Ethylen-Vinylalkohol-Copolymer

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Allgemeine Struktur von Ethylen-Vinylalkohol-Copolymer

Ethylen-Vinylalkohol-Copolymer, Kurzzeichen EVAL,[1] gelegentlich auch EVOH, ist ein Copolymer, dass formal aus den Monomeren Ethen und Vinylalkohol aufgebaut ist.

Herstellung und Eigenschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Da Vinylalkohol ein instabiles Tautomer von Acetaldehyd ist, wird zunächst ein Copolymer aus Ethen und Vinylacetat hergestellt. Von dem Ethylen-Vinylacetat-Copolymer werden die Acetylgruppen durch Hydrolyse abgetrennt, wobei ein Ethylen-Vinylalkohol-Copolymer und Essigsäure entsteht.

Ethylen-Vinylalkohol-Copolymer wird in der Regel zur Verpackung von Nahrungsmitteln eingesetzt und seit kurzem auch für die Herstellung von Tankbehältern in der Automobilindustrie. Der Primärverwendungszweck ist die Herstellung einer Barriere, um Sauerstoff bei Lebensmitteln und Kohlendioxid bei Tankbehältern fernzuhalten. Ethylen-Vinylalkohol-Copolymer wird entweder extrudiert oder als eine dünne Schicht auf Pappe, Folie oder andere Kunststoffe laminiert. Die Eigenschaften des Copolymers hängen vom Anteil an Ethen im Copolymer ab. Niedrige Ethen-Anteile führen zu einem Copolymer mit verbesserten Trennungs-Eigenschaften, höhere Ethen-Anteile erniedrigen die Verarbeitungstemperatur (Erweichungstemperatur) des Copolymerisats.

Struktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die genaue Abfolge der Ethylen- und Vinylalkohol-Strukturbausteine im Ethylen-Vinylalkohol-Copolymer ist zufällig, ein Beispiel ist etwa:

Industrielle Produktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Firma EVAL Europe hat 2004 in Zwijndrecht (Belgien) die größte Produktionsanlage der Welt mit einer Kapazität von 24.000 t/Jahr in Betrieb genommen.[2]

Anwendung in der Medizin[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der interventionellen Radiologie kann Ethylen-Vinylalkohol-Copolymer als Flüssigembolisat genutzt werden. Unter dem Handelsnamen Onyx ist in den USA ein Präparat in verschiedenen EVOH-Konzentrationen im Markt, die unterschiedliche Viskositäten aufweisen und je nach den Strömungsmodalitäten der Zielgefäße verwendet werden. Neben dem Lösungsmittel Dimethylsulfoxid (DMSO) enthält Onyx Tantalpulver als Kontrastmittel.[3] Über einen Mikrokatheter werden Blutgefäße endovaskulär mit diesem flüssigen Gemisch gefüllt, das innerhalb von 5 Minuten aushärtet.[3] Als 20%ige EVOH-Lösung ist Onyx seit April 2007 als „Humanitarian Use Device“ (HUD) zugelassen zur Behandlung von intrakraniellen Aneurysmata, die chirurgisch nicht entfernbar sind.[4][5] Ferner gibt es eine 6%ige (Onyx 18) sowie eine 8%ige EVOH-Lösung (Onyx 34), mit denen neben intrakraniellen Gefäßmalformationen wie Aneurysmata (dem ursprünglichen Anwendungsgebiet) auch periphere Gefäßmalformationen, zum Beispiel arteriovenöse Malformationen, versorgt werden.[6]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Eintrag Barriere-Kunststoffe. In: Lexikon der Kunststoffprüfung und Diagnostik, Version 2.0, 2012.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Compendium of Polymer Terminology and Nomenclature, IUPAC Recommendations, RSC Publishing, Cambridge, 2008, S. 403f.
  2. EVAL completes world's largest EVOH resin plant. foodproductiondaily.com, 3. November 2004.
  3. a b V. Panagiotopoulosa, E. Gizewskia, S. Asgaria, J. Regela, M. Forstinga, I. Wankea: Embolization of Intracranial Arteriovenous Malformations with Ethylene-Vinyl Alcohol Copolymer (Onyx). In: AJNR January 2009 30: 99–106 doi:10.3174/ajnr.A1314
  4. FDA: Onyx Liquid Embolic System
  5. FDA: Approval Letter (PDF; 377 kB).
  6. Furuzan Numan, Alp Ömeroğlu, Batuhan Kara, Murat Cantaşdemir, İbrahim Adaletli, Fatih Kantarcı: Embolization of Peripheral Vascular Malformations with Ethylene Vinyl Alcohol Copolymer (Onyx) In: Journal of Vascular and Interventional Radiology Volume 15, Issue 9, September 2004, Seiten 939–946 doi:10.1097/01.RVI.0000130862.23109.52.