Ettenheimmünster

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Koordinaten: 48° 14′ 32″ N, 7° 52′ 33″ O

Ettenheimmünster
Stadt Ettenheim
Wappen von Ettenheimmünster
Einwohner: 851 (30. Sep. 2014)[1]
Eingemeindung: 1. Dezember 1971
Postleitzahl: 77955
Vorwahl: 07822
Wallfahrts- und Pfarrkirche St. Landelin
Wallfahrts- und Pfarrkirche St. Landelin

Ettenheimmünster (früher auch Bad Ettenheimmünster) ist ein Ortsteil der Gemeinde Ettenheim im Ortenaukreis (Baden-Württemberg). Er liegt etwa fünf Kilometer östlich von Ettenheim

Der Ort ist bekannt als Wallfahrtsort und wegen seiner Barockkirche, die eine Orgel von Johann Andreas Silbermann aus dem 18. Jahrhundert besitzt und ihre heutige Gestalt durch Franz Joseph Salzmann erhielt.

Unweit des Ortes befanden sich die Gisenburg und die Burg Heidenkeller.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Landolinslegende[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Legende wurden Jagdhunde in der Gegend, in der sich der irische Missionar Landelin als Einsiedler niedergelassen hatte, zahm und unfähig zu jagen. Weil man das für Zauberei hielt, soll Landelin von einem Jäger erschlagen worden sein. Aus dem blutgetränkten Boden seien fünf Quellen entsprungen, deren Wasser bald als wuderwirkend galt.

Schon kurz nach Landelins Märtyrertod soll die Verehrung des Heiligen begonnen und sich eine Wallfahrt entwickelt haben.

Kloster[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bischof Eddo von Straßburg hat hier das Kloster Ettenheimmünster errichtet. Die später bedeutende Abtei erlebte im Barock ihre Blütezeit, wurde 1803 während der Säkularisation aufgehoben und 1865 endgültig zerstört.

Eingemeindung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 1. Dezember 1971 wurde Ettenheimmünster nach Ettenheim eingemeindet.[2]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vom 22. Dezember 1893 bis zum 31. August 1966 hatte Ettenheimmünster durch die Lokalbahn Rhein–Ettenheimmünster einen eigenen Eisenbahnanschluss.

Landelinsbüste

Brauchtum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 22. Februar (Petri Stuhlfeier) wird in Ettenheimmünster der „Grotten- und Schlangentag“ gefeiert. Die Kinder gehen an diesem Tag von Haus zu Haus und rufen „Fliäh, fliäh, Grodde un Schlange, dr heilig Sangt Peter kunnt mit dr fierige Schtange“, wofür sie Süssigkeiten erhalten.[3]

Am Sonntag nach dem Landelinstag, dem 22. September, wird im Anschluss an einen Festgottesdienst in der Wallfahrtskirche eine Reiterprozession abgehalten, bei der eine in der Kirche aufbewahrte silbergetriebene Landelinsbüste aus dem Jahr 1506 mitgetragen wird. Im Zentrum der Wallfahrt stehen auch die heilenden Quellen bei der Kirche, aus der viele Wasser, das vor allem bei Augenleiden hilfreich sein soll, nach Hause nehmen.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Mathias Martin (* 1765 in Ettenheimmünster; † 1825 in Waldkirch), Orgelbauer
  • Ildefons Haas (* 1735 in Offenburg; † 1791 in Ettenheimmünster), Benediktinermönch im Kloster Ettenheimmünster, Kirchenmusiker und Komponist
  • Albert Kürzel (* 1811 in Freiburg im Breisgau; † 1884 in Ettenheimmünster), katholischer Pfarrer und Heimatforscher

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Franz-Josef Helle und Erich Reinhold: Ortssippenbuch Ettenheimmünster, Ortenaukreis, Baden. Lahr-Dinglingen: Interessengemeinschaft Badischer Ortssippenbücher 2004 (= Badische Ortssippenbücher 109), Bearbeiteter Zeitraum 1648–1988

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Ettenheimmünster – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ettenheim in Zahlen
  2. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- u. Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen u. Reg.-Bez. vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 498.
  3. * Amtsblatt Ettenheim 16. Februar 2012 Ausgabe 7 Seite 4-5 (PDF; 659 kB)