Erolzheim

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Erolzheim
Erolzheim
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Erolzheim hervorgehoben

Koordinaten: 48° 5′ N, 10° 4′ O

Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Tübingen
Landkreis: Biberach
Höhe: 554 m ü. NHN
Fläche: 26,31 km2
Einwohner: 3342 (31. Dez. 2018)[1]
Bevölkerungsdichte: 127 Einwohner je km2
Postleitzahl: 88453
Vorwahl: 07354
Kfz-Kennzeichen: BC
Gemeindeschlüssel: 08 4 26 044
Gemeindegliederung: 4 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Marktplatz 7
88453 Erolzheim
Website: www.erolzheim.de
Bürgermeister: Jochen Ackermann
Lage der Gemeinde Erolzheim im Landkreis Biberach
BayernAlb-Donau-KreisLandkreis RavensburgLandkreis ReutlingenLandkreis SigmaringenUlmAchstettenAlleshausenAllmannsweilerAltheim (bei Riedlingen)AttenweilerBad BuchauBad SchussenriedBerkheimBetzenweilerUmmendorf (bei Biberach)Biberach an der RißBurgriedenDettingen an der IllerDürmentingenDürnau (Landkreis Biberach)EberhardzellErlenmoosErolzheimRiedlingenErtingenGutenzell-HürbelHochdorf (Riß)IngoldingenKanzachKirchberg an der IllerKirchdorf an der IllerKirchdorf an der IllerLangenenslingenLaupheimLaupheimMaselheimMietingenMittelbiberachMoosburg (Federsee)OchsenhausenOggelshausenRiedlingenRiedlingenRiedlingenRot an der RotSchemmerhofenSchwendiSeekirchSteinhausen an der RottumTannheim (Württemberg)Tiefenbach (Federsee)Ummendorf (bei Biberach)UnlingenUnlingenUttenweilerWainWarthausenKarte
Über dieses Bild

Erolzheim ist eine Gemeinde im östlichen Landkreis Biberach in Oberschwaben. Die Gemeinde liegt am Rande des Illertals am Autobahnzubringer zur A 7. Erolzheim ist Sitz des Gemeindeverwaltungsverbandes Illertal und bildet mit dem benachbarten Kirchdorf an der Iller ein Unterzentrum.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort Erolzheim liegt am westlichen Rand des mittleren Illertals. Das Gemeindegebiet erstreckt sich von der Mitte des Illertals bis ins benachbarte Rottal. Dort liegen die Teilorte Bechtenrot und Edelbeuren.

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Gemeinde Erolzheim gehören die Ortsteile Bechtenrot, Dietbruck, Edelbeuren und Erolzheim selbst.

Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde Erolzheim grenzt an folgende Städte und Gemeinden: Im Norden an Kirchberg an der Iller und Gutenzell-Hürbel, im Osten an Dettingen an der Iller und Kirchdorf an der Iller, im Süden an Berkheim und im Westen an die Gemeinde Erlenmoos und die Stadt Ochsenhausen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick vom Froberg auf das Illertal

Erolzheim wurde am 4. Februar 1040 in einer von Kaiser Heinrich III. auf der Reichenau ausgestellten Urkunde erstmals erwähnt, in der dieser dem Kloster Einsiedeln seine Besitzungen und Rechte unter anderem an Erolzheim bestätigte. Vom 12. bis ins 16. Jahrhundert war der Ort im Besitz der Herren von Erolzheim. 1517 verlieh Kaiser Maximilian den Herren von Erolzheim die Hochgerichtsbarkeit über die Dörfer Erolzheim und Kirchdorf an der Iller.

Schloss Erolzheim

1594 wurde die Herrschaft Erolzheim von Konrad XI. von Bemmelberg (Bömmelberg), Enkel des Konrad von Boyneburg, erworben. Erolzheim blieb in der Nachbarschaft der freien Reichsstadt Memmingen sowie der geistlichen Territorien der Reichsabteien Rot an der Rot und Ochsenhausen bis zum Reichsdeputationshauptschluss 1803 reichsunmittelbares Territorium der Freiherren von Boyneburg-Bömmelberg. 1806 wurde die Herrschaft mediatisiert und kam an das Königreich Bayern, 1810 an das Königreich Württemberg. Der Zweig Bömmelberg des hessischen Uradelsgeschlechts Boyneburg erlosch 1826 im Mannesstamm mit dem Tod des Reichsfreiherrn Alois Sebastian von Bömmelberg, der auch die westfälischen Schlösser Gemen und Raesfeld geerbt, jedoch noch zu Lebzeiten verkauft hatte. Seine einzige hinterlassene Tochter starb 1831.

Die durch den Tod des letzten Inhabers 1826 sofort lehensfällig gewordene Herrschaft Erolzheim ging für 200.000 fl. an den Augsburger Heinrich von Kiesow und 1830 an dessen Neffen Friedrich von Bernhard. Nach dem Tod seiner ersten Gemahlin verkaufte Friedrich von Bernhard den Erolzheimer Allodialbesitz mit Ausnahme der Familiengrablege 1839 an die königlich württembergische Staatsfinanzverwaltung. Der nächste Besitzer war der Bankier Osidor Obermayer aus Augsburg. Nach dessen Tod ging das Rittergut 1862 an seine Kinder, den Konsul Karl Obermayer in Augsburg und Henriette, die Gattin des Kölner Bankiers Simon Oppenheim über. Im Jahre 1875 verkaufte Karl von Obermayer, Oberst der bayerischen Landwehr, das Schlossgut an seinen früheren Rentbeamten Karl Enslin. 1915 erwarb der aus Ulm stammende Geheimrat Albert Konstantin von Kienlin das Schloss und Rittergut Erolzheim. Im Jahr 1987 wurde das Schloss von der Familie von Kienlin verkauft und ab 1993 bis 1995 saniert. Heute sind im Schloss rund 30 Wohnungen, Büros sowie ein Hotel mit Restaurant untergebracht.

Der Haupterwerb in Erolzheim war noch jahrelang durch die Landwirtschaft geprägt. So wurden in Erolzheim Vieh- und Krämermärkte abgehalten. Ab 1842 wurde ein regelmäßiger Fruchtmarkt in der noch heute existierenden Schranne am Marktplatz abgehalten. Ende des 19. Jahrhunderts gab es in Erolzheim über 150 Gewerbetreibende. Bis heute ist Erolzheim im Illertal der Hauptort für den Einkauf und Dienstleistungen.

Religionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Erolzheim gehört die römisch-katholische Kirchengemeinde zur Seelsorgeeinheit Iller. Außerdem ist die evangelische Kirchengemeinde Erolzheim-Rot vertreten.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1871: 1352 Einwohner
  • 1983: 2006 Einwohner
  • 1991: 2586 Einwohner
  • 1995: 2856 Einwohner
  • 2005: 3119 Einwohner
  • 2010: 3185 Einwohner
  • 2015: 3287 Einwohner

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kommunalwahl am 26. Mai 2019 führte zu folgendem vorläufigen Endergebnis. Die Wahlbeteiligung betrug 61,0 %.

Partei Anteil (%) Sitze
Freie Wählervereinigung 52,6 % 7 Sitze
Unabhängige Bürger 47,4 % 7 Sitze

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jochen Ackermann seit 2010
  • Günther Matheis 1970 bis 2010

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weißes Wagenrad mit acht Speichen auf schwarzem Grund.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

in Erolzheim
  • Die katholische „Pfarrkirche St. Martin“ wurde 1874/75 im neugotischen Stil nach Plänen des Architekten Friedrich von Schmidt erbaut. Sie besitzt ein spätgotisches Turmuntergeschoss des 15. Jahrhunderts.
  • Die Bergkapelle „Maria im Busch“ wurde im Jahr 1670 für Pilger des Jakobsweges errichtet und 1842/43 baulich erweitert.
  • Die „Wendelinuskappele“ steht im Erolzheimer Ortskern als weitere katholische Kapelle des Orts.
  • Das Schloss Erolzheim mit Park bildet, neben Rathaus und Marktplatz, einen weiteren historischen Dorfmittelpunkt.
in Ortsteilen

Naturdenkmal Frohbergberglinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Frohbergberglinde
oder „St.-Nikolaus-Linde“

