Eschlikon

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Eschlikon
Wappen von Eschlikon
Staat: SchweizSchweiz Schweiz
Kanton: Kanton ThurgauKanton Thurgau Thurgau (TG)
Bezirk: Münchwilenw
BFS-Nr.: 4724i1f3f4
Postleitzahl: 8360
UN/LOCODE: CH EHK
Koordinaten: 714634 / 257801Koordinaten: 47° 27′ 40″ N, 8° 57′ 32″ O; CH1903: 714634 / 257801
Höhe: 570 m ü. M.
Höhenbereich: 534–708 m ü. M.
Fläche: 6.22 km²
Einwohner: 4372 (31. Dezember 2018)[1]
Einwohnerdichte: 703 Einw. pro km²
Website: www.eschlikon.ch
Luftbild vom 15. Dezember 2015

Luftbild vom 15. Dezember 2015

Lage der Gemeinde
BichelseeGlotner WeierHasenloo WeierBettenauer WeierKanton St. GallenKanton ZürichBezirk FrauenfeldBezirk WeinfeldenAadorfBettwiesenBichelsee-BalterswilBichelsee-BalterswilBraunau TGEschlikonFischingen TGLommisMünchwilen TGRickenbach TGSirnachTobel-TägerschenWängiWilen TGKarte von Eschlikon
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Eschlikon ist eine politische Gemeinde und eine Ortschaft[4] im Bezirk Münchwilen des Schweizer Kantons Thurgau, etwa sechs Kilometer westlich von Wil SG. Die politische Gemeinde Eschlikon entstand am 1. Januar 1997 aus den Ortsgemeinden Eschlikon und Wallenwil und aus Hurnen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eschlikon im Jahr 1927

Eschlikon wird erstmals 1280 genannt. Der Name leitet sich von einem Mann namens Askilo ab, dessen Nachkommen man die Askilinge nannte. Diese bauten in der Region des heutigen Eschlikon ihre ersten Höfe, die Askilinghöfe. Ältere Namenformen der Ortschaft sind Askilinghofen, Aschilinghofen, Äschlingkofen, Äschlingkon, Äschlikon.[5]

Im Mittelalter gehörte Eschlikon, abgesehen von den Gütern einiger freier Bauern, zum Kloster Magdenau und zum Heiliggeistspital St. Gallen. Eschlikon lag in den sogenannten hohen Gerichten am Tuttwilerberg und unterstand vom Spätmittelalter bis 1798 dem eidgenössischen Landvogt im Thurgau bzw. dem von ihm eingesetzten Vogt zu Hofen, der sowohl das Hoch- als auch das Niedergericht innehatte. Lediglich Hurnen gehörte zur Herrschaft Tannegg. Kirchlich gehörte Eschlikon ursprünglich zu Sirnach. Das seit 1529 mehrheitlich reformierte Eschlikon trennte sich jedoch 1936 von Sirnach ab und bildet seither mit Münchwilen, Oberhofen, St. Margarethen und Wallenwil zusammen die reformierte Kirchgemeinde Münchwilen-Eschlikon; die katholische Bevölkerung gehört zur Pfarrei Sirnach.

Neben Acker- und Rebbau sowie Torfgewinnung kam in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die Viehwirtschaft auf. Vom 18. bis ins 20. Jahrhundert prägten die verschiedene Zweige der Textilindustrie die Dorfwirtschaft: Nach der Leinenweberei kam im 19. Jahrhundert die Baumwollweberei auf, von 1870 bis 1930 waren Stickereien und die Strickwarenproduktion von Bedeutung. 1898 bis 1962 bestand die Ziegelei Weibel. 1875 eröffnete die Bürgergemeinde Eschlikon eine Leih-, Viehleih- und Sparkasse, deren Konkurs 1912 die Gemeinde schwer schädigte. Von 1864 bis 1973 war Eschlikon Erscheinungsort der Regionalzeitung «Volksblatt vom Hörnli». Seit der Mitte des 20. Jahrhunderts siedelten sich im bis dahin kleinbäuerlich geprägten Dorf neue Industrie- und Gewerbebetriebe wie die Metallwarenfabrik Spring mit rund 200 Mitarbeitern an und leiteten einen Strukturwandel ein.

