Erste Allgemeine Verunsicherung

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Erste Allgemeine Verunsicherung
EAV beim Donauinselfest 2008
EAV beim Donauinselfest 2008
Allgemeine Informationen
Herkunft Steiermark
Genre(s) Rock, Pop-Rock, Comedy,
Musiktheater (in den 1980ern),
Hard Rock (ab den 2000ern)
Gründung 1977
Website www.eav.at
Gründungsmitglieder
Gitarre, Gesang
Thomas Spitzer
Keyboard, Chorgesang
Nino Holm (bis 1994, gelegentlich bis 1998)
Bass, Chorgesang
Eik Breit (bis 1996)
Schlagzeug
Anders Stenmo (bis 1998)
Aktuelle Besetzung
Gitarre, Gesang
Thomas Spitzer
Klaus Eberhartinger (seit 1981)
Gitarre, Keyboard, Chorgesang
Kurt Keinrath (seit 1996)
Keyboard, Saxofon, Akkordeon, Chorgesang
Franz Kreimer (seit 2001)
Bass, Chorgesang
Alvis Reid (seit 2014)
Schlagzeug
Aaron Thier (seit 2014)
Ehemalige Mitglieder
Gesang
Wilfried Scheutz (1978–1979)
Gesang, Conférencier
Walter Hammerl(1978–1981)
Bühnenshow, Saxofon, Chorgesang
Günther Schönberger (1978–1996)
Gesang
Gert Steinbäcker (1979–1983)
Keyboard, Gesang
Mario Bottazzi (1983–1990)
Keyboard, Akkordeon, Chorgesang
Andy Töfferl(1990–2001)
Bass, Chorgesang
Leo Bei (1998–2014)
Keyboard, Saxofon, Chorgesang
Franz Zettl (1998–2001)
Schlagzeug
Alex Deutsch (1998)
Schlagzeug
Robert Baumgartner (1998–2014)
Gastmusiker & Umfeld
Bühnenshow, Chorgesang
Schiffkowitz (1979–1981)

Günter Timischl (1979–1983)

Keyboard
David Bronner (1995–1996)
Gitarre, Chorgesang
Reinhard Stranzinger (gelegentlich seit 2010)
Produzent
Peter Müller (ehemalig)

David Bronner
Kurt Keinrath
Mark Duran

Manager
Walter Hammerl † (1978–1981)

Günther Schönberger (1981–1996)

Technik
Günter Timischl (1979–1983)
Kostümschneiderin
Marina Tatic (1977–1979)

Gabi Aigner (1978–1981)
Gundi Holm (1980–1994)

Sänger und Frontmann Klaus Eberhartinger
Aufführung: Küss’ die Hand, schöne Frau
Aufführung: Sandlerkönig Eberhard

Die Erste Allgemeine Verunsicherung (EAV) ist eine österreichische Pop-Rock-Band, die 1977 gegründet wurde. Texter und Komponist der Band ist Thomas Spitzer. Der Name ist eine Anlehnung an das ehemalige österreichische Versicherungsunternehmen Erste Allgemeine Versicherung[1].

Die Anfänge und Antipasta[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eik Breit war Gründer der Band Antipasta, die sich nach drei Jahren auflöste. Mit seinem Freund Thomas Spitzer, der wenige Wochen vor der Auflösung als Gitarrist zu Antipasta gestoßen war, sowie Nino Holm und Anders Stenmo gründete er wenig später eine neue Band, der zunächst aber ein passender Name fehlte. Während einer gemeinsamen Busfahrt kamen Spitzer und Holm am Hauptsitz der Ersten Allgemeinen Versicherung (kurz: EAV) vorbei, was sie auf die scherzhafte Idee brachte, den Bandnamen an das Versicherungsunternehmen anzulehnen – die Erste Allgemeine Verunsicherung war geboren. Die Versicherung zeigte sich wenig begeistert von der Abwandlung ihres Namens und leitete juristische Schritte gegen die Band ein. Die Klage wurde aber nach kurzer Zeit zurückgezogen (unterschiedliche Branchen); einige Jahre später trat die Versicherung als Sponsor der Pinguin-Tour auf.

Karriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ende der 1970er-Jahre begann EAV als Rock-Comics-Band und feierte erste Erfolge in der alternativen Clubszene Deutschlands. Mit dem fünften Album Geld oder Leben! (1985) gelang schließlich durch die Veröffentlichung eines Cartoons aus der Feder der EAV-Musiker auf der Titelseite des Österreichischen Fachmonatsmagazins für Musiker und Studiotechnik Tschin-Bumm der Durchbruch im gesamten deutschsprachigen Raum.[2] Auf dem Höhepunkt ihres Erfolges zog sich die Band für drei Jahre aus dem Musikgeschäft zurück. Bei ihrem Comeback 1994 gelang es nicht mehr, an die großen kommerziellen Erfolge der späten Achtziger und frühen Neunziger anzuknüpfen.

Öffentliche Wahrnehmung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Lieder der Ersten Allgemeinen Verunsicherung wurden besonders in den Achtzigern oft als reine Spaßlieder verstanden. Durch den Erfolg von Liedern wie Ba-Ba-Banküberfall, Märchenprinz, Küss’ die Hand, schöne Frau, Fata Morgana oder Ding Dong wurde ihnen oft das Etikett einer Klamaukband angeheftet, was sich 1999 durch den Erfolg des Songs Drei weiße Tauben noch einmal verstärken sollte. Die Band selbst macht für dieses Missverständnis den kommerziellen Erfolg einzelner aus dem Gesamtkontext eines Albums gerissener Lieder verantwortlich. Tatsächlich eckte EAV durch ihre politischen Statements immer wieder an. Der ehemalige österreichische Bundespräsident Kurt Waldheim drohte nach Wann man gehn muß mit einer Klage, zog diese aber angesichts negativer öffentlicher Reaktionen zurück.[3]

Sehr stark ist das Engagement der Gruppe gegen Rechtsextreme und rechte Gewalt (z. B. in Liedern wie: Eierkopf-Rudi, Neandertal). Bereits 1984 gab es nach einer TV-Sendung Bombendrohungen von Neonazis[4], der österreichische Rechtspopulist Jörg Haider verklagte die Band wegen „übler Nachrede“ und zahlreiche Titel wurden wegen ihrer kirchen- und gesellschaftskritischen Inhalte von Rundfunksendern boykottiert.[5] Der bekannteste Fall ist sicherlich die 1988 erschienene Single Burli, die sich mit den möglichen Folgen des GAUs eines Kernkraftwerks beschäftigt (Der Burli hat links und rechts drei Ohrli / an jeder Hand zehn Finger, und Hände hat er vier / keiner spielt so schnell Klavier). Der Band wurde daraufhin eine Verhöhnung behinderter Menschen vorgeworfen. Der Bayerische Rundfunk hat das Lied s’Muaterl wegen seiner Kritik am damaligen Papst und der katholischen Kirche nicht gesendet.

EAV seit 2005[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von Herbst 2005 bis Ende 2007 war die Erste Allgemeine Verunsicherung mit dem Programm zum Album 100 Jahre EAV… Ihr habt es so gewollt! im deutschsprachigen Raum unterwegs; neben den bekannten Hits und Klassikern der Band-Geschichte wurden auch neue Lieder gespielt. Das Album stand in Österreich 113 Wochen lang in den Charts.[6] Aufgrund des Erfolges der Livekonzerte ging die EAV ab Frühjahr 2008 mit ihrem neuen Programm Amore XL erneut auf Tournee.

Am 5. Februar 2010 erschien das Album Neue Helden braucht das Land. Auf der dazugehörigen Tournee trat die Band ab März des Jahres in Österreich, Deutschland und der Schweiz auf. Von Mai 2010 bis Ende 2014 legte Thomas Spitzer seine Bühnenkarriere vorerst auf Eis, in dieser Zeit spielte Reinhard Stranzinger für ihn. 2014 nutzte die EAV für eine Bühnenpause. Am 30. Januar 2015 erschien das neue Album Werwolf-Attacke – Monsterball ist überall, daraus erschienen die Promo-Singles Was ist los?, Pfeif drauf und Theater um die Kunst jeweils mit Musikvideo. Danach folgte eine Tour durch Deutschland, Österreich und die Schweiz. Seit Sommer 2016 trat die EAV auf Festivels und Open-Airs auf, diesmal jedoch wieder ohne Thomas Spitzer, der in Kenia an einem neuen Album arbeitete, an der Gitarre sprang für ihn wieder Reinhard Stranzinger ein, der auch schon bei den Best-of Konzerten nach der Neue Helden-Tour mitspielte.

Besetzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Lauf der Bandgeschichte kam es immer wieder zu Wechseln in der Besetzung. In den Jahren von 1974 bis 1977 kamen die EAV-Gründungsmitglieder Eik Breit, Nino Holm (beide ab 1974), Anders Stenmo (ab 1976) und Thomas Spitzer (ab 1977, Gründer der EAV) durch die Vorgängerband Antipasta zusammen. Von 1978 bis 1979 war der Solist Wilfried Scheutz Sänger der Band. Von 1979 bis 1983 waren die Band S.T.S. und die EAV laut Angaben von Thomas Spitzer eine Band, denn Gert Steinbäcker war Sänger, Günter Timischl Techniker und Helmut Röhrling alias Schiffkowitz für eine Tournee ein Bühnenakteur der Band. Nachdem sich der Manager Walter Hammerl im Februar 1981 das Leben genommen hatte, wurde Klaus Eberhartinger als neuer Sänger engagiert.

Als 1983 Gert Steinbäcker und Günter Timischl ausstiegen, kamen Mario Bottazzi und der Produzent Peter Müller zur Gruppe. Im Jahr 1990 stieg Bottazzi aus und wurde durch Andy Töfferl ersetzt. 1994 stießen die Produzenten David Bronner und Kurt Keinrath zur Band. Als sich Nino Holm zurückzog, wurde David Bronner für ein Jahr als Tour-Mitglied engagiert. Auf Grund kommerzieller Streitigkeiten trennten sich 1996 Eik Breit und Günther Schönberger von der Gruppe. Kurt Keinrath wurde im selben Jahr festes Mitglied der Gruppe. 1997 stießen der Chefpartie-Bassist Leo Bei alias Karl Horak und der Keyboarder Franz Zettl zunächst als Gastmusiker und 1998 als feste Mitglieder dazu. Nachdem Anders Stenmo im gleichen Jahr kurz nach Premiere der Himmel & Hölle-Tour einen Hörsturz erlitten hatte, stieß Alex Deutsch und nach dessen Ausscheiden im gleichen Jahr, auf Grund einer Lungenentzündung, Robert Baumgartner als Schlagzeuger zur Band.

2001 stiegen Andy Töfferl und Franz Zettl aus der Band aus. Andy Töfferl versuchte sich als Entertainer und Franz Zettl wurde Keyboarder und Saxofonist der Begleitband von S.T.S. bis zu deren Auflösung 2014. Als Ersatz kam der Ausseer Hardbradler und Musiklehrer Franz Kreimer zur Band. Seit 2010 springt Reinhard Stranzinger gelegentlich auf Tourneen für Thomas Spitzer an der Gitarre ein.

Diskografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Erste Allgemeine Verunsicherung/Diskografie

