Ernst von Bergmann (Chirurg)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Ernst von Bergmann um 1890
Ernst von Bergmann

Ernst Gustav Benjamin von Bergmann (* 4. Dezemberjul./ 16. Dezember 1836greg.[1] in Riga; † 25. März 1907 in Wiesbaden) war Chirurg und Professor der Medizin an der Universität Dorpat, der Universität Würzburg und seit 1882 an der Universität Berlin.

Seine wesentlichen Verdienste sind die Mitbegründung der Hirnchirurgie und die Einführung der Asepsis bei der Wundbehandlung.

Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ernst von Bergmann entstammte einer baltischen Familie und war Sohn von Richard von Bergmann (1805–1878), Pastor zu Rūjiena im heutigen Lettland, und Bertha Krüger (1816–1877).

In erster Ehe heiratete er am 16. März 1866 in Dorpat (Estland) Hildegard Adelmann (* 17. Juli 1846, in Dorpat; † 30. Mai 1868, ebenda), die Tochter des kaiserlich russischen Wirklichen Staatsrats Georg Adelmann (aus russischem (deutsch-baltischem) Adel), Professor an der Universität Dorpat, und der Marie Barkhausen.

In zweiter Ehe heiratete er am 24. April 1871, in Karlsruhe Pauline Asbrand genannt von Porbeck (* 3. August 1842, in Rastatt; † 17. Juli 1917, in Marburg an der Lahn), die Tochter des großherzoglich badischen Oberamtmanns zu Gernsbach August Asbrand genannt von Porbeck und der Louise Thilo. Ein Sohn aus dieser zweiten Ehe ist der Internist und Medizin-Professor Gustav von Bergmann (1878–1955).

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der höheren Schulbildung in der humanistischen Lehranstalt Birkenruh bei Wenden (Livland) studierte Bergmann zwischen 1854 und 1860 in Dorpat Medizin. Im Anschluss an die Promotion (1860) war er als Assistent an der Chirurgischen Klinik Dorpats tätig, wo er sich 1864 unter seinem späteren Schwiegervater Georg Adelmann, der später in den preußischen Adelsstand erhoben wurde, und Georg von Oettingen habilitierte.

In Dorpat blieb er bis 1878, unterbrochen durch eine längere Studienreise (Königsberg, Breslau, Wien, Hannover, München, Heidelberg, Leipzig und Berlin), zunächst als Privatdozent für Chirurgie, seit 1871 – in der Nachfolge seines Lehrers Adelmann – als Professor der Chirurgie. Nachdem er 1878 zunächst einem Ruf nach Würzburg gefolgt war, übernahm er 1882 in Berlin den Lehrstuhl Bernhard von Langenbecks sowie das Direktorat der Chirurgischen Universitätsklinik in der Ziegelstraße, die er bis 1907 leitete.

Bergmann muss zweifellos den größten Chirurgen seiner Zeit zugerechnet werden. Besonders in der Kriegschirurgie hatte er als Teilnehmer des Preußisch-Österreichischen (1866), des Deutsch-Französischen (1870/1871) und des Russisch-Türkischen Krieges (1877) reiche Erfahrungen sammeln können. Bahnbrechend war seine Methode der streng konservativen Behandlung der Verletzungen des Kniegelenks, die er nicht mehr operativ behandelte, sondern nach Bandage mit dem Listerschen Wundverband im Gipsverband (Pirogoff) ruhigstellte. Auf diese Weise ließen sich die tödlichen Verläufe dieser Verletzung deutlich reduzieren. Zunächst der Listerschen Methode der Antisepsis durch Besprühen mit Karbolsäure zugewandt, die er seit 1875 an seiner Dorpater Klinik praktizierte, ersetzte er bald dieses gefährliche Verfahren durch den Einsatz trockener Sublimatgaze, um schließlich 1886 die chemische Antisepsis ganz zu verlassen. Zusammen mit seinem Berliner Schüler Curt Schimmelbusch wandte er sich stattdessen der Verwendung dampfsterilisierter Verbandsmaterialien zu.

E. von Bergmann bei der Amputation eines Unterschenkels mit diabetischer Gangrän

Bergmann entwickelte viele operative Methoden neu oder weiter, so unter anderem die der Appendektomie und der operativen Ösophagus- und Hydrozelenbehandlung. Zu den wichtigsten Publikationen Bergmanns gehören seine Arbeiten über Die Behandlung der Schußwunden des Kniegelenkes im Kriege (1878), Die Lehre von den Kopfverletzungen (1880) und Die chirurgische Behandlung der Hirnkrankheiten (1888).

Zugezogen war der Chirurg bei der bösartigen Kehlkopferkrankung Kaiser Friedrichs III., bei dem sein Schüler Friedrich Gustav von Bramann eine Tracheotomie durchführte.

Am 7. November 1884 wurde er Mitglied der Leopoldina. Ernst von Bergmann leitete mehrere Jahre als Präsident die Deutsche Gesellschaft für Chirurgie. 1893 war er Vorsitzender der Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte. Der Königlichen Wissenschafts- und Literaturgesellschaft in Göteborg gehörte er ab 1895 an. Im Jahr 1904 war von Bergmann Mitbegründer der Zeitschrift für ärztliche Fortbildung, welche bis heute unter dem Namen Zeitschrift für ärztliche Fortbildung und Qualität im Gesundheitswesen (ZaeFQ) weitergeführt wird.

Von Bergmann starb 1907 im Alter von 70 Jahren und wurde auf dem Alten Friedhof in Potsdam (Heinrich-Mann-Allee) bestattet.

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Behandlung der Schußwunden des Kniegelenkes im Kriege. (Antrittsvorlesung Würzburg) Ferdinand Enke, Stuttgart 1878
  • Die Schicksale der Transfusion im letzten Decennium. Rede, gehalten zur Feier des Stiftungstages der militär-ärztlichen Bildungsanstalten am 2. August 1883. Berlin, 1883 (Digitalisat und Volltext im Deutschen Textarchiv)
  • Handbuch der praktischen Chirurgie. Enke, Stuttgart (zusammen mit Paul von Bruns und Johann von Mikulicz hrsg.)
  1. Chirurgie des Kopfes. 1926
  2. Chirurgie des Halses und des Brust. 1929 (2 Bde.)
  3. Chirurgie des Bauches. 1929
  4. Chirurgie der Wirbbelsäule und des Beckens. 1927
  5. Chirurgie der oberen Gliedmassen. 1927
  6. Chirurgie der unteren Gliedmassen. 1929

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Ernst von Bergmann – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Eintrag im Taufregister des Doms zu Riga (lettisch: Rīgas Doms).