Eschlikon war eine Ortsgemeinde und gehörte zur Munizipalgemeinde Sirnach. 1997 entstand aus den Ortsgemeinden Eschlikon und Wallenwil sowie den Weilern Hurnen und Than, die zur Ortsgemeinde Horben gehörten, die politische Gemeinde Eschlikon.[6]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ortsgemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eschlikon-blazon.svg

Blasonierung: In Rot ein hängender gelber Lindenzweig mit Blättern (2) und Blüten (2).[7]

Eschlikon gehörte vor 1798 zum sogenannten Hohen Gericht Tuttwilerberg, das dem Landvogt unterstand. In Eschlikon tagte im Mittelalter unter einer Linde oft das thurgauische Landgericht, was der Lindenzweig symbolisiert. Die Farben Rot und Gelb gehen auf die Farben der Landgrafschaft Thurgau zurück.[7]

Politische Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachdem sich die Ortsgemeinden Eschlikon und Wallenwil zur politischen Gemeinde Eschlikon vereinigt hatten, verwendete die neue Gemeinde ein Logo und liess die Wappenfrage ungeklärt.[7]

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung im Gebiet der heutigen Gemeinde Eschlikon[8]
Bevölkerungsentwicklung der einzelnen Gemeinden
1850 1900 1950 1990 2000 2010 2018
Politische Gemeinde 3133 3844 4357
Ortsgemeinde 422 640 1026 1814
Quelle [6] [8]

Von den insgesamt 4357 Einwohnern der Gemeinde Eschlikon im Jahr 2018 waren 611 bzw. 14,0 % ausländische Staatsbürger. 1548 (35,5 %) waren evangelisch-reformiert und 1519 (34,9 %) römisch-katholisch. Die Ortschaft Eschlikon zählte zu diesem Zeitpunkt 3193 Einwohner. Davon gehörten 89 (u. a. in Holzmannshaus) zur Gemeinde Münchwilen.[4]

Wirtschaft und Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 2016 bot Eschlikon 1367 Personen Arbeit (umgerechnet auf Vollzeitstellen). Davon waren 1,8 % in der Land- und Forstwirtschaft, 50,3 % in Industrie, Gewerbe und Bau sowie 47,9 % im Dienstleistungssektor tätig.[2]

Ziegelei und Torfabbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Über lange Zeit wurde von zahlreichen Bauern aus der Umgebung, in einer Senke südlich des Dorfes, abgelagerter Lehm abgebaut und in Handziegeleien zu Lehmziegeln gebrannt. Später baute Johann Weibel eine Mechanische Ziegelei, welche von etwa 1898 bis in die 1960er Jahre einer der bedeutendsten Industriebetriebe Eschlikons blieb.[5]

Ein zweiter, nicht unbedeutender Gewerbezweig war das Torfstechen. Im sog. Riet, einem heute verschwundenen Torfmoor, wurde mit jedem einsetzenden Frühling durch die Dorfbevölkerung Torf gestochen, welcher zum privaten und industriellen Heizen verwendet werden konnte. Gegen Ende des Ersten Weltkrieges kam es zur Gründung der Schweizer Torfgenossenschaft (STG), welche den Torfabbau mit maschineller Hilfe industrialisierte. Aufgrund erschöpfter Kapazität wurde der Torfabbau am 15. August 1946 endgültig eingestellt.[5]

Heute sind über 200 Industrie- und Gewerbebetriebe auf dem Gebiet der Gemeinde ansässig. Die Gemeinde fördert den Zuwachs.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eschlikon liegt an der Bahnlinie ZürichSt. Gallen. Nachdem früher der Ort mit der S35 (Winterthur – Wil) halbstündlich zu erreichen war, verkehrt sie seit 2019 abwechselnd mit der S12 (Brugg – Wil) im Stundentakt.[9] 2019 wurde die erste grossflächige Tempo-30-Zone für den Strassenverkehr eingerichtet.[10]

Bildung und Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf dem Gemeindegebiet befindet sich das Einzugsgebiet der Volksschulgemeinde Eschlikon (öffentlich-rechtliche Körperschaft) im Hinterthurgau (Südthurgau).

