Espenhain

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Koordinaten: 51° 11′ 30″ N, 12° 28′ 10″ O

Espenhain
Stadt Rötha
Höhe: 164 m ü. NN
Fläche: 28,16 km²
Einwohner: 2328 (31. Dez. 2014)
Bevölkerungsdichte: 83 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. August 2015
Eingemeindet nach: Rötha
Postleitzahl: 04571
Vorwahl: 034206, 034347

Espenhain ist ein Ortsteil der Stadt Rötha im Landkreis Leipzig in Sachsen. Bis zum 31. Juli 2015 war Espenhain eine eigenständige Gemeinde in der Verwaltungsgemeinschaft Rötha, die zu diesem Zeitpunkt ebenfalls aufgelöst wurde.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Espenhain liegt in der Leipziger Tieflandbucht ca. 20 km südlich von Leipzig und 8 km nördlich von Borna, mitten im neuerschlossenen Leipziger Neuseenland.

Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In unmittelbarer Nähe von Espenhain befinden sich die Orte Rötha, Borna, Kitzscher und Dreiskau-Muckern.

Ortsgliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde Espenhain teilt sich im Wesentlichen in den alten Ortskern, genannt „das Dorf“, in die Siedlung, das Neubaugebiet, das Anfang der 60er Jahre den Beschäftigten des VEB BKK Espenhain als Wohnraum diente, und die Ortsteile Mölbis, Oelzschau und Pötzschau.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Geschichte der Ortsteile siehe jeweils dort.

Nach der Gründung als altsorbisches Dorf Miertzsch um 800 wurde der Ort nach 1150, befördert durch Wiprecht von Groitzsch, als Platzdorf gegründet und erhielt um 1350 den Namen „Espenhain“. Das kleine Bauerndorf wurde 1813/1814 stark in die Kämpfe der Völkerschlacht einbezogen. Espenhain lag bis 1856 im kursächsischen bzw. königlich-sächsischen Kreisamt Leipzig.[1] Ab 1856 gehörte der Ort zum Gerichtsamt Rötha und ab 1875 zur Amtshauptmannschaft Borna.[2] 1896 begann der Braunkohlenabbau. Eine Bahnstrecke nach Böhlen wurde 1913 eröffnet. 1937 erfolgte der Aufschluss des Tagebaus Espenhain, 1940 wurde die erste Kohle geliefert.[3][4]

Espenhain erreichte aufgrund des ansässigen Braunkohlekraftwerkes VEB BV Espenhain als der dreckigste Ort in der DDR traurige Berühmtheit. Zu dieser Zeit wurden Verfahren zur Abgasreinigung absichtlich vernachlässigt, indem zum Beispiel die Rauchgasfilter abgeschaltet wurden, beziehungsweise war moderne Filtertechnik noch nicht ausreichend vorhanden. Die Qualität der verwendeten Braunkohle war ebenfalls minderwertig, was giftige Verbrennungsrückstände verursachte. Über dem Ort und seiner Umgebung lag immer eine Wolke von Phenolen, Schwefel, Ruß und Asche. Der hohe Schadstoffausstoß machte es erforderlich, jeden morgen Straßen und Gehwege zu kehren, da sich eine dicke Ascheschicht niedergelassen hatte. Einige Einwohner berichten, dass gelegentlich die Sonne hinter Aschewolken verschwand und dass Autos tagsüber mit Licht fahren mussten. Die gesundheitlichen Auswirkungen auf die Einwohner der Stadt waren verheerend. Die Lebenserwartung lag infolgedessen einige Jahre unter dem landesweiten Durchschnitt. Vor allem Kinder litten stark unter den auftretenden Haut- und Atemwegserkrankungen, wie z. B. Ekzemen und chronisch-obstruktiver Lungenerkrankung (COPD). Auch heute noch sind viele Einwohner von Spätfolgen betroffen.[5]

Am 1. August 2015 wurde Espenhain mit seinen Ortsteilen in die Stadt Rötha eingemeindet.[6]

Eingemeindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehemalige Gemeinde Datum Anmerkung
Dahlitzsch[7] 1. April 1934 Zusammenschluss mit Großpötzschau zu Pötzschau
Großpötzschau[7] 1. April 1934 Zusammenschluss mit Dahlitzsch zu Pötzschau
Kleinpötzschau[7] vor 1880 Eingemeindung nach Dahlitzsch
Kömmlitz[8][9] 1. Oktober 1948 Eingemeindung nach Oelzschau
Mölbis[10] 1. Januar 1999
Oelzschau[10] 1. April 1996
Pötzschau[10] 1. Januar 1995

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinderatswahl 2014[11]
Wahlbeteiligung: 54,7 %
 %
40
30
20
10
0
30,0 %
23,4 %
24,0 %
8,7 %
3,9 %
8,3 %
1,8 %
Vorlage:Wahldiagramm/Wartung/Anmerkungen
Anmerkungen:
e Zukunft Südraum Leipzig e. V.
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Nach der Gemeinderatswahl am 25. Mai 2014 verteilten sich die 16 Sitze des Gemeinderates folgendermaßen auf die einzelnen Gruppierungen:

  • Dorfentwicklungsgesellschaft Mölbis (DEG): 6 Sitze
  • SV Espenhain 91 e. V. (SVE): 4 Sitze
  • Kameraden der FFW Oelzschau (FwOe): 4 Sitze
  • Freunde der FFW Pötzschau (FwP): 1 Sitz
  • LINKE: 1 Sitz

Nach der Eingemeindung nach Rötha am 1. August 2015 wurden davon 12 Vertreter in den Röthaer Stadtrat übernommen.

Ortspartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde Espenhain unterhielt mit der schwäbischen Gemeinde Wolfschlugen eine Ortspartnerschaft.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Espenhainer Kirche

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1990 entstand in Espenhain der FSV Kitzscher. Dieser Verein ging aus der Betriebssportgemeinschaft „Aktivist Espenhain“ hervor. Die Fußballer der BSG spielten 1975-81 in der DDR-Liga, der damals zweithöchsten Spielklasse, die Kegler des Vereins sogar in der höchsten Spielklasse der DDR, der Sonderliga. Mit Manfred Uhlmann stellte die „BSG Aktivist Espenhain“ einen Weltmeister im Kegeln.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf dem Gelände des Industrie- und Gewerbegebietes befindet sich die alte Hauptwerkstatt des VEB BKK Espenhain. Diese Werkstatt wird heute von der TDE Mitteldeutsche Bergbau Service GmbH (in welche die ehemalige TDE - Technische Dienste Espenhain integriert ist) als Werkstatt und Produktionsstätte im Maschinen- und Stahlbau genutzt. In dieser Werkstatt findet unter anderem jährlich ein in der Region beachtetes Weihnachtskonzert statt.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Braunkohleveredelungswerk Espenhain

Auf dem Territorium des ehemaligen VEB BV Espenhain, zu DDR-Zeiten einer der größten Braunkohle verarbeitenden Betriebe der DDR, befindet sich jetzt ein Industrie- und Gewerbegebiet.

Am 8. September 2004 wurde in Espenhain das damals größte Solarstromkraftwerk der Welt (Solarkraftwerk Espenhain Spitzenleistung: 5 Megawatt) in Betrieb genommen.

Im Nachbarort Thierbach befand sich das Braunkohlekraftwerk Thierbach mit einer installierten Bruttoleistung von 840 MW. Es war von 1969 bis September 1999 in Betrieb. Der 300 m hohe Schornstein wurde im Oktober 2002 und die vier 93 m hohen Kühltürme im März 2006 gesprengt.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bundesstraße 95 führt vierspurig durch die Gemeinde. Die Bundesautobahn 38 ist ca. 12 km entfernt.

Die Gemeinde liegt im Verbundgebiet des Mitteldeutschen Verkehrsverbundes; Espenhain liegt mit den Städten Rötha, Böhlen und Zwenkau in der Tarifzone 152. Ein Anschluss an das Schienennetz bestand bis 1993 durch die Bahnstrecke Böhlen–Espenhain. Heute dient die Bahnstrecke nur noch dem Güterverkehr zwischen Böhlen und dem Güterbahnhof Espenhain. Das Bahnhofsgebäude des Bahnhofes Espenhain ist bis heute ungenutzt geblieben.

