/104a). Musterschmidt, Göttingen 1979, ISBN 3-7881-0104-0.
  • Traditionskritik und Rekonstruktionsversuch. Studien zur Entwicklung von Geschichtswissenschaft und historischem Denken. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1979, ISBN 3-525-36173-4.
  • Handelsstaat England. Das politische Interesse der Nation am Außenhandel vom 16. bis ins frühe 18. Jahrhundert (= Veröffentlichungen des Instituts für Europäische Geschichte, Mainz. Bd. 50). Steiner, Wiesbaden 1968.

Herausgeberschaften

  • mit Bernd Martin: Die Juden als Minderheit in der Geschichte. dtv, München 1981, ISBN 3-423-01745-7.
  • Gedenkschrift Martin Göhring. Studien zur europäischen Geschichte (= Veröffentlichungen des Instituts für Europäische Geschichte, Mainz. Bd. 52). Steiner, Wiesbaden 1969

Literatur[Bearbeiten]

  • Antrittsrede von Herrn Ernst Schulin an der Heidelberger Akademie der Wissenschaften vom 17. Juli 1982. In: Jahrbuch der Heidelberger Akademie der Wissenschaften für das Jahr 1982, Heidelberg 1983, S. 81–83.
  • Patrick Bahners: Ernst Schulin. Weit denken. Weltgeschichte aus Kritik. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12. Oktober 2009, Nr. 236, S. 34.
  • Gangolf Hübinger, Jürgen Osterhammel, Erich Pelzer (Hrsg.): Universalgeschichte und Nationalgeschichten. Ernst Schulin zum 65. Geburtstag. Rombach, Freiburg 1994, ISBN 3-7930-9120-1.
  • Schulin, Ernst. In: Kürschners Deutscher Gelehrtenkalender. Bio-bibliographisches Verzeichnis deutschsprachiger Wissenschaftler der Gegenwart. Band 3: M – SD. 26. Ausgabe. de Gruyter, Berlin u. a. 2014, ISBN 978-3-11-030256-1, S. 3370.
  • Gottfried Schramm: Ernst Schulin 70 Jahre alt. In: Freiburger Universitätsblätter, Bd. 38 (1999), S. 160–161.
  • Wer ist wer? Das deutsche Who’s Who. L. Ausgabe 2011/2012, S. 1074

Weblinks[Bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Antrittsrede von Herrn Ernst Schulin an der Heidelberger Akademie der Wissenschaften vom 17. Juli 1982. In: Jahrbuch der Heidelberger Akademie der Wissenschaften für das Jahr 1982, Heidelberg 1983, S. 81–83, hier: S. 81.
  2. Antrittsrede von Herrn Ernst Schulin an der Heidelberger Akademie der Wissenschaften vom 17. Juli 1982. In: Jahrbuch der Heidelberger Akademie der Wissenschaften für das Jahr 1982, Heidelberg 1983, S. 81–83, hier: S. 82.