Ernst Walter Zeeden

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Ernst Walter Zeeden (* 14. Mai 1916 in Berlin; † 5. September 2011[1]) war ein deutscher Historiker für Mittlere und Neuere Geschichte.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ernst Walter Zeeden wurde als Sohn des Landgerichtsdirektors Konrad Zeeden (1879–1925) und dessen Frau Marianne in Berlin geboren.

Nach seinem Abitur auf dem Berliner Bismarck-Gymnasium studierte Zeeden von 1934 bis 1939 Geschichte, Germanistik und Latein an den Universitäten Leipzig, Heidelberg, München und Freiburg. An der Universität Leipzig wurde er Mitglied des Corps Saxonia Leipzig. Mit der Arbeit Hardenberg und der Gedanke einer Volksvertretung in Preußen 1807-1812 wurde er 1939 bei Gerhard Ritter an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg zum Dr. phil. promoviert. Am 4. November 1948 heiratete er in Freiburg Pauline Dubbert, mit der er fünf Kinder hatte: Heinrich, Irmgard, Wolfgang, Gerhard und Theresia.

1947 habilitierte sich Zeeden an der Universität Freiburg. 1954 wurde er dort außerplanmäßiger Professor. 1957 erhielt er einen Ruf an die Eberhard Karls Universität Tübingen. 1984 wurde er emeritiert.

Zeeden stammte aus einer protestantischen Familie, trat jedoch zur Römisch-katholische Kirche über und wurde am 9. Mai 1954 in Freiburg im Breisgau in den Ritterorden vom Heiligen Grab zu Jerusalem investiert. Seine Ehefrau und seine Kinder blieben jedoch Protestanten.

Zeeden wurde auf dem Bergfriedhof (Tübingen) beerdigt.

Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zeeden baute in Tübingen einen der ersten Geisteswissenschaftlichen Sonderforschungsbereiche der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) zum Thema „Spätmittelalter und Reformation“ zusammen mit dem Historiker Josef Engel und dem Theologen Heiko Augustinus Oberman auf. Zeedens Lebenswerk umfasst die Epochen der Reformation und des Konfessionellen Zeitalters, zu deren Neubewertung in der deutschen und europäischen Geschichte er Entscheidendes beitrug. Wenn heute die Entstehung der Konfessionen, Konfessionsbildung und Konfessionalisierung sowie die Kulturgeschichte der Frühen Neuzeit zentrale Themen sind und die ältere Zentrierung der Reformationsgeschichtsschreibung auf die Gestalt Martin Luthers und die frühen Jahre der Reformation durch eine längerfristig angelegte Perspektive erweitert worden sind, so hat Zeeden daran großen Anteil. Seine Schriften und sein Konfessionen übergreifender vergleichender Ansatz sowie seine kulturgeschichtliche These von den katholischen Traditionen im älteren Luthertum des 16. und 17. Jahrhunderts wurden auch im außerdeutschen Ausland rezipiert.

Mit seinen Büchern über die „Entstehung der Konfessionen“, „Martin Luther“ oder dem Band „Hegemonialkriege und Glaubenskämpfe“ in der Propyläen-Geschichte Europas konnte Zeeden teilweise völlig neue Forschungsrichtungen initiieren. Sein wissenschaftlicher Nachlass wird im Stadtarchiv Ulm verwaltet und umfasst 18 laufende Meter.

Zeeden betreute siebzig Promotionen und bildete über zehn spätere Hochschullehrer aus.[2] Zu seinen Schülern gehören Johannes Burkhardt, Helga Schnabel-Schüle und Wolfram Siemann. Er selbst war Schüler Gerhard Ritters sowie Verwandter Max Webers.[3]

Werke (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hardenberg und der Gedanke einer Volksvertretung in Preußen, Ebering, Berlin 1940.
  • Martin Luther und die Reformation im Urteil des deutschen Luthertums, 2 Bde., Herder, Freiburg 1950/52.
  • Die Entstehung der Konfessionen, Oldenbourg, München 1965.
  • Das Zeitalter der Glaubenskämpfe, Deutscher Taschenbuch-Verlag, München 1973 (Taschenbuchausg. der 9., neu bearb. Aufl. des Gebhardt. Handbuch der deutschen Geschichte).
  • Propyläen-Geschichte Europas. Bd. 2: Hegemonialkriege und Glaubenskämpfe, Propyläen Verlag, Berlin 1977.
  • Europa im Umbruch, Klett-Cotta, Stuttgart 1982.
  • Konfessionsbildung. Studien zur Reformation, Gegenreformation und katholischen Reform, Klett-Cotta, Stuttgart 1985, ISBN 978-3-608-91166-4.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Markus Gerstmeier und Anton Schindling (Hrsg.): Ernst Walter Zeeden (1916-2011) als Historiker der Reformation, Konfessionsbildung und „Deutscher Kultur“. Relektüren eines geschichtswissenschaftlichen Vordenkers. Mit Beiträgen von Wilhelm Borth u.a., Aschendorff, Münster 2016.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. em. Prof. Dr. Ernst Walter Zeeden gestorben, Aktuelles, Neuere Geschichte, Universität Tübingen, abgerufen am 15. September 2011.
  2. Der Historiker Ernst Walter Zeeden wird 85 (Memento vom 27. Februar 2002 im Internet Archive)
  3. Seine Mutter war eine Tochter von Alwine Müller, der jüngsten Tochter Carl David Webers, des Onkels von Max Weber.