Ertheneburg

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Ertheneburg
Ertheneburg: Walldurchlass der ehemaligen Toranlage von Norden

Ertheneburg: Walldurchlass der ehemaligen Toranlage von Norden

Alternativname(n): Striepenborg
Entstehungszeit: Erste Erwähnung 1106
Burgentyp: Höhenburg, Wallanlage
Erhaltungszustand: Burgstall, Wall- und Grabenreste
Ort: Schnakenbek
Geographische Lage 53° 22′ 43″ N, 10° 29′ 47″ OKoordinaten: 53° 22′ 43″ N, 10° 29′ 47″ O
Ertheneburg (Schleswig-Holstein)
Ertheneburg

Die Ertheneburg ist eine abgegangene 1106 erstmals urkundlich erwähnte[1] Befestigungsanlage am Elbübergang der Alten Salzstraße bei Schnakenbek im Kreis Herzogtum Lauenburg in Schleswig-Holstein.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ertheneburg der mittelalterlichen Quellen wird seit 1826[2] mit der bis dahin angeblich auch als Striepenborg[3] bezeichneten Wallanlage auf dem hohen Nordufer der Elbe westlich von Schnakenbek gleichgesetzt.[4] Dort ist das Vorhandensein einer mittelalterlichen Burganlage durch archäologische Befunde gesichert.[5] Die Kritik[6] an dieser Gleichsetzung beruft sich auf die mehrdeutigen Schriftquellen[7] und vermutet die Ertheneburg auf dem südlichen Elbufer in Artlenburg, ohne jedoch die Existenz einer Burganlage in Artlenburg vor 1182 durch Grabungsfunde belegen zu können.

Aufbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Reste der Burg werden von einem bogenförmigen Ringwall mit der offenen Seite nach Süden gebildet. Hier fällt der Steilhang 30 Meter zur Elbe hin ab. An den Wall schließt sich im Norden und Osten ein bis zu 4 Meter tiefer Graben an, der im Norden durch eine Erdbrücke getrennt wird. Diese führt durch einen Walldurchlass in die Burg, die eine Fläche von 65 mal 100 Meter aufweist. Aus diesen Resten ist die ursprüngliche Gestalt der Burg nicht mehr zu erkennen. Einer Karte aus dem Jahre 1723[8] zufolge waren Wall und Graben damals im südlichen Bereich noch vorhanden. Demnach wäre die Südseite der Befestigungsanlage im 18. Jahrhundert in die Elbe gestürzt, ein etwaiges Vorfeld gegebenenfalls früher. Entsprechend fanden sich zu Beginn des 19. Jahrhunderts in der Elbe unterhalb des Steilhanges gewaltige Steine,[9] bei denen es sich um die Grundsteine der Südbefestigung handeln könnte. Arnold von Lübeck berichtet für das Jahr 1182 von einer steinernen Ringmauer der Ertheneburg [10].

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Magnus von Sachsen starb 1106 auf der Ertheneburg – Bildnis nach Johann Agricola 1562

Die Ertheneburg diente zur Sicherung des Elbüberganges der Alten Salzstraße zwischen Lüneburg und Lübeck. Ihr Weichbild lag auf dem gegenüberliegenden Elbufer in Artlenburg. Der Name der Burg ist dem eines Flusses namens Ertene[11] entlehnt, bei dem es sich möglicherweise um einen südlichen Nebenfluss der Elbe,[12] wahrscheinlicher aber um einen Elbarm gehandelt hat.[13] Einen Graf Siegfried von Ertheneburg erwähnt bereits zum Jahre 1026 der Annalista Saxo, der aber mit dem in der Chronik des Albert von Stade für den "Beginn der dreißiger Jahre des 12. Jahrhunderts" belegten Siegfried von Ertheneburg identisch sein soll.[14]

Am 23. August 1106 starb Herzog Magnus von Sachsen aus der Familie der Billunger auf der Ertheneburg; sein Tod war das Ende der Billungerherrschaft, das Herzogtum fiel an den späteren Kaiser Lothar von Supplinburg, der Familienbesitz ging über seine Töchter an die Familien der Welfen und Askanier. 1129 wird der abodritische Fürst Swinike, Sohn des Swentipolk, zu Ertheneburg getötet.[15] Mit ihm erlischt das abodritische Fürstengeschlecht der Nakoniden.