Die auch St.-Nikolaus-Linde genannte Winterlinde steht etwas unterhalb der Marienkapelle am Hang des Frohbergs, der zu früheren Zeiten Kapellenberg hieß. Das Alter des knorrigen Baumveterans wird auf ca. 600 Jahre geschätzt.[3] Das als Naturdenkmal ausgewiesene und in die Liste markanter und alter Baumexemplare eingetragene Baumdenkmal wurde schon im Schwäbischen Baumbuch von 1911 als uralte Baumruine beschrieben. Damals war der Stamm der Linde vollkommen hohl und teilweise offen. Die Außenhülle des Stammes hatte in jener Zeit noch einen Umfang von 8,55 m. Durch vielfältige Verwachsungen und die Neubildung von Adventivwurzeln die sich im Lauf der folgenden Jahrzehnte entwickelt haben, hat die Linde den Hohlraum selbst wieder aufgefüllt. Jedoch ist die frühere, äußere Baumhülle mit der alten Borke dabei allmählich abgeplatzt. Allein am oberen Stammende sind noch Reste der ursprünglichen Rinde erkennbar. Ansonsten bilden die im Inneren nachgewachsenen Holzstrukturen den heute zu sehenden Stamm. Auch die frühere, mächtige Krone ist verschwunden. Nur noch drei schwächere Äste die noch austreiben bilden die heutige, eher magere Krone. Nach Messung im Jahr 2014 hatte das verbliebene Stammfragment noch einen Umfang von 6,05 m. Die Baumhöhe wird für diesen Zeitpunkt mit ca. 21 m angegeben.[4]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erolzheim liegt am Schnittpunkt der Landesstraßen L 260 und L 299. Letztere stellt als Autobahnzubringer die Verbindung zur drei Kilometer entfernten A 7 (Ulm – Memmingen) her. Der nächste Bahnhof befindet sich im sechs Kilometer entfernten Kellmünz an der Bahnstrecke Neu-Ulm–Kempten. Von Erolzheim bestehen außerdem Buslinien nach Biberach an der Riß, Ochsenhausen, Memmingen, Illertissen und zum Bahnhof Kellmünz.

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Erolzheim befand sich bis zur Fusion mit der Volksbank Laupheim die Hauptverwaltung der ehem. Raiffeisenbank Illertal. Im Erolzheimer Industriegebiet haben mehrere kleine mittelständische Unternehmen ihren Sitz.

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hallenbad
  • Gemeindebücherei

Gesundheits- und Betreuungseinrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Seniorenzentrum Erolzheim (42 Pflegeplätze)

Bildungseinrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erolzheim verfügt über eine Grundschule und eine Realschule, jeweils in kommunaler Trägerschaft. Außerdem besteht ein Kindergarten in der Trägerschaft der römisch-katholischen Kirchengemeinde sowie seit 2007 auch ein Waldkindergarten in der Trägerschaft des Vereins Erolzheimer Waldkindergarten Hollerbusch e. V. Außerdem hat die Volkshochschule Illertal in Erolzheim ihren Sitz.

Sportgelände (2012)

Freizeit- und Sportanlagen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hallenbad
  • Festhalle
  • Sporthalle
  • Waldbad Reichenbachweiher
  • Beschilderte Rad- und Wanderwege
  • Sportplätze

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Johann Daniel Georg von Memminger: Beschreibung des Oberamts Biberach. Cotta, Stuttgart und Tübingen 1837 (Volltext bei Wikisource)
  • Kurt Diemer u. a.: Erolzheim – Ein Marktflecken im Illertal. Anton H. Konrad Verlag, 1990.
  • Schwäbisches Baumbuch. Hrsg. von der Kgl. Württ. Forstdirektion Stuttgart. Verlag Strecker & Schröder, 1911. S. 89.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Erolzheim – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistisches Landesamt Baden-Württemberg – Bevölkerung nach Nationalität und Geschlecht am 31. Dezember 2018 (CSV-Datei) (Hilfe dazu).
  2. „Mahl- und Ölmühle Harder-Funk Bechtenrot“ Mühlenübersicht, bei www.muehlenstrasse-oberschwaben.de
  3. „St.-Nikolaus-Linde in Erolzheim“ im Baumregister, bei www.baumkunde.de
  4. „Sommer-Linde 'Berglinde' auf dem Kapellenberg in Erolzheim“ in Monumentale Bäume bei monumentaltrees.com