Studioalben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Titel Chartplatzierungen[7] Anmerkungen
DeutschlandDeutschland DE OsterreichÖsterreich AT SchweizSchweiz CH
1978 1. Allgemeine Verunsicherung 17 *
(4 Wo.)
Erstveröffentlichung: Oktober 1978
* Chart-Entry bei Wiederveröffentlichung 2015
1981 Café Passé Erstveröffentlichung: 1981
1983 Spitalo Fatalo 5
(10 Wo.)
Erstveröffentlichung: 1. Oktober 1983
1984 À la carte 11
(14 Wo.)
Erstveröffentlichung: 18. Dezember 1984
1985 Geld oder Leben! 10 Platin
(60 Wo.)
1 5-fach-Platin
(78 Wo.)
3 Platin
(15 Wo.)
Erstveröffentlichung: 25. Juni 1985
Verkäufe: + 700.000
1987 Liebe, Tod & Teufel 3 Gold
(53 Wo.)
1
(38 Wo.)
1 Doppelplatin
(34 Wo.)
Erstveröffentlichung: 26. Oktober 1987
Verkäufe: + 450.000
1990 Neppomuk’s Rache 2 Platin
(41 Wo.)
1 4-fach-Platin
(28 Wo.)
3 Platin
(23 Wo.)
Erstveröffentlichung: 21. Mai 1990
Verkäufe: + 380.000
1991 Watumba! 17 Gold
(25 Wo.)
1 Doppelplatin
(22 Wo.)
15 Gold
(7 Wo.)
Erstveröffentlichung: 21. November 1991
Verkäufe: + 315.000
1994 Nie wieder Kunst (wie immer …) 40
(12 Wo.)
1 Doppelplatin
(25 Wo.)
17
(10 Wo.)
Erstveröffentlichung: 24. November 1994
Verkäufe: + 40.000
1997 Im Himmel ist die Hölle los 37
(6 Wo.)
1 Platin
(19 Wo.)
20
(7 Wo.)
Erstveröffentlichung: 25. August 1997
Verkäufe: + 20.000
1998 Himbeerland 55
(4 Wo.)
2 Platin
(21 Wo.)
30
(5 Wo.)
Erstveröffentlichung: 19. Oktober 1998
Verkäufe: + 20.000
2003 Frauenluder 90
(1 Wo.)
1 Gold
(18 Wo.)
Erstveröffentlichung: 28. April 2003
Verkäufe: + 10.000
2007 Amore XL 46
(3 Wo.)
1 Platin
(30 Wo.)
83
(1 Wo.)
Erstveröffentlichung: 12. Oktober 2007
Verkäufe: + 20.000
2010 Neue Helden braucht das Land 26
(6 Wo.)
1 Platin
(29 Wo.)
34
(3 Wo.)
Erstveröffentlichung: 5. Februar 2010
Verkäufe: + 20.000
2015 Werwolf-Attacke – Monsterball ist überall 15
(5 Wo.)
1 Platin
(21 Wo.)
16
(5 Wo.)
Erstveröffentlichung: 30. Januar 2015
Verkäufe: + 15.000

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1988: Kann denn Schwachsinn Sünde sein…? 10 Jahre gelebter Wahnsinn, Peter Leopold (Herausgeber), Ueberreuter Verlag, Wien 1988, ISBN 3-8000-3296-1.[8]
  • 1991: Das EAV Songbook, Edition DUX, ISMN M-50017-101-0 [9]

Liste der Touren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1978–1979: Uschi im Glück
    • Winter 1978: Lametta Scheinwelt
    • Winter 1979: Ihr Kinderlein kommet
  • 1980–1982: Café Passé
  • 1983–1984: Spitalo Fatalo-Tour
  • 1985–1986: Geld oder Leben-Tour
  • 1988–1989: Pinguin-Tour
  • 1990–1991: Neppomuk-Tour
  • 1995–1996: Kunst-Tour
  • 1998–1999: Himmel und Hölle-Tour
  • 2000–2004: Best of-Show
  • 2005–2007: 100 Jahre EAV-Tour
  • 2008–2009: Amore XL-Tour
  • 2010: Neue Helden-Tour
  • 2012–2013: Best of-Show – Neandertal-Tour
  • 2015: Werwolf-Tour

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1982: Deutscher Schallplatten-Kritikerpreis
  • 1982: Berliner Wecker
  • 1986: Austropop-Columbus
  • 1986: Goldene Stimmgabel
  • 1987: Orfeus
  • 1987: Berolina
  • 1988: Berolina
  • 1988: Goldene Stimmgabel
  • 1991: World Music Award
  • 1992: RSH Gold
  • 2006: Goldene Stimmgabel

Trivia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei einem Überfall auf eine Filiale der BAWAG in Wien am 27. Februar 2007 wurde von einem Anwohner das Lied Ba-Ba-Banküberfall lautstark über die ans Fenster gestellte Stereoanlage gespielt, bis die Polizei es unterband.[10]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Erste Allgemeine Verunsicherung – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. [1], überprüft am 27. August 2014.
  2. EAV Bandgeschichte 1980–89 (Memento vom 6. November 2014 im Internet Archive)
  3. wissenswertes.at
  4. EAV Bandgeschichte 1980–89 (Memento vom 6. November 2014 im Internet Archive)
  5. laut.de
  6. austriancharts.at
  7. Chartquellen: DE AT CH UK
  8. Österreichischer Bibliothekenverbund – Erste Allgemeine Verunsicherung: kann denn Schwachsinn Sünde sein …? 10 Jahre gelebter Wahnsinn. Abgerufen am 15. August 2013.
  9. Das EAV Songbook. Abgerufen am 15. August 2013.
  10. Geiselnahme in Wiener Bank nach Stunden unblutig beendet. In: Die Welt