Die Burg erscheint dann erst wieder unter Heinrich dem Löwen, der 1147 zum Auftakt des Slawenkreuzzuges hier mit seinem Heer die Elbe durchquert. 1164 bestellte Heinrich den Grafen Reinold von Dithmarschen zum Inhaber der Burg und zum Verwalter der Sadelbande.[16] Der Welfenherzog hielt sich mehrfach auf der Ertheneburg auf: 1163 gab er auf einem Landtag hier das Artlenburger Privileg und 1169, 1170 und 1174 ließ er zu Ertheneburg Urkunden erstellen. Der Bischof Udo von Halberstadt wurde auf der Ertheneburg von Heinrich gefangen gehalten. 1181 setzte Heinrich die Burg auf der Flucht vor Kaiser Friedrich Barbarossa in Brand. Die Ertheneburg wurde danach von Bernhard von Sachsen abgetragen und das Material zur Errichtung der Lauenburg verwendet. Bei der Erwähnung einer Nova Ertheneburg und nachfolgend der Ertheneburg in den mittelalterlichen Quellen für die Zeit nach 1182 handelt es sich deshalb um den Flecken Artlenburg auf der südlichen Elbseite.

Ausgrabungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine erste archäologische Grabung erfolgte 1923. Gefunden wurden größere, humos verfüllte Gruben, eine Brandstelle mit Hüttenlehm, Scherben, linienförmig aneinandergereihte, größere Steine ohne Mörtelverbindung, Holzkohle, Gips, Tierknochen sowie eiserne Beschläge und Waffen.[17] Eine abschließende Bewertung der Grabungsfunde steht bis heute aus. Der 1951 vorgenommene Wallschnitt förderte aus dem Kernwall eine gurtfurchenverzierte Scherbe spätslawischen Charakters zu Tage, so dass der Wall erst nach dem Jahr 1000 errichtet worden sein kann. Weitere Grabungen 1979/1980 erbrachten überwiegend spätslawische Keramiken des 12. Jahrhunderts, aber auch eine Münze aus der Zeit Heinrichs des Löwen. Wiederum fanden sich aus Felssteinen gefügte Setzungen, deren Sinn nicht erschlossen werden konnte. Demgegenüber fehlt es an Hausgrundrissen und Pfostenverfärbungen. Aufgrund von ebenfalls in größerem Umfang geborgenem Fundmaterial aus der Jungsteinzeit wurde als Ergebnis festgehalten, dass auf der untersuchten Fläche zunächst in der jüngeren Steinzeit und dann wieder im Mittelalter gesiedelt wurde.[18]

In den Jahren 2017 oder 2018 kam es auf dem südlichen Elbufer in Artlenburg zu Ausgrabungen in einem Neubaugebiet, das etwa 400 Meter südöstlich der Ertheneburg liegt. Dabei wurden Reste einer mittelalterlichen Siedlung freigelegt. Zu den unter anderem aus Abfallgruben geborgenen Fundstücken zählen slawische und sächsische Keramik, darunter die Reste eines Kugeltopfes. Des Weiteres gab es Metallfunde, wie eine Schere und ein Klappmesser. Bei einem Münzfund handelt es sich um einen halben Silberdenar des Herzogs Bernhard I. Eine Holzkohleuntersuchung datierte das Fundmaterial in den Zeitraum zwischen 1025 und 1157. Die Funde deuten darauf, dass es neben der Burg und der umliegenden Siedlung eine weitere Siedlung im Nahbereich gab.[19]