Durch die Personenverkehrsgesellschaft Muldental ist Espenhain mit den Linien 101, 141 und 144 in Richtungen Böhlen, Kitzscher, Zwenkau und Leipzig-Probstheida angebunden. Die Linien 101 und 144 sind am Bahnhof Böhlen auf die Züge der S-Bahn Mitteldeutschland ausgerichtet. Durch die Thüsac Personenverkehrsgesellschaft mbH ist Espenhain zusätzlich mit der Regionalbuslinie 276 Richtungen Borna über Kitzscher und dem Ortsteil Mölbis verbunden. Die zentrale Haltestelle aller vier Buslinien ist Espenhain, Fußgängertunnel.

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Espenhain befindet sich eine Grundschule. Sie ist im Gebäude der ehemaligen Polytechnischen Oberschule „Hugo-Joachim“ untergebracht.

Auf dem Gebiet des ehemaligen VEB BV Espenhain befand sich, bis zu seinem Umzug in die Stammschule nach Böhlen, das Berufliche Gymnasium der Berufsschule Leipziger Land (ehemals: Berufliches Gymnasium Espenhain).

Des Weiteren befindet sich im „IGP - Industrie- und Gewerbepark Espenhain“ mit der TDE Personal Service GmbH ein Aus- und Weiterbildungszentrum, in dem insbesondere in den gewerblich-technischen Berufen der Metall-, Kunststoff- und Elektrobranche sowie in kaufmännischen und logistischen Berufen Grund- und Fachlehrgänge der Berufsausbildung, Umschulungen und Fortbildungen durchführt werden. Die TDE Personal Service GmbH bietet darüber hinaus seine Dienstleistung auch in der Arbeits- und Fachkräftevermittlung an.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Christoph Heinrich Zeibich (1677–1748), lutherischer Theologe, geboren in Mölbis

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Richard Steche: Espenhain. In: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen. 15. Heft: Amtshauptmannschaft Borna. C. C. Meinhold, Dresden 1891, S. 23.
  • Espenhain. In: August Schumann: Vollständiges Staats-, Post- und Zeitungslexikon von Sachsen. 2. Band, Zwickau 1815, S. 567 f.
  • Matthias Donath: Schlösser in Leipzig und Umgebung. edition Sächsische Zeitung Redaktions- und Verlagsgesellschaft Elbland mbH, Meißen 2013, S. Kömmlitz S. 110, Oelzschau S. 111

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Karlheinz Blaschke, Uwe Ulrich Jäschke: Kursächsischer Ämteratlas. Leipzig 2009, ISBN 978-3-937386-14-0; S. 60 f.
  2. Die Amtshauptmannschaft Borna im Gemeindeverzeichnis 1900
  3. Tourismusportal Leipziger Neuseenland
  4. Broschüre "Espenhain" (PDF; 8,2 MB) der LMBV
  5. http://www.lungenaerzte-im-netz.de/lin/linaktuell/show.php3?id=298&nodeid=18
  6. http://www.sachsen-gesetze.de/shop/saechsabl/2015/29/read_pdf
  7. a b c Das Sachsenbuch, Kommunal-Verlag Sachsen KG, Dresden, 1943
  8. Gemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 01.01.1948 in den neuen Ländern, Verlag Metzler-Poeschel, Stuttgart, 1995, ISBN 3-8246-0321-7, Herausgeber: Statistisches Bundesamt
  9. Verzeichnisse der seit Mai 1945 eingemeindeten Gemeinden und Nachweis über die Aufgliederung der selbständigen Gutsbezirke und Staatsforstreviere, 1952, Herausgeber Ministerium des Innern des Landes Sachsen
  10. a b c Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen: Gebietsänderungen
  11. Ergebnisse der Gemeinderatswahl 2014

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Espenhain – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien