Esparsetten-Widderchen

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Esparsetten-Widderchen
Kopula des Esparsetten-Widderchens (Zygaena carniolica)

Kopula des Esparsetten-Widderchens (Zygaena carniolica)

Systematik
Klasse: Insekten (Insecta)
Ordnung: Schmetterlinge (Lepidoptera)
Familie: Widderchen (Zygaenidae)
Unterfamilie: Zygaeninae
Gattung: Zygaena
Art: Esparsetten-Widderchen
Wissenschaftlicher Name
Zygaena carniolica
(Scopoli, 1763)

Das Esparsetten-Widderchen oder Krainer Widderchen (Zygaena carniolica) ist ein Schmetterling (Nachtfalter) aus der Familie der Widderchen (Zygaenidae). Sowohl die Raupen als auch die erwachsenen Tiere sind giftig und dokumentieren dies für Fressfeinde mit Hilfe ihrer auffälligen Warnfärbung. Die Art wurde in Deutschland und Österreich zum „Insekt des Jahres 2008“ gewählt.

Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Esparsetten-Widderchen ist wegen seiner charakteristischen Zeichnung auf den Vorderflügeln – die roten Flecken auf schwarzem Grund sind hell umrandet – in Mitteleuropa meist recht eindeutig von anderen im Volksmund auch „Blutströpfchen“ genannten Widderchen-Arten zu unterscheiden. Die helle Umrandung kann jedoch manchmal schwach ausfallen oder ganz fehlen und die Farbintensität der roten Flecken kann variieren.

Ähnliche Arten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Zygaena algira Boisduval, 1834 (Nordafrika)
  • Zygaena maroccana Rothschild, 1917 (Marokko, sonst. Nordafrika)
  • Zygaena occitanica (de Villers, 1789) – (Südfrankreich, Italien)
  • Zygaena orana Duponchel, 1835 (Nordafrika)
  • Zygaena youngi Rothschild, 1926 (Nordafrika)

Lebensweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einige Esparsetten-Widderchen auf „Parkstation“

Die Art bildet eine Generation, deren Flugzeit je nach Höhenlage von Juni bis Ende August reicht. Die Falter sind eher träge Flieger; man findet sie oft zu mehreren auf einer Blüte versammelt.

Erwähnenswert ist die Bildung sogenannter abendlicher „Parkstationen“, bei denen die Falter zu mehreren, dicht aneinander geschmiegt die Nacht verbringen. Dabei versammeln sich entweder männliche oder weibliche Tiere auf bestimmten Blüten oder dürren Halmen, obwohl ähnliche Blüten bzw. Halme in unmittelbarer Nähe unbesetzt bleiben. Der Auslöser für diesen Effekt wurde bisher noch nicht näher erforscht. Die Geschlechterfindung funktioniert bei Zygaena carniolica problemlos; oft kommt es unmittelbar nach dem Schlupf des Weibchens – noch bevor die Flügel vollständig entfaltet oder erhärtet sind – zur Kopula. Sie findet in diesem Falle in unmittelbarer Nähe des Schlupfortes statt. Mehrfachbegattungen sind üblich.

Zu den Nahrungspflanzen der Raupen zählen Esparsette (Onobrychis viciifolia) und Hornklee (Lotus corniculatus).

Verbreitung und Gefährdung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Verbreitungsgebiet des Esparsetten-Widderchens reicht von Südfrankreich, Sizilien, dem Balkan, Kleinasien bis ins iranische Elbrusgebirge. Die Art ist auch auf den Adriatischen, Ionischen und einigen Ägäischen Inseln verbreitet. Im Norden ist das Esparsetten-Widderchen bis Weißrussland, Norddeutschland und Pommern beheimatet.[1]

Das Esparsetten-Widderchen steht bundesweit auf der Vorwarnliste zur Roten Liste, in mehreren Bundesländern wie Rheinland-Pfalz, Sachsen, Nordrhein-Westfalen steht es als „gefährdet“ oder „stark gefährdet“ auf den Roten Listen.[2]

Systematik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die in Europa vorkommenden Unterarten sind:[3]

  • Zygaena carniolica albarracina Staudinger, 1887
  • Zygaena carniolica amanda Reiss, 1921
  • Zygaena carniolica amistosa Aistleitner & Lencina
  • Zygaena carniolica apennina Turati, 1884
  • Zygaena carniolica berolinensis Lederer, 1853
  • Zygaena carniolica carniolica (Scopoli, 1763)
  • Zygaena carniolica cruenta (Pallas, 1773)
  • Zygaena carniolica descimonti Lucas, 1959
  • Zygaena carniolica diniensis Herrich-Schäffer, 1852
  • Zygaena carniolica flaveola (Esper 1786)
  • Zygaena carniolica graeca Staudinger, 1870
  • Zygaena carniolica hedysari (Hübner, 1796)
  • Zygaena carniolica leonhardi Reiss, 1921
  • Zygaena carniolica magdalenae Abeille, 1909
  • Zygaena carniolica modesta Burgeff, 1914
  • Zygaena carniolica moraulti Holik, 1938
  • Zygaena carniolica rhaeticola Burgeff, 1926
  • Zygaena carniolica roccii Verity, 1920
  • Zygaena carniolica siciliana Reiss, 1921
  • Zygaena carniolica virginea (Müller, 1766)
  • Zygaena carniolica wiedemannii Ménétriés, 1839

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Günter Ebert (Hrsg.): Die Schmetterlinge Baden-Württembergs. Band 3: Nachtfalter I. [Wurzelbohrer (Hepialidae), Holzbohrer (Cossidae), Widderchen (Zygaenidae), Schneckenspinner (Limacodidae), Sackträger (Psychidae), Fensterfleckchen (Thyrididae)]. Ulmer Verlag Stuttgart 1993, ISBN 3-8001-3472-1.
  2. Rheinland-Pfalz, Landesamt für Umwelt: Schmetterlinge, Zygaena carniolica, Esparsetten-Widderchen abgerufen am 30. Januar 2018.
  3. Zygaena (Agrumenia) carniolica (Scopoli 1763) bei Fauna Europaea. Abgerufen am 28. November 2007 ( Version 1.3, 19.04.2007).

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Manfred Koch: Wir bestimmen. Schmetterlinge. Band 2. Bären, Spinner, Schwärmer und Bohrer Deutschlands. Neumann Verlag Radebeul 2. Auflage 1964.
  • Hans-Josef Weidemann, Jochen Köhler: Nachtfalter, Spinner und Schwärmer, Naturbuch-Verlag, Augsburg 1996, ISBN 3-89440-128-1.
  • Heiko Bellmann: Schmetterlinge. Erkennen und Bestimmen. Mosaik Verlag, München 2001, ISBN 3-576-11457-2.
  • Heiko Bellmann: Der neue Kosmos Schmetterlingsführer. Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co. KG, Stuttgart 2003, ISBN 978-3-440-09330-6.
  • C. M. Naumann, G. M. Tarmann, W. G. Tremewan: The Western Palaearctic Zygaenidae. Apollo Books, Stenstrup, 1999, ISBN 87-88757-15-3.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Esparsetten-Widderchen – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien