Erotische Literatur

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Ovids Liebeskunst (Ars amatoria) in einer deutschen Ausgabe von 1644

Erotische Literatur (Erotikon, pl. Erotika) ist ein Teilgebiet der erotischen Kunst und umfasst literarische Texte mit erotischem Hintergrund, insbesondere wenn sie durch entsprechende Bilder illustriert sind.

Eine Abgrenzung des Begriffs „Erotik“ – und damit auch der erotischen Literatur – zu Sexualität und Liebe ist schwierig. So muss bei einer bildlichen Darstellung unterschieden werden, ob sie tatsächlich auf eine erotische Wirkung abzielt wie etwa eine nackte Frau in eindeutiger Körperhaltung, oder ob es sich – im Gegensatz dazu – um ein Bild handelt, das einem belehrenden Text zur illustrierenden Erklärung beigefügt ist. Zum Beispiel steht in der bildlichen Darstellung der biblischen Schöpfungsgeschichte von Adam und Eva vor dem Sündenfall deren Nacktheit für die paradiesische Unschuld und hat nichts mit Erotik zu tun. Bereits klassische Schriftsteller und Dichter haben – wie Ovid in seiner Liebeskunst – belehrende Texte zur Sexualität und Erotik geschrieben, sich aber durch sprachliche und stilistische Mittel von der eindeutig pornographischen Literatur abgegrenzt.

Die Zuordnung von Texten und Abbildungen zur erotischen Literatur hat sich im Lauf der Zeit verändert und wird in den einzelnen Kulturkreisen unterschiedlich bewertet. Im weiteren Sinn zählen zur erotischen Literatur Handbücher vom Kama Sutra bis zu Joy of Sex sowie belletristische Gedichte, Geschichten und Romane mit überwiegend erotischem Inhalt.

Geschichte der erotischen Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lückenhaft In diesem Artikel oder Abschnitt fehlen noch folgende wichtige Informationen:
zusammengefasste Geschichte der erotischen Literatur von der Antike bis heute in mehreren Unterabschnitten, sowie Hinweise zur Zensur etc.
Hilf der Wikipedia, indem du sie recherchierst und einfügst.

20. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Großbritannien veröffentlichte D. H. Lawrence 1915 seinen Roman Der Regenbogen, dessen Thema die Unmöglichkeit war, die aus der erotischen Begegnung erwachsene Nähe und Intimität zweier Menschen auch über den Sex hinaus aufrechtzuerhalten. Die Frage, wie liebevolle menschliche Beziehungen in einer industrialisierten, durchrationalisierten Gesellschaft überhaupt existieren können, trieb ihn auch in seinem übrigen Werk um, zuletzt in dem Roman Lady Chatterley (1928). Sowohl in Der Regenbogen als auch in Lady Chatterley hatte Lawrence menschliche Erotik explizit und ausführlich dargestellt und war daraufhin jeweils in Konflikt mit der Zensurbehörde geraten.

1922 erschien in Großbritannien James Joyces Roman Ulysses, der als bahnbrechend für die Literatur der Moderne gilt. Das Werk wird gewöhnlich nicht der erotischen Literatur zugeordnet; die Charakterisierung zwei der Hauptfiguren dieses Romans – Gerty MacDowell und Molly Bloom – erfolgt aber weitgehend auf der Grundlage ihrer Sexualität.[1]

Henry Miller schrieb in den 1930er und 1940er Jahren eine Reihe von Romanen, die ihren Autor als einen Vorkämpfer sexueller Befreiung auswiesen. Seine Figuren sind auf der Suche nach sich selbst; das Ausloten des Eros und die damit verbundenen Tabubrüche sind Teil eines Programms zur Befreiung des Menschen.[2] Sein Werk Wendekreis des Krebses (1934) wurde 2015 in die Liste der 100 besten englischsprachigen Romane der britischen Zeitung The Guardian aufgenommen. Die von Miller literarisch stark beeinflusste Anaïs Nin schrieb in den 1940er Jahren ihre Sammlung erotischer Erzählungen Das Delta der Venus (erst nach dem Tode der Autorin 1977 veröffentlicht). Der als Potboiler für einen anonymen Sammler von Erotica verfasste Band enthält neben unverblümten sexuellen Darstellungen ein hohes Maß an Poesie.[3]

In den Vereinigten Staaten erlebte in den 1970er Jahren der Bodice-Ripper-Roman eine Konjunktur, ein Subgenre von trivialen Liebesromanen, die Elemente des Abenteuerromans und des Geschichtsromans verwendeten, ihre Geschichten aber aus der Perspektive der weiblichen Hauptfigur erzählten. Im Mittelpunkt dieser Geschichten stand stets die „Eroberung“ der als unwiderstehlich, aber auch „unbezähmbar“ charakterisierten jungen Frau durch den draufgängerischen und schurkenhaften Mann, dem sie sich am Ende liebend ergibt. Bodice-Ripper-Romane enthielten regelmäßig explizite Beschreibungen sexueller Handlungen, die im Gesamtumfang der dickleibigen Bücher jedoch nur einen geringen Anteil ausmachten. Als die romantisierende Darstellung sexueller Gewalt von den feministisch mittlerweile sensibilisierten Leserinnen im Laufe der 1980er und 1990er Jahre als zunehmend befremdlich empfunden wurde, traten an die Stelle der Bodice Ripper neue Subgenres erotischer Liebesromane, die anstelle von „erzwungener Verführung“ (engl. forced seduction) nur noch einvernehmlichen Sex zeigten.

