Erstein

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Erstein
Wappen von Erstein
Erstein (Frankreich)
Erstein
Region Grand Est
Département Bas-Rhin
Arrondissement Sélestat-Erstein
Kanton Erstein
Gemeindeverband Canton d’Erstein
Koordinaten 48° 25′ N, 7° 40′ OKoordinaten: 48° 25′ N, 7° 40′ O
Höhe 147–157 m
Fläche 36,22 km2
Einwohner 10.630 (1. Januar 2017)
Bevölkerungsdichte 293 Einw./km2
Postleitzahl 67150
INSEE-Code
Website www.ville-erstein.fr

Erstein in der Oberrheinebene

Erstein ist eine französische Gemeinde mit 10.630 Einwohnern (Stand 1. Januar 2017) im Département Bas-Rhin in der Region Grand Est (bis 2015 Elsass). Die Gemeinde liegt im Arrondissement Sélestat-Erstein.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

An der Ill

Erstein liegt etwa 20 Kilometer südlich von Straßburg und 5 km westlich der deutschen Grenze in der Oberrheinebene an der Ill, nahe beim Rhein-Rhône-Kanal im Zentrum der fruchtbaren Ebene von Erstein, auf 150 m ü. NHN.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am Westrand der Stadt liegt der Bahnhof der Bahnstrecke Strasbourg–Colmar. Parallel zur Bahnstrecke verläuft die in diesem Abschnitt vierspurig ausgebaute ehemalige Nationalstraße N83 (D1083) Lyon–Straßburg. Die D 426 führt ins 12 km westlich gelegene Obernai, nach Osten gibt es über den Rhein eine Verbindung ins deutsche Schwanau und nach Lahr. Seit 1. September 2020 gibt es mit der Buslinie 280 montags bis freitags sechsmal täglich eine Verbindung zwischen dem Bahnhof von Erstein und dem Bahnhof des badischen Lahr.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Erstmals erwähnt wurde Erstein als Villa Herinstein im Jahre 817.
  • Irmingard (Ermengard), Tochter des Grafen Hugo von Tours und Ehefrau der Kaisers Lothar I., stiftete 849 die Abtei Erstein, in der sie auch begraben wurde. Bertha, wohl Tochter des Königs Konrad III., war 1153 Äbtissin von Erstein. Das Kloster wurde 1422 aufgehoben, seine Güter gingen an das Bistum Straßburg. 1818 waren die letzten Gebäude des Klosters verschwunden.
  • 1191 erhielt die Siedlung das Stadtrecht, das auch mit dem Recht der Stadtbefestigung und einer eigenen Kommunalverwaltung verbunden war.
  • 1472 kam die Stadt zu Straßburg und blieb unter dieser Herrschaft bis 1790. Die Befestigungen wurden geschleift, der Ort wurde zu einem bedeutungslosen Landstädtchen.
  • Unter dem Dreißigjährigen Krieg hatte der Ort besonders zu leiden, die Bevölkerungszahl halbierte sich. Erstein kam im Westfälischen Frieden zu Frankreich.
  • Im Zuge der Französischen Revolution wurde Erstein 1790 Kantonshauptort. Erstmals kam es zur Wahl eines Bürgermeisters (Maire).
  • In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts setzte eine wirtschaftliche Konsolidierung ein: Die Bevölkerungszahl verdoppelte sich zwischen 1751 und 1846 von 1640 auf mehr als 3500 Einwohner. Die örtliche Landwirtschaft nahm einen Aufschwung, aber auch andere Wirtschaftszweige wie das Gewerbe der Gerber.
  • Das 19. Jahrhundert war geprägt vom Bau einer Eisenbahnlinie und der Rheinregulierung unter Tulla. Industrien siedelten sich an, etwa eine Weberei (bis 2001) und eine Zuckerfabrik. Im Jahr 1846 hatte Erstein 3676 Einwohner.[2]
  • Während des Deutsch-Französischen Kriegs marschierten preußische Truppen ein und durch den Frieden von Frankfurt kam es 1871 wieder zu Deutschland.
  • Um 1900 hatte Erstein eine evangelische und eine katholische Kirche, eine Synagoge und ein Amtsgericht.[3]
  • Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs kam die Stadt durch die Bestimmungen des Versailler Vertrags wieder an Frankreich.
  • Nach der französischen Kriegserklärung an Deutschland rücken im Zweiten Weltkrieg die Deutschen 1939 ein, am 28. November 1944 wieder die Franzosen.

Demographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rathaus (Hôtel de Ville) von Erstein
Jährliche Bevölkerungszahlen während der Zugehörigkeit zum Reichsland Elsaß-Lothringen (1871–1920)
Jahr Einwohnerzahl Anmerkungen
1872 3890 [4]
1890 4807 [2]
1900 5593 meist katholische Einwohner[3]
1905 5837 [2]
1910 6061 [2]
Anzahl Einwohner seit der Mitte des 20. Jahrhunderts
Jahr 1962 1968 1975 1982 1990 1999 2007 2013
Einwohner 6.165 6.288 7.434 8.095 8.600 9.664 9.971 10.916

Die Bevölkerungswachstum Ersteins ist seit Anfang der 1960er Jahre im Vergleich zur gesamteuropäischen Entwicklung leicht überdurchschnittlich. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts ging die Bevölkerungszunahme des Orts leicht zurück.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im gespaltenen Wappen ist vorne in rot ein schräg verlaufender Balken in Silber zu sehen, ein Hinweis auf die Zugehörigkeit zu Straßburg, hinten in blau eine Kirche in Gold als Hinweis auf das ehemalige Benediktinerkloster.

Die Zuckerfabrik Erstein
Gerberhaus in Erstein

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Wirtschaftsstandort ist Erstein durch seine Zuckerfabrik bekannt.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Städtepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Le Patrimoine des Communes du Bas-Rhin. Flohic Editions, Band 1, Charenton-le-Pont 1999, ISBN 2-84234-055-8, S. 353–361.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Erstein – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. BZ-Redaktion: Jetzt kann jeder per Bus von Lahr nach Erstein fahren. Badische Zeitung, 1. September 2020, abgerufen am 2. September 2020.
  2. a b c d M. Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006)
  3. a b Meyers Großes Konversations-Lexikon. 6. Auflage, Band 6, Leipzig/Wien 1906, S. 77–78 (online)
  4. Vollständiges geographisch-topographisch-statistisches Orts-Lexikon von Elsass-Lothringen. Enthaltend: die Städte, Flecken, Dörfer, Schlösser, Gemeinden, Weiler, Berg- und Hüttenwerke, Höfe, Mühlen, Ruinen, Mineralquellen u. s. w. mit Angabe der geographischen Lage, Fabrik-, Industrie- u. sonstigen Gewerbethätigkeit, der Post-, Eisenbahn- u. Telegraphen-Stationen u. geschichtlichen Notizen etc. Nach amtlichen Quellen bearbeitet von H. Rudolph. Louis Zander, Leipzig 1872, Sp. 15 (online)