Ernst Wolff (Journalist)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Ernst Wolff (* 1950 in Südostasien) ist ein deutscher Autor und Journalist. Sein Schwerpunkt sind die Risiken des globalen Finanz- und Geldsystems.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wolff wuchs in Südostasien auf und ging in Deutschland zur Schule. Er studierte in den Vereinigten Staaten Philosophie und Geschichte. Nach eigenen Angaben musste er die USA verlassen, nachdem er Artikel veröffentlicht hatte, in denen er den Vietnamkrieg kritisierte. Er war in unterschiedlichen Berufen tätig, unter anderem als Journalist, Dolmetscher und Drehbuchautor.

Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seine Bücher, die vor allem im Tectum-Wissenschaftsverlag veröffentlicht wurden, handeln von den wechselseitigen Beziehungen zwischen Politik und Wirtschaft, insbesondere der Geld-[1] und Finanzwirtschaft[2][3] und dem Internationalen Währungsfonds (IWF). Sein Buch Weltmacht IWF gelangte auf die Spiegel-Bestsellerliste.[4][5]

Wolff publiziert Artikel in Onlinemedien wie telepolis und Politblogs. Er produziert Videosendungen mit KenFM, etwa die Serie „The Wolff of Wall Street“, mit Klagemauertv, nuoviso und anderen.

Weltmacht IWF[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Henrik Scheller attestiert Wolffs Darstellung einen „latent verschwörungstheoretischer Duktus,“ insofern er immer wieder auf unpersonalisierte Mächte, Geheimdienste und Strategen verweist. Das Vorgehen des IWF werde „als ein durch und durch planvolles, intentionales und eigennutzorientiertes Handeln“ dargestellt. Er zitiert dazu die Aussage Wolffs: „Ohne die systematische Vorbereitung durch den IWF wäre die humanitäre Katastrophe der neunziger Jahre auf dem Balkan nicht möglich gewesen (S. 79).“

Scheller gesteht zu, dass die Abfolge der Krisen in einem Kontext gesehen und gedeutet werden müssen. Auch die nationalen Regierungen bedürfen nach Meinung Schellers eines besonderen Augenmerks. Die Personalisierung der Maßnahmen des IWF, etwa die Charakterisierung Horst Köhlers „als Wegbereiter der größten Bankenbereicherung“ geht dem Rezensenten zu weit. Zur Frage nach konstruktiven und realistischen Reformansätzen und Alternativszenarien bleibe Wolffs „Anklageschrift“ unbefriedigend.[6]

Der Finanztsunami[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wolff versucht die Frage zu beantworten, warum die Finanzmärkte zum Maß aller Dinge geworden zu sein scheinen. Nach zwei Weltkriegen hätten vor allem die durch die Kriegskreditvergabe zur Weltmacht aufgestiegenen Finanzinstitute der New Yorker Wall Street die globale Führung übernommen. Auf der Konferenz von Bretton Woods seit 1944 von der Politik ein Währungssystem ins Leben gerufen worden, „das ganz und gar auf die Bedürfnisse der Wall Street zugeschnitten war und die gesamte Welt der Herrschaft des US-Dollars unterwarf.“

Wolff ist der Auffassung, dass selbst bei dem „Beinahe-Crash des golobalen Finanzsystems“ 2008 keine wirksame Maßnahme getroffen worden sei, um Auswüchse und Fehlentwicklungen zu beenden. Wolff meint, die Politik habe eine eigentümliche Logik, der zufolge die Finanzmärkte wie das Wetter dem Willen der Menschen entzogen seien. Dies hält Wolff für eine bewusste Verschleierung der Realität, die hauptsächlich durch die Medien geleistet werde.

Wolff sieht vier mögliche Konsequenzen in der Situation der Krise, die den Kollaps hinauszögern oder aufhalten: eine IWF-Währung, Helikoptergeld, Diktatur oder Krieg. Die Finanzelite habe Mythen verbreitet, die ihr helfen sollen, die Krise zu überstehen: die Reset-Theorie, die Annahme, Asien, besonders China könnten ein Gegengewicht zu Weltbank und IWF bilden, der Glaube an demokratische Reformen und die Propagierung von Lösungen auf nationaler Ebene. Alle diese Theorien bieten nach Wolffs Meinung keinen Ausweg aus der Krise.

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wolffs Schriften, Vorträge und Videos werden hauptsächlich in alternativen Medien rezipiert.

Privates[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wolff ist geschieden, Vater von zwei erwachsenen Kindern und lebte 2017 im Großraum Berlin.[7]

Zitat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Auch wenn wir uns der Ursache häufig nicht bewusst sind, spüren wir alle tagtäglich die Auswirkungen: Das Geschehen an den Finanzmärkten beeinflusst die Höhe unseres Lebensstandards und entscheidet darüber, welche Ausbildungs- und Beschäftigungschancen wir haben, ob wir im Krankheitsfall abgesichert oder im Alter versorgt sind. Es legt fest, wer uns regieren darf und wann und unter welchen Umständen unsere demokratischen Freiheiten eingeschränkt werden können, wie weit Klima und Umwelt zerstört und bis zu welcher Höhe zukünftige Generationen mit Schulden belastet werden dürfen, die sie selbst nicht zu verantworten haben (...) Sogar die Frage, ob wir in Frieden leben oder von sozialen Unruhen oder gar von Krieg und im schlimmsten Fall von einer nuklearen Katastrophe bedroht werden, hängt letztlich vom Geschehen an den Finanzmärkten ab.“[8]

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Finanz-Tsunami – wie das globale Finanzsystem uns alle bedroht, Berlin, edition e. Wolff, 2017, ISBN 978-3-941310-81-0
  • Weltmacht IWF – Chronik eines Raubzugs, Marburg, Tectum Wissenschaftsverlag, 2014, ISBN 978-3-8288-3329-6
  • Pillaging the World – the history and politics of the IMF, Marburg, Tectum Wissenschaftsverlag, 2014, ISBN 978-3-8288-3438-5
  • Die internationale Finanzordnung als kriminelles Konstrukt des Tiefen Staats. In: Jens Wernicke und Ulrich Mies (Hrsg.): Fassadendemokratie und tiefer Staat. Auf dem Weg in ein autoritäres Zeitalter., ISBN 978-3-85371-425-6.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Ernst Wolff – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. finanzmarktwelt: Ernst Wolff: Der Finanztsunami vom 21. September 2017, aufgerufen am 28. Januar 2018
  2. kritisches Netzwerk.de: Weltmarkt IWF - Chronik eines Raubzuges 2014, aufgerufen am 28. Januar 2018
  3. Huffington Post: So riskant ist unser Banksystem wirklich vom 26. Oktober 2015, aufgerufen am 28. Januar 2018
  4. Linke Zeitung: Die Money-Diktatur von Harry Popow vom 11. Januar 2018, aufgerufen am 29. Januar 2018
  5. Weltmacht IWF - buchreport. Abgerufen am 3. Februar 2018 (deutsch).
  6. Henrik Scheller, Rezension zu: Ernst Wolff: Weltmacht IWF. Marburg: 2014, in: Portal für Politikwissenschaft, http://pw-portal.de/rezension/38268-weltmacht-iwf_46231, veröffentlicht am 9. April 2015.
  7. Sputnik Deutschland: Ernst Wolff - Autor 2018, aufgerufen 28. Januar 2018
  8. Finanz-Tsunami, Kapitel 1: Die neue Supermacht: Die Finanzmärkte.