Ernte

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Ernte (Begriffsklärung) aufgeführt.
Weizenernte mit einem Mähdrescher
Zuckerrübenvollernter in Baden-Württemberg, Deutschland

Die Ernte fasst alle Arbeiten zusammen, die zum Einbringen landwirtschaftlicher Gewächse und Früchte notwendig sind. Ziel aller zur Ernte angewandten Verfahren ist es, die landwirtschaftlichen Erzeugnisse in dem Zeitpunkt, in dem sie den Anbauzweck (menschlicher oder tierischer Verzehr oder sonstige Nutzung, z. B. Fasergewinnung) bestmöglich erfüllen, weitestgehend verlustfrei vom Anbaustandort wegzunehmen.[1] Der forstwirtschaftliche Einschlag von Holz im Wald wird gleichfalls als Ernte (Holzernte) bezeichnet, ebenso das herbstliche Abfischen von Fischteichen.

Überblick[Bearbeiten]

Kartoffelernte (Westdeutschland, 1957)
Weinlese (Frankreich, 2008)

Große Bedeutung für die Ernte haben

  • der richtige Zeitpunkt
  • das Wetter
  • schnelle Abwicklung der notwendigen Arbeiten.

Man unterscheidet in der heimischen Landwirtschaft folgende Haupternten:

Die Ernte war zu allen Zeiten der wichtigste Zeitraum eines landwirtschaftlichen Jahres. Das erfolgreiche Einbringen und Lagern der Ernteerträge sicherte das Überleben im nächsten Winter. Gerade in nördlicheren Breiten Europas, in denen pro Jahr nur eine einzige Ernte eingebracht wird, bedeuteten Missernten oft Hungersnot, Armut und den Tod.

Erntekrone in Barmke

Die Ernte wurde deshalb schon bei den Griechen und Römern durch besondere Feierlichkeiten abgeschlossen. Das kirchliche Erntedankfest, in Deutschland meist am ersten Sonntag nach Michaelis (29. September) gefeiert, ist an die Stelle der heidnischen Ernteopfer getreten.

In früheren Jahrhunderten fanden vom Gutsherrn veranstaltete Festlichkeiten statt, auf denen die Landarbeiter vom Betriebsinhaber bewirtet wurden. Lokale Bräuche sind z. B. das so genannte Erntebier und der Erntekranz (oder die Erntekrone). Der Erntekranz besteht aus den letzten geernteten Ähren und wird dem Betriebsleiter (z. B. Gutsherrn) von der Belegschaft auf einer Mistgabel übergeben, womit von ihm der Arbeitslohn und ein Festessen eingefordert wird.

Ertrag[Bearbeiten]

Als Ertrag wird die Ernteeinfuhr pro Flächeneinheit (meist pro Hektar) aufgefasst. Methoden, um den Ertrag zu steigern, waren und sind beispielsweise Dreifelderwirtschaft, Dünger, Züchtung oder künstliche Bewässerung.

Ernteschäden[Bearbeiten]

Unter Ernteschäden versteht man alle, durch meist natürliche Einflüsse entstandenen, Schäden an Feldfrüchten und Getreide, die die Güte oder Menge des Ernteertrags vor der Ernte negativ beeinflussen. Ernteschäden führen im größeren Maßstab zu Missernten. Sie treten oft infolge von extremen klimatischen Ereignissen wie langanhaltender Dürre, Unwettern, übermäßigem Schädlings- oder Krankheitsbefall (wie Insektenplagen, Pflanzenseuchen) oder Naturkatastrophen auf.

Siehe auch: Kartoffelkäfer, Kartoffelfäule, Getreideschwarzrost, Hagelschlag, Sturmschaden, Bodenerosion, Bodenschutz

Missernte[Bearbeiten]

Ende August 1960 gab es einen Ernterückstand bei Hofgeismar in Nordhessen. Durch schlechtes Wetter waren erst 20 % des Korns geerntet, der Rest war zu 50 % unbrauchbar.

Als Missernte bezeichnete man eine Ernte mit einem sehr schlechten Ertrag. Dadurch gibt es oft Versorgungsprobleme im betreffenden Land.

In früheren Jahrhunderten führten Missernten häufig zu Hungersnöten in der Bevölkerung. Die Ernährung der Menschen bestand aus landwirtschaftlichen Produkten, die nicht konserviert werden konnten. Auch Nutztiere, wie Kühe und Schweine, wurden mit diesen Produkten gefüttert und waren daher von Missernten betroffen.

Missernten und darauf folgende Hungersnöte führten früher oft zu Auswanderungen in andere Länder oder Kontinente, zum Beispiel die Kartoffelfäule, die Mitte der 1840er Jahre zur Großen Hungersnot in Irland führte.

Die Erfindung des Kunstdüngers (das Haber-Bosch-Verfahren zur industriellen Herstellung von Ammoniak aus den Elementen Stickstoff und Wasserstoff wurde 1910 patentiert), Fortschritte in der Bodenkunde und die Mechanisierung des Pflügens (Traktoren ab den 1920er/30er Jahren) trugen maßgeblich dazu bei, Missernten durch ausgelaugte bzw. übernutzte Böden zu vermeiden.

  • Jahr ohne Sommer war das Jahr 1816. Ursache war, wie der amerikanische Klimaforscher William Jackson Humphreys 1920 herausfand, ein Vulkanischer Winter infolge des Ausbruchs des Vulkans Tambora auf der Insel Sumbawa im heutigen Indonesien. Er hatte neben ungefähr 150 km³ Staub und Asche auch Schwefelverbindungen, die auf ein Schwefeldioxidäquivalent von 130 Megatonnen geschätzt werden,[2] in die Atmosphäre geschleudert, die sich in hohen Luftschichten wie ein Schleier um den gesamten Erdball legten. Die Abkühlung des Weltklimas durch den Ausbruch hielt noch bis 1819 an.

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. vgl. Preuschen: Ackerbaulehre nach ökol. Gesetzen, 2. Aufl., C. F. Müller, Heidelberg, 1991/1994, ISBN 3-7880-9873-2, S. 250
  2. Hans Graf: Klimaänderungen durch Vulkane; Forschungsbericht 2002 des MPI für Meteorologie

Weblinks[Bearbeiten]

 Wikiquote: Ernte – Zitate
 Wiktionary: Ernte – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Ernte – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien