Erzgebirgischer Kreis

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Der Erzgebirgische Kreis war eine Verwaltungseinheit des 1806 in ein Königreich umgewandelten Kurfürstentums Sachsen.

Die Kreise Kursachsens im Jahre 1752

Geographische Ausdehnung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gebiet des Erzgebirgischen Kreises umfasste fast den gesamten heutigen sächsischen Anteil des Erzgebirges und das Erzgebirgsvorland.

Der Kreis reichte in seiner West-Ost-Ausdehnung von Werdau an der Grenze zu den Ernestinischen Herzogtümern über das Westerzgebirge und das Mittlere Erzgebirge bis zum Osterzgebirge bei Altenberg. In seiner Süd-Nord-Ausdehnung erstreckte sich das Gebiet von der Grenze zum Königreich Böhmen am Kamm des Erzgebirges bis zum Erzgebirgsvorland bei Nossen und Mittweida. Bedeutende Orte des Kreises sind u. a. Chemnitz, Zwickau, Freiberg und Schwarzenberg/Erzgeb. Die Schönburgischen Herrschaften ragten keilförmig in den Westteil des Kreises hinein, sodass die Gegend um Zwickau vom größeren Ostteil des Kreises nur über das Westerzgebirge territorial mit dem Kreis verbunden war. Durch den Kreis flossen die Oberläufe der Flüsse Pleiße, Zwickauer Mulde, Chemnitz, Zschopau, Flöha, Freiberger Mulde und Wilder Weißeritz. Exklaven des Kreises befanden sich in der Lommatzscher Pflege.

Angrenzende Gebiete[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Karte des Erzgebirgischen Kreises von 1839
Herzogtum Sachsen-Altenburg Leipziger Kreis
Neustädter Kreis und Fürstentum Reuß älterer Linie Nachbargemeinden Meißnischer Kreis
Vogtländischer Kreis Königreich Böhmen

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Erzgebirgische Kreis war Teil der dreistufigen Verwaltungsgliederung im Gebiet des späteren Sachsens. Basis dieser Gliederung und untere Einrichtung der landesherrlichen Verwaltung waren die Ämter, die im 14. und 15. Jahrhundert aus den markgräflichen Vogteien hervorgingen. Das 1378 erstellte Einkunftsverzeichnis der Landgrafen von Thüringen und Meißen (Registrum dominorum marchionum Missnensium) nennt u. a. bereits die später zum Erzgebirgischen Kreis gehörigen Ämter Freiberg, Schellenberg und Chemnitz.

Mit dem Erlass der Kanzleiordnung von Kurfürst Moritz entstand 1574 eine Zentralbehörde im Sinne einer Landesregierung. Die Durchorganisation der Verwaltung bis auf die lokale Ebene (Ämterorganisation) führte zur Zuordnung der Ämter zu Amtshauptmannschaften. Diese wurden wiederum zu Kreisen (Kurkreis, Leipziger Kreis, Meißnischer Kreis, Vogtländischer Kreis, Thüringer Kreis, Neustädter Kreis) zusammengefasst, um die im 16. Jahrhundert besonders von den ernestinischen Wettinern hinzugewonnenen Gebiete zu integrieren.

Das Gebiet des Erzgebirgischen Kreises wurde erst 1691 aus dem vergleichsweise großen Meißnischen Kreis herausgelöst. Nachdem beim Wiener Kongress 1815 die sächsischen Grenzen neu festgesetzt worden waren, bildete der Erzgebirgische Kreis ab 1816 zusammen mit dem Leipziger Kreis, dem Meißnischen Kreis, dem Vogtländischen Kreis und der Markgrafschaft Oberlausitz die territoriale Gliederung Sachsens.

1835 erfolgte die verwaltungsmäßige Ablösung durch die Kreisdirektionen (ab 1873 Kreishauptmannschaften) Bautzen, Dresden, Leipzig und Zwickau. Zu diesem Zeitpunkt umfasste der Erzgebirgische Kreis eine Fläche von 4.581 km².

Umfang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Kreis umfasste am Ende des 18. Jahrhunderts 8873 Hufen und 93¾ Ritterpferde, 12 schriftsässige und 29 amtssässige Städte, 20 Landstädtchen, insgesamt 61 Städte, dazu 76 Amtssassen, 101 Schriftsassen, 78 Vorwerke und Freigüter, sechs Wüstungen und 723 Dörfer. Er grenzte an den Leipziger und Meißnischen Kreis, an Böhmen, den Vogtländischen und Neustädtischen Kreis, an die reußischen Herrschaften und an das Fürstentum Altenburg und hatte eine Größe von rund 111 Quadratmeilen. In der 1783 erschienenen Darstellung General-Plan von der ietzigen Eintheilung der Chur-Sächsischen Lande in Creiße und Aemter finden sich von dem Vorstehenden abweichende Daten.[1]

1785 lebten auf dem Gebiet des Erzgebirgischen Kreises 405.600 Einwohner[2] in 15 Ämtern. Im Erzgebirgischen Kreis gab es zwei Kreisämter. Während das Kreisamt Freiberg für das „Niedergebirge“ zuständig war, wurden diese Aufgaben für das "Obergebirge" vom Kreisamt Schwarzenberg ausgeführt.

Ämter des Erzgebirgischen Kreises
Amt Anmerkungen
Kreisamt Freiberg mit der Herrschaft Ringethal (Exklave), Hainichen (Exklave), der Herrschaft Purschenstein mit Sayda
Amt Schellenberg (später Amt Augustusburg) mit der Herrschaft Zschopau, dem Amt Lichtenwalde und dem Rittergut Neusorge
Amt Chemnitz mit der Herrschaft Rabenstein und der Herrschaft Blankenau
Amt Frankenberg-Sachsenburg vor 1633 auch "Amt Frankenberg mit Sachsenburg" oder "Amt Sachsenburg mit Frankenberg" genannt
Amt Nossen mit den Städten Siebenlehn, Roßwein
Amt Grillenburg mit Tharandt, das Amt hieß vor 1558 Amt Tharandt
Amt Frauenstein
Amt Altenberg mit den Städten Glashütte, Alt-Geising
Amt Lauterstein mit der Stadt Zöblitz
Amt Wolkenstein mit Mühlenamt Annaberg, Amt Rauenstein, Herrschaft Greifenstein und Herrschaft Weißbach
Amt Stollberg
Kreisamt Schwarzenberg mit dem Amt Crottendorf
Amt Grünhain mit dem Amt Schlettau
Amt Wiesenburg
Amt Zwickau mit den Städten Werdau, Crimmitschau und der Herrschaft Wildenfels

Amtleute[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. (ohne Angabe eines Autors) General-Plan von der ietzigen Eintheilung der Chur-Sächsischen Lande in Creiße und Aemter. Gerlachische Buchhandlung, Dresden 1783 Digitalisat in der Sächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Dresden, Seite 38: Angaben über den Erzgebirgischen Kreis
  2. Friedrich Gottlob Leonhardi: Erdbeschreibung der Churfürstlich- und herzoglich-sächsischen Lande. Zweiter Band, Leipzig 1790, S. 246