Seit 30 Jahren (Gründung der Volksschulgemeinde Eschlikon 1982) ist die Schule in der Gemeinde Eschlikon vom Kindergarten bis zum 9. Schuljahr in einer öffentlich-rechtlichen Körperschaft organisiert.

Die Volksschulgemeinde Eschlikon besteht aus drei Einheiten:

  • Kindergarten und Primarschule Eschlikon
  • Kindergarten und Primarschule Wallenwil
  • Sekundarschule Eschlikon

Die Gemeinde Eschlikon verfügt über zwei Kindergärten und zwei Primarschulen, jeweils in den Dörfern Eschlikon und Wallenwil. Eine Sekundarschule befindet sich im Dorf Eschlikon.[11] Ebenfalls finden sich eine Bibliothek sowie diverse Sportvereine, wie beispielsweise der örtliche Fussballverein FC Eschlikon.[12]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die katholische Kirche Bruder Klaus von 1963 besitzt zwei Betonglasfenster von Yoki Emile Aebischer (1964).

Als touristische Attraktion verfügt Eschlikon über einen Schlangenzoo.[13]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter der Gemeinde:

Bilder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Eschlikon – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ständige und nichtständige Wohnbevölkerung nach Jahr, Kanton, Bezirk, Gemeinde, Bevölkerungstyp und Geschlecht (Ständige Wohnbevölkerung). In: bfs.admin.ch. Bundesamt für Statistik (BFS), 31. August 2019, abgerufen am 22. Dezember 2019.
  2. a b Thurgau in Zahlen 2019. Auf der Webseite der Dienststelle für Statistik des Kantons Thurgau (PDF-Datei; 1,8 MB), abgerufen am 28. April 2020.
  3. Schweizerische Arealstatstik. Abgeschlossen auf 1. Juli 1912. Herausgegeben vom Eidg. Statistischen Bureau. (Memento vom 12. April 2016 im Internet Archive)
  4. a b Ortschaften und ihre Wohnbevölkerung. Ausgabe 2019. Auf der Webseite der Dienststelle für Statistik des Kantons Thurgau (Excel-Tabelle; 0,1 MB), abgerufen am 28. April 2020.
  5. a b c Diverse Autoren: Geschichte von Eschlikon. 3., überarbeitete Auflage vom März 1986, hrsg. von der Schulgemeinde Eschlikon
  6. a b Verena Rothenbühler: Eschlikon (TG). In: Historisches Lexikon der Schweiz.
    Diese Abschnitte basieren weitgehend auf dem Eintrag im Historischen Lexikon der Schweiz (HLS), der gemäss den Nutzungshinweisen des HLS unter der Lizenz Creative Commons – Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International (CC BY-SA 4.0) steht.
  7. a b c Gemeindewappen. Auf der Webseite des Staatsarchivs des Kantons Thurgau, abgerufen am 8. Dezember 2019
  8. a b Bevölkerungsentwicklung der Gemeinden. Kanton Thurgau, 1850–2000 und Wohnbevölkerung der Gemeinden und Vorjahresveränderung. Kanton Thurgau, 1990–2018. Auf der Webseite der Dienststelle für Statistik des Kantons Thurgau (Excel-Tabellen; jeweils 0,1 MB), abgerufen am 28. April 2020.
  9. Öffentlicher Verkehr. Abgerufen am 6. Dezember 2019 (Schweizer Hochdeutsch).
  10. Eschlikon erhält die erste grossflächige 30er-Zone. In: tagblatt.ch. 11. Mai 2019, abgerufen am 12. Mai 2019.
  11. Homepage der Volksschulgemeinde Eschlikon
  12. Fussballverein Eschlikon
  13. Schlangenzoo Eschlikon