Die Bodice-Ripper-Romane der 1970er Jahre wurden in der Presse angesichts ihrer fast ausschließlich weiblichen Leserschaft als frühe Form eines Typus von „Mutti-Pornografie“ (engl. mommy porn) eingestuft, für den in den frühen 2010er Jahren E. L. James’ Romanreihe Shades of Grey sprichwörtlich geworden ist.[4]

Erotische Literatur im Internet[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mitte der 1990er Jahre, mit der Nutzung des Internets aufkommend, begann eine Welle der Veröffentlichungen von sogenannten sex stories, meist in englischer Sprache im sogenannten Usenet. Zu prominenten englischsprachigen Autoren des Usenets gehören Mary Ann Mohanraj (die inzwischen ihre Werke in Buchform herausbringt), Dulcinea († 1997), Deirdre (156 Kurzgeschichten), Elf Sternberg („Journal Entries“, SF), Uther Pendragon (sein Hauptwerk sind die Geschichten über die Brennans), Al Steiner („Aftermath“), Selena Jardine (lesbische Erotik), Frank Downey („Dance of a Lifetime“, romantisch), Adrian Hunter (Bondage) und Nick Scipio (u.a. „Summer Camp“).

Sekundärliteratur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachschlagewerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Lexikon der erotischen Literatur. Autoren, Werke, Themen, Aspekte, hrsg. von Almut Oetjen, Loseblattausg. ab 1992, ISBN 3-89048-050-0
  • Encyclopedia of erotic literature, hrg. von Gaëtan Brulotte; John Phillips, New York, NY [u.a.]: Routledge, 2006
  • Hansjürgen Blinn (Hrsg.): Klassiker der erotischen Literatur, elektronische Ressource (CD-ROM), Kleine digitale Bibliothek Band 19, Directmedia Publishing Berlin 2007, ISBN 978-3-89853-319-5

Artikel in Nachschlagewerken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Artikel Erotische Literatur in: Harenbergs Lexikon der Weltliteratur, Band 2, 1989, ISBN 3-611-00091-4
  • Artikel Erotische Literatur in: Metzler Literatur Lexikon, 2. Aufl. 1990, ISBN 3-476-00668-9
  • Artikel Erotische Literatur in: Gero von Wilpert, Sachwörterbuch der Literatur, 8. Aufl. 2001, ISBN 3-520-23108-5
  • Artikel Erotische Literatur in: Der Brockhaus: Literatur, 2. Aufl. 2004, ISBN 3-7653-0351-8

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Allgemein[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • John Atkins: Sex in literature, 4 Bände 1970–1982
  • Paul Englisch: Geschichte der erotischen Literatur, 1927, Reprint 1977, ISBN 3-921695-01-5
  • Carolin Fischer: Gärten der Lust. Eine Geschichte erregender Lektüren, Stuttgart ; Weimar : Metzler, 1997, ISBN 3-476-01563-7, als TB: München: Dt. Taschenbuch-Verlag, 2000
  • Hiltrud Gnüg, Der erotische Roman. Von der Renaissance bis zur Gegenwart, Ditzingen: Reclam, 2002, ISBN 3-15-017634-4
  • Eberhard und Phyllis Kronhausen: Bücher aus dem Giftschrank. Eine Analyse der verbotenen und verfemten erotischen Literatur, 1969
  • Hermann Schreiber: Erotische Texte. Sexualpathologische Erscheinungen in der Literatur, 1969
  • Alessandro Bertolotti, Guida alla letteratura erotica, Odoya, 2015, ISBN 978-8862882842

Antike und Mittelalter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • G. Leick: Sex and eroticism in Mesopotamian literature, 1994 (ISBN 0-415-06534-8)
  • S. Mulchandani: Erotic literature of ancient India. Kama Sutra, Koka Shastra, Gita Govindam, Ananga Ranga, 2006, ISBN 81-7436-384-X
  • Ali Ghandour: Lust und Gunst: Sex und Erotik bei den muslimischen Gelehrten, 2015, ISBN 978-3981755107

Neuzeit bis 1900[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jean Marie Goulemot: Gefährliche Bücher. Erotische Literatur, Pornographie, Leser und Zensur im 18. Jahrhundert (Originaltitel: Ces livres qu'on ne lit que d'une main, übersetzt von Andrea Springler), Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1993, ISBN 3-499-55528-X.

Nach 1900[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ian Frederick Moulton: Before pornography. Erotic writing in early modern, Oxford University Press, Oxford / New York, NY 2000, ISBN 0-19-513709-4 (englisch).
  • Verruchte Gedichte - 170 Gedichte deutscher Dichterfürsten mit 16 drastischen Illustrationen, Hrsg.: Carsten Pfeiffer, Walde+Graf Verlagsagentur und Verlag Berlin GmbH, Berlin 2017, 1. Auflage, ISBN 978-3-945330-27-2.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Identity in Ulysses: Sexuality of Gerty MacDowell and Molly Bloom. Abgerufen am 23. Januar 2018.
  2. Rob Woodard: Here's to Henry Miller. In: The Guardian. 12. Oktober 2007, abgerufen am 23. Januar 2018.
  3. Book Review – Delta of Venus. Abgerufen am 23. Januar 2018.
  4. ‘Mommy Porn’ Is On The Rise. In: The Huffington Post. 27. März 2013, abgerufen am 15. Juli 2016. Mommy Porn Goes Global. In: Toronto Life. 13. Dezember 2013, abgerufen am 15. Juli 2016.