Etzweiler

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Lage des ehemaligen Ortes Etzweiler im Rheinischen Braunkohlerevier
Sperrung der Zufahrt zu Etzweiler (alt)

Etzweiler war ein Ortsteil von Elsdorf im Rheinland. Es wich im Winter 2006 dem Braunkohle-Tagebau Hambach. Die zuletzt etwa 1000 Einwohner wurden im Zuge der Tagebauerweiterung durch RWE Power nach Neu-Etzweiler, nördlich von Elsdorf, umgesiedelt.

Ehemalige Ortslage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Etzweiler lag an der Landesstraße 276 zwischen Elsdorf im Norden und Buir im Süden. Neben Elsdorf und Buir hatte Etzweiler noch folgende Nachbarorte: Giesendorf, Berrendorf-Wüllenrath, Tanneck und Manheim. Im Süden und Westen erstreckte sich der Bürgewald, der zum größten Teil dem Tagebau Hambach zum Opfer gefallen ist.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Etzweiler wurde im Jahre 1141 das erste Mal urkundlich als „Liucart de Wilre“ erwähnt. Jedoch siedelten schon wesentlich früher Menschen an diesem Ort. So fand man bei Ausgrabungen einen Palisadenzaun, der auf eine Besiedlung um 100 v. Chr. hinweist.

Im Jahre 1360 bestätigt eine Urkunde des Herzogs von Jülich, dass unter anderem auch die Ortschaft Etzweiler einen jährlichen Wachszins an die Kirche von Arnoldsweiler, zu Ehren des Heiligen Arnold von Arnoldsweiler, abliefern muss. Dies zeigt auch, dass Etzweiler zu den so genannten Bürgewaldgemeinden gehörte und somit Rechte am Wald besaß, die der hl. Arnold den umliegenden Ortschaften des Bürgewaldes der Legende nach im 8. Jahrhundert schenkte, nachdem er den Wald umritten hatte. Im Mittelalter und in der frühen Neuzeit befand sich in Etzweiler auch ein Gerichtssitz. 1764 wird die erste Schule eröