Ernsthausen (Weilmünster)

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Ernsthausen
Gemeinde Weilmünster
Koordinaten: 50° 27′ 13″ N, 8° 21′ 4″ O
Höhe: 183 m ü. NHN
Einwohner: 570 (31. Dez. 2015)[1]
Eingemeindung: 31. Dezember 1970
Postleitzahl: 35789
Vorwahl: 06472
Panorama
Panorama

Ernsthausen ist ein Ortsteil der Gemeinde Weilmünster. Der Ort liegt im mittelhessischen Landkreis Limburg-Weilburg, nördlich von Frankfurt am Main und nahe Weilburg. Da Ernsthausen bis zur Schaffung des Landkreises Limburg-Weilburg im Jahr 1974 im damaligen Oberlahnkreis lag, wird es gelegentlich auch als Ernsthausen (Oberlahnkreis) bezeichnet.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das im östlichen Hintertaunus und somit im Naturpark Taunus gelegene Ernsthausen wird von der Weil, einem Nebenfluss der Lahn, durchflossen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gusseisernes Schild am Dorfgemeinschaftshaus aus dem Jahr 1835

Die älteste urkundlich bekannte Erwähnung stammt aus dem Jahre 1308. Man kann jedoch davon ausgehen, dass der Ort Ernsthausen schon einige Jahrhunderte früher bestanden hat. Der Überlieferung nach ist das alte Ernsthausen zum Schutz vor den schlimmen Hochwassern der Weil im höhergelegenen Urschlag erbaut worden.

Es ist nicht sicher, ob diese Siedlung durch einen Großbrand im Mittelalter oder durch Verwüstungen im Dreißigjährigen Krieg völlig zerstört wurde, so dass keine Spuren mehr von ihr übrigblieben. Der Ort wurde weiter flussabwärts wieder aufgebaut und dehnte sich auf beiden Seiten der Weil aus. Der Ortskern hat wahrscheinlich im Bereich der heutigen Brücke gelegen. Dort soll sich schon früher rechts der Weil ein einzelnes Gehöft befunden haben.

In den ersten Jahren gehörte Ernsthausen, wie das gesamte untere Weiltal, zur Grafschaft Diez, zum Zehnten Seiters und zum Dekanat Kirberg. Dann wurde die Grafschaft geteilt und Ernsthausen kam zur Grafschaft Diez-Weilburg und zu dem neuen grundherrlichen Gericht und späteren Amt Weilmünster. Nach einer Urkunde aus dem Jahre 1310 erhält das Stift Weilburg das Recht, die Korngefälle (Steuern) von Ernsthausen zu beziehen. Bischof Ekkard zu Worms belehnt im Jahre 1391 den Ritter Konrad von Essershausen mit dem Zehnten zu Ernsthausen. 1724 hat Graf Karl August von Nassau-Weilburg diese Rechte käuflich erworben, so dass von nun an die Ernsthäuser nach Weilburg steuerpflichtig waren.

Im August 2008 feierte Ernsthausen sein 700-jähriges Bestehen mit einem historischen Markt. Dieser wurde von dem zu diesem Zweck gegründeten Verein Ernsthausen 2000 e.V. organisiert.

Gebietsreform[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Rahmen der Gebietsreform in Hessen wurde der bisherige Marktflecken Weilmünster im Oberlahnkreis am 31. Dezember 1970 mit den bisher selbständigen Gemeinden Aulenhausen, Dietenhausen, Ernsthausen, Laimbach, Langenbach, Laubuseschbach, Lützendorf, Möttau, Rohnstadt und Wolfenhausen zur neuen Großgemeinde Weilmünster zusammengeschlossen.[2]

Territorialgeschichte und Verwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die folgende Liste zeigt im Überblick die Territorien, in denen Ernsthausen lag, bzw. die Verwaltungseinheiten, denen es unterstand:[3][4]

Historische Namensformen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In erhaltenen Urkunden wurde Ernsthausen unter den folgenden Ortsnamen erwähnt (in Klammern das Jahr der Erwähnung):[5]

  • Ernistishusen (1308)
  • Ernsthusen (1330)
  • Erneshusen (1391)
  • Ernshusen (1540)

Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kirche zu Ernsthausen

In den 20er Jahren des 19. Jahrhunderts brannte die 1766 erbaute Kirche aus und musste restlos abgerissen werden. Im Jahre 1832 wurde die neue Kirche eingeweiht. Um 1615 wurde in Ernsthausen eine Filialschule errichtet. Bis dahin besuchten die Ernsthäuser Schüler die Schule in Weilmünster.

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kleinbauern mit Nebenerwerb[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wie in den Nachbargemeinden waren die Einwohner Ernsthausens meistens Kleinbauern. Da ihr Einkommen gering war, versuchten sie als Köhler oder als Eisenbauern, die bei der Eisengewinnung in Hand- oder Trethütten arbeiteten, ihr Einkommen zu verbessern. Bis zum Dreißigjährigen Krieg hatte Ernsthausen nur etwa 30 Haushaltungen.

Aufschwung im Bergbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ende des 17. Jahrhunderts, als der heimische Bergbau einen großen Aufschwung erlebte, stieg auch die Einwohnerzahl Ernsthausens. Im Amt Weilmünster nahm Ernsthausen nach und nach neben Weilmünster den wichtigsten Platz ein.

Ehemalige Bahnstrecke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ernsthausen hatte früher einen Bahnhof an der Weiltalbahn. Die Bahnstrecke wurde 1889 erbaut und 1990 abgebaut, nachdem bereits 1969 der Personenverkehr eingestellt worden war und der Güterverkehr unrentabel wurde. Eine ins Auge gefasste Reaktivierung im Zusammenhang mit der Aufwertung der Bahnstrecke Grävenwiesbach-Bad Homburg Anfang der 1990er Jahre scheiterte. Heute verläuft auf Großteilen der abgebauten Bahnstrecke der Weiltalradweg.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Belegte Einwohnerzahlen sind:[5]

• 1630: 33 Haushaltungen
Ernsthausen: Einwohnerzahlen von 1825 bis 2010
Jahr  Einwohner
1825
  
356
1834
  
416
1840
  
432
1846
  
426
1852
  
444
1858
  
444
1864
  
439
1871
  
450
1875
  
434
1885
  
487
1895
  
500
1905
  
493
1910
  
489
1925
  
490
1939
  
485
1946
  
688
1950
  
713
1956
  
639
1961
  
629
1967
  
628
1970
  
603
1987
  
592
1993
  
683
1996
  
651
2001
  
652
2005
  
634
2010
  
603
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: [3][5]

Religionszugehörigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Quelle: Historisches Ortslexikon[3]

• 1885: 484 evangelische (= 99,38 %), 3 katholische (= 0,62 %) Einwohner
• 1961: 506 evangelische (= 80,45 %), 119 katholische (= 18,92 %) Einwohner

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ortsbeirat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ortsbeirat von Ernsthausen besteht aus fünf stimmberechtigten Mitgliedern. Nach den Kommunalwahlen in Hessen 2016 ist der Ortsvorsteher Oliver Schneider (SPD).[6]

Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Sportverein SG 1970 Weiltal
  • Gesangverein Concordia Ernsthausen
  • Freiwillige Feuerwehr Ernsthausen (gegründet 1924)
  • Jugendfeuerwehr Ernsthausen in Gemeinschaft mit Jugendfeuerwehr Weilmünster (gegründet 8. Juli 1990, Betrieb ruht ab 31. Dezember 2014)
  • Landfrauenverein Ernsthausen
  • VdK Ortsverein Ernsthausen
  • Mofa-Club Ernsthausen
  • Interessensgemeinschaft Ernsthausen (IG Ernsthausen)

Einrichtungen und Freizeitmöglichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dorfgemeinschaftshaus, früher Schule
  • Seit dem Jahr 1924 sorgt die Freiwillige Feuerwehr Ernsthausen (ab 8. Juli 1990 mit Jugendfeuerwehr) für den abwehrenden Brandschutz und die allgemeine Hilfe in diesem Ort.
  • Dorfgemeinschaftshaus
  • evangelische Kirche
  • Kindergarten „Auf der Weisburg“
  • Sportplatz, betrieben durch die SG 1970 Weiltal am „Laimbacher Berg“
  • Kinderspielplatz am „Laimbacher Berg“
  • direkte Anbindung an den Weiltal Rad- und Wanderweg
  • 2017 neuer großer Kinderspielplatz am Bürgerhaus und Weiltalradweg eingewiehen

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Ernsthausen – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Einwohner im Internetauftritt der Gemeinde Weilmünster, abgerufen im Januar 2017 (PDF)
  2. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 373.
  3. a b c Ernsthausen, Landkreis Limburg-Weilburg. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 8. Mai 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  4. Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Land Hessen. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2001).
  5. a b c Gemeinde Weilmünster: Ernsthausen, abgerufen im Januar 2017.
  6. Gemeinde Weilmünster: Ortsbeirat Ernsthausen, abgerufen im Januar 2017.