Etwashausen

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Etwashausen
Große Kreisstadt Kitzingen
Koordinaten: 49° 44′ 29″ N, 10° 10′ 6″ O
Höhe: 186 m
Einwohner: 2182 (1987)[1]
Eingemeindet nach: Kitzingen
Postleitzahl: 97318
Vorwahl: 09321
Karte
Lage von Etwashausen (fett) im Kitzinger Gemeindegebiet
Bild von Etwashausen

Etwashausen ist ein Stadtteil der Großen Kreisstadt Kitzingen im gleichnamigen Landkreis in Unterfranken. Der Ort wurde lange Zeit als Vorstadt Kitzingens bezeichnet.

Geografische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Etwashausen liegt unmittelbar im Osten der Kitzinger Kernstadt auf der linken Mainseite. Nördlich beginnt das Gemeindegebiet von Albertshofen, während sich im Osten der Flugplatz Kitzingen erhebt. Weiter östlich liegt dagegen der Markt Großlangheim, der bereits durch ein großes Industriegebiet fast mit Etwashausen zusammengewachsen ist. Im Süden schließen sich die Kitzinger Stadtteile Siedlung und Hagenmühle an Etwashausen an. Der gesamte Westen wird von Kitzingen selbst eingenommen.

Naturräumlich liegen alle Kitzinger Stadtteile entlang des Maines im niederschlagsarmen und trockenem Kitzinger Maintal, das Teil des Mittleren Maintals innerhalb der Mainfränkischen Platten ist.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Vorstadt Etwashausen wurde nur vier Jahre nach der urkundlichen Erstnennung des benachbarten Kitzingen im Jahr 749 erwähnt. Damals gehörte die Siedlung als Fronhof zum einflussreichen Benediktinerinnenkloster Kitzingen und wurde „Ottwinishuson“ genannt. Vermutlich verweist der Name auf den Dorfgründer Otwin, die Endung -hausen deutet dagegen auf eine späte Gründung im 8. oder 9. Jahrhundert hin. Später wurde der Name Etwashausen als das „Dorf etwas draußen“, vor Kitzingen, ausgelegt.[2]

Im 12. Jahrhundert wurde das Dorf Ottenhausen genannt. Zu Beginn des 14. Jahrhunderts, 1300, wurde erstmals eine Brücke zwischen den Siedlungen Kitzingen und Etwashausen erwähnt. Im Jahr 1428 wurde das Dorf „Epshausen“ als Vorstadt Kitzingens bezeichnet. Im 15. Jahrhundert begannen die Bewohner von Etwashausen ihr Dorf mit einer Mauer zu umgeben, so entstand 1447 das sogenannte Mainbernheimer Tor. Hier erreichte der Verkehr aus Richtung Nürnberg die Weinmetropole Kitzingen.

Der florierende Weinhandel im nahen Kitzingen führte allerdings dazu, dass Etwashausen lediglich Durchgangsstation für die vielen Reisenden wurde. Zwischen Kitzingen und seiner Vorstadt gab es dennoch einige Verbindungen. Viele Feste wurden in Etwashausen gefeiert, so siedelte man hier das Schützenfest an. Trotzdem machte eine Zollstation am sogenannten Brücken- oder Maintor auch die Unterschiede zwischen Stadt und Vorstadt deutlich.[3]

Die Stadt Kitzingen auf einem Merian-Stich, Etwashausen auf der rechten Mainseite

Im Jahr 1629 konnte das Hochstift Würzburg das an die Markgrafen von Brandenburg-Ansbach verliehene Etwashausen wieder einlösen. Die Markgrafen hatten die Reformation in Kitzingen und Etwashausen eingeführt und die Würzburger Bischöfe forcierten in der Folgezeit die Rückgewinnung der Bevölkerung zum alten Glauben. Mit dem sogenannten Glaubensvertrag vom 17. Dezember 1650 erhielten die Kitzinger Lutheraner in der Vorstadt ein eigenes Gotteshaus.[4]

Vorangegangen war allerdings der Dreißigjährige Krieg, der auch über die Kitzinger Vorstadt viel Leid brachte. Viele Dokumente gingen während der Auseinandersetzungen verloren. Kirchlich war Etwashausen immer Teil der Johannespfarrei Kitzingen. Zwischen 1650 und 1741 bestand allerdings mit der Kirche St. Maria ein eigenes Gotteshaus, in dem Protestanten und Katholiken gemeinsam Gottesdienst abhalten konnten (Simultaneum).

Erst im 18. Jahrhundert änderte sich dies. Nachdem die Kitzinger Protestanten die Erlaubnis erhalten hatten, ein eigenes Gotteshaus zu errichten, kam ihnen der katholische Fürstbischof Friedrich Carl von Schönborn zuvor. Er beauftragte seinen Hofbaumeister Balthasar Neumann mit der Errichtung der Kreuzkapelle, die 1745 geweiht werden konnte. Das protestantische Gotteshaus St. Michael konnte erst 1754 fertiggestellt werden, sodass nun zwei Kirchen in unmittelbarer Nachbarschaft bestanden.[5]

Wirtschaftlich entstand in Etwashausen in der Mitte des 18. Jahrhunderts die Konzentration auf die Gartenbetriebe, die noch heute das Umland prägen. Bereits 1547 war der Bürger Hannß Klug als erster Gärtner bezeichnet worden, 1617 wurde das Gewerbe offiziell als Handwerk anerkannt. Im Jahr 1750 lebten in Etwashausen 25 Familien, die von der Gärtnerei lebten. Die Zahl stieg bis 1835 auf 86 Gärtnereien an.

Im 19. Jahrhundert war Etwashausen endgültig Teil der Stadt Kitzingen geworden und wurde IV. Bezirk genannt. 1864 begann der Bau der Eisenbahn, der 1890 mit der Errichtung der Eisenbahnbrücke abgeschlossen wurde. Bis 1892 erhielt Etwashausen einen eigenen Bahnhof, der Ausgangspunkt für den sogenannten „Steigerwaldexpress“ wurde. Im Jahr 1945 wurde die Eisenbahnbrücke gesprengt. Das 20. Jahrhundert war vom Rückgang der Gärtnereibetriebe geprägt.[6]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Großlangheimer Tor

Den Mittelpunkt des Stadtteils bildet noch heute die von Balthasar Neumann errichtet Kreuzkapelle am rechten Mainufer. Sie entstand in den Jahren 1741 bis 1745 und ist dem Heiligen Kreuz geweiht. Die Form der Kirche ist dementsprechend auch in der Form eines Kreuzes errichtet. Anders als viele andere Sakralbauten wurde die Kapelle nach Norden ausgerichtet. Die Kirche wird äußerlich durch Pilaster gegliedert und mit einfachen Rundbogenfenstern durchlichtet.

Die Kreuzkapelle von Balthasar Neumann

Oberhalb der abgerundeten Südfassade brachte man den Turm an. Im Inneren beeindruckt der Hochaltar der Kapelle mit einem niedrigen Aufbau und der reichen Gliederung durch Engelsfiguren. Die Rückwand wurde mit einem Kruzifix und der Darstellung des Gottvaters und der Taube des heiligen Geistes gearbeitet. Oberhalb des Portals erkennt man die Figuren der Maria und des Johannes. Um 1800 kam die Kanzel ins Kircheninnere, die im Stil des Klassizismus gearbeitet wurde.[7]

Das Gegenstück zur Kreuzkapelle bildet die ehemalige evangelisch-lutherische Kirche St. Michael. Sie entstand ebenfalls im 18. Jahrhundert nur wenige Meter östlich. Die Entwürfe für dieses Gotteshaus lieferte wiederum Balthasar Neumann. Nach 1817 ging die Kirche in das Eigentum des Königreichs Bayern über, das sie profanieren ließ. In der Folgezeit wurde das Gotteshaus umgebaut und kam als Wohnhaus in private Hände. Lediglich die Fassade erinnert heute noch an die frühere Nutzung.

Von den fünf ehemaligen Stadttoren Etwashausens ist das Großlangheimer Tor (der „Barthelsturm“) von 1565 in der heutigen Flugplatzstraße mit seiner engen, rundbogigen Tordurchfahrt das einzige erhaltene Bauwerk dieser Art in der Gärtnervorstadt. Neben den großen Sakralbauten haben sich in Etwashausen mehrere Privathäuser erhalten. So bestehen, insbesondere an der Mainbernheimer Straße, meist zweigeschossige Geschäftshäuser aus allen Jahrhunderten. Die großen Hoftore erinnern an die Geschichte der Gärtnervorstadt mit ihrem Kräuterverkauf. 1897 entstand in der Heinrich-Fehrer-Straße eine Fabrikantenvilla. Sie verweist auf die Ansiedlung von Industrieunternehmen. Die ehemalige Kommandantur von 1915 liegt am heutigen Flugplatz.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bahnstrecke Kitzingen-Schweinfurt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit dem ausgehenden 19. Jahrhundert erhielt Etwashausen einen Anschluss an das bayernweite Eisenbahnnetz. 1893 wurde der Abschnitt Kitzingen–Gerolzhofen der sogenannten Steigerwaldbahn (auch Untere Steigerwaldbahn) fertiggestellt, Etwashausen wurde mit einem Haltepunkt ausgestattet. Die Nebenbahn verband ab 1903 Kitzingen mit dem Schweinfurter Hauptbahnhof und war damit eine der längeren Nebenstrecken in Deutschland.

Seit den 1980er Jahren begann man den Verkehr auf der Strecke zu reduzieren. Schließlich wurde im Jahr 2007 der Abschnitt zwischen Kitzingen und Großlangheim wegen vermuteter Altlasten aus dem Zweiten Weltkrieg auch für den Güterverkehr gesperrt. Seit längerer Zeit gibt es Initiativen zur Reaktivierung des Personenverkehrs auf der stillgelegten Strecke. Anfang 2019 entbrannte ein heftiger, bis heute (2020) andauernder Streit über die Ausgestaltung der Wiederinbetriebnahme, der zum Politikum wurde.[8][9]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hans Bauer: Landkreis Kitzingen. Ein Kunst- und Kulturführer. Marktbreit 1993.
  • Richard Herz: Chronik der Evang. Luth. Kirchengemeinde Kitzingen. Kitzingen 1963.
  • Helga Lenz: Die Gärtnervorstadt Etwashausen. Eine volkskundliche Studie. (Zulass.). Würzburg 1977.
  • Adam Schmitt: Jubiläum der Kreuzkirche in Etwashausen der Vorstadt von Kitzingen a/M. Predigt am hundertsten Jahrtage ihrer Einweihung. Kitzingen 1845.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Etwashausen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, Gebietsstand: 25. Mai 1987. Heft 450 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München November 1991, DNB 94240937X, S. 364 (Digitalisat).
  2. Helga Lenz: Die Gärtnervorstadt Etwashausen. S. 4.
  3. Helga Lenz: Die Gärtnervorstadt Etwashausen. S. 10.
  4. Adam Schmitt: Jubiläum der Kreuzkirche in Etwashausen. S. 7.
  5. Richard Herz: Chronik der Evang. Luth. Kirchengemeinde Kitzingen. S. 79 f.
  6. Helga Lenz: Die Gärtnervorstadt Etwashausen. S. 30.
  7. Hans Bauer: Landkreis Kitzingen. S. 52.
  8. Mit der Bahn durch die Schweinfurter Innenstadt. In: mainpost.de. 2. August 2019, abgerufen am 19. Januar 2020.
  9. IHK: Steigerwaldbahn würde Region stärken. In: mainpost.de. 20. Juli 2018, abgerufen am 20. Januar 2020.