Error in persona

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Der error in persona, genauer error in persona vel in obiecto beschreibt im Strafrecht einen terminus technicus der Irrtumslehre.

Dogmatisch angesiedelt ist der error in persona beim Tatbestandsirrtum und liegt vor, wenn der vom Täter beabsichtigte Erfolg am anvisierten Objekt zwar eintritt, dieses aber tatsächlich ein anderes ist als das vorgestellte, sodass er feststellen muss, dass er einer Identitätsverwechslung unterlag. Abzugrenzen ist der error in persona von der aberratio ictus. Bei Letzterer geht die Tat aufgrund äußerer Umstände fehl.

Die Rechtsfolge des error in persona richtet sich danach, welche Qualität das Rechtsgut hatte, das der Täter verletzt hat. Bei „Gleichwertigkeit“ des Tatobjekts, das objektive Geschehen stimmt in der strafrechtlichen Beurteilung im Wesentlichen mit dem überein, was nach der Vorstellung des Täters auch geschehen sollte, führt zu lediglich einem unbeachtlichen Motivirrtum. Der Täter wird konsequenterweise aus dem vollendeten Delikt bestraft. Der Vorsatz, einen Menschen zu töten, entfällt gemäß § 16 Abs. 1 S. 1 StGB nicht deshalb, dass der Mensch verwechselt wird und damit das Rechtsgut „Leben“. Die Tatsache, dass es sich tatsächlich um ein anderes Opfer als vom Täter erwartet handelte, ist lediglich eine unbedeutende Abweichung vom (vorgestellten) Kausalverlauf.[1]

Anders verhält es sich bei „Ungleichwertigkeit“ der Rechtsgüter. Gehören das avisierte und das gedachte Tatobjekt nicht der gleichen Rechtsgutart an, wird der Täter regelmäßig wegen Versuchs hinsichtlich des gedachten und, falls eine entsprechende Strafvorschrift existiert, wegen Fahrlässigkeit hinsichtlich des tatsächlich avisierten Tatobjekts bestraft.

Zur Verdeutlichung: Schießt A nachts eine vermeintliche Pappfigur um, stellt sich diese später aber als ein Mensch heraus, der an den Folgen stirbt, ist A einerseits wegen versuchter Sachbeschädigung zu bestrafen, andererseits wegen fahrlässiger Tötung. A wollte keinen Menschen töten, hatte also keine Vorsatztat im Blick, muss allerdings die fahrlässige Tötung gegen sich gelten lassen. Da es zu keiner vollendeten Sachbeschädigung gekommen ist, kommt aus diesem Tatbestand kein Taterfolg hinzu.[1]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Dreher/Tröndle: Strafgesetzbuch und Nebengesetze, C.H. Beck, München 1995, § 16 Rnr. 6; § 20 Rnr. 21 und § 22 Rnr. 28.
  • Sven Grotendiek: Strafbarkeit des Täters in Fällen der aberratio ictus und des error in persona, Europäische Hochschulschriften, Münster, Hamburg [u. a.], 2000, ISBN 3-8258-4546-X.
  • Johann Mayr: Error in persona vel obiecto und aberratio ictus bei der Notwehr, Frankfurt am Main 1992, ISBN 3-631-45073-7.
  • Claus Roxin: Strafrecht. Allgemeiner Teil. (Band 1). 3. Auflage. Beck Verlag, München 1997, ISBN 3-406-42507-0, S. 404–430.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Urs Kindhäuser: Strafrecht Allgemeiner Teil. 6. Auflage. Nomos Verlag, Baden-Baden 2013, ISBN 978-3-8329-6467-2, S. 220.
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