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Annales Rosenveldenses 1106 in der MGH
  2. Zuerst A.E.E.L. v. Duve, Beitrag zur Erledigung verschiedener Streitfragen hinsichtlich der gutsherrlichen und meierlichen Rechte im Herzogthum Lauenburg in: Staatsbürgerliches Magazin, Band VI, Schleswig 1826, S. 1ff.
  3. Wilhelm Carl Conrad v. Hammerstein-Loxten Der Bardengau. Eine historische Untersuchung über dessen Verhältnisse und über den Güterbesitz der Billunger, Hannover 1869, S. 368 Fn. 1, will eine alte Karte des Amts Lauenburg im Hannoverschen Landesarchiv gesehen haben, in der ein Name Striepenborg für eine Burg rechts des Weges nach Schnakenbek verzeichnet ist. Wolfgang Prange (Die ursprüngliche Gestalt der Ertheneburg in : Lauenburgische Heimat, Neue Folge, Bd. 22, Ratzeburg 1958, S. 35) verweist hingegen auf die Bezeichnung als Steinbergsgraben im Jahre 1780 unter Hinweis auf einen Beleg im Landesarchiv Schleswig
  4. Nachweise zur herrschenden Meinung bei Jörg Meyn: Graf Siegfried und die Ertheneburg, in: Lauenburgische Heimat, Neue Folge, Bd. 181, S. 81–92, Ratzeburg 2009
  5. Übersichten zur Fundlage bei Joachim Kühl: Archäologische Untersuchungen und Fundbergungen im Kreise Herzogtum Lauenburg 1979-1981. In: Lauenburgische Heimat, Neue Folge, Band 104, Ratzeburg 1982, S. 8–13 und Arne Schmidt-Hecklau, Slawenzeitliche Funde im Kreis Herzogtum Lauenburg (Studien zur Siedlungsgeschichte und Archäologie der Ostseegebiete Band 3), Neumünster 2002, Seiten 197 ff.
  6. Zusammenfassende Darstellung der Kritik bei Wichmann von Meding: Erteneburg und Striepenburg: ein Streitgespräch zwischen Freunden In: Lauenburgische Heimat, Neue Folge, Bd. 185, Ratzeburg 2010, S. 35–48, insbesondere ab S. 39
  7. Zum Beispiel berichtet Helmold von Bosau in Kapitel 48 der Slawenchronik über Swentipoks Tod Remansit Zwentepolch filius nomine Zvincke, sed et hie interfectus est apud Erteneburg, urbem Transalbinorum. Von Helmolds Warte, der in Bosau schrieb, wäre jenseits der Elbe also am südlichen Elbufer. Eindeutig ist das jedoch nicht, weil Helmold an anderer Stelle auch Schleswig als Transalbianorum bezeichnet.
  8. Abdruck der Karte des Majors Michaelsen bei Wolfgang Prange: Die ursprüngliche Gestalt der Ertheneburg in : Lauenburgische Heimat, Neue Folge, Bd. 22, Ratzeburg 1958, S. 35
  9. A.E.E.L. v. Duve, Beitrag zur Erledigung verschiedener Streitfragen hinsichtlich der gutsherrlichen und meierlichen Rechte im Herzogthum Lauenburg in: Staatsbürgerliches Magazin, Band VI, Schleswig 1826 Seite 9 Fn.10, noch belegt Mitte des 20. Jahrhunderts
  10. Arnoldi Chronica Slavorum Buch III, 1 zu 1182 in der MGH
  11. Urkunde des Bischofs Iso von Verden aus dem Jahre 1228, in der er den Herzog Otto von Braunschweig mit dem ganzen Bruchland vom Erthenefluß bis nach Bleckede belehnt: in palude Blekede determinatum est illos de Blekede protendi usque ad fluvium, qui Ertene nominatur
  12. Ludwig Hellwig: Die deutschen Ortsnamen in Lauenburg in: Archiv des Vereins für die Geschichte des Herzogthums Lauenburg, Jahresband 1892, S. 1–64, S. 13: Eine der Bruchwettern., Wolfgang P. Schmid (Hrsg.), Hydronymia Germaniae. Reihe A, Lieferung 16 Zuflüsse zur unteren Elbe, bearbeitet von Jürgen Udolph, Stuttgart 1990, S. 102.
  13. D.H.W.C. Hübbe: Artlenburg, die Sachsengrenze des Kaisers Karl der Große und das Land Sadelbande im späteren Herzogthum Lauenburg. In: Archiv des Vereins für die Geschichte des Herzogthums Lauenburg. 1902, S. 52–76, insbes. S. 57 ff. weblink
  14. nach Jörg Meyn: Graf Siegfried und die Ertheneburg (siehe Literatur)
  15. Helmold I, 48
  16. Wilhelm Carl Conrad v. Hammerstein-Loxten: Der Bardengau. Eine historische Untersuchung über dessen Verhältnisse und über den Güterbesitz der Billunger, Hannover 1869, S. 365.
  17. Franz Krüger, Die Ertheneburg in: Lauenburgische Heimat Bd. 3, Ratzeburg 1926, S. 57–70 mit einer detaillierten zeichnerischen und fotografischen Darstellung der Funde.
  18. Joachim Kühl: Archäologische Untersuchungen und Fundbergungen im Kreise Herzogtum Lauenburg 1979-1981. In: Lauenburgische Heimat, Neue Folge, Band 104, Ratzeburg 1982, S. 8–13, hier S. 11
  19. Silke Elsermann: „Sensationelle Funde“ in Landeszeitung für die Lüneburger Heide vom 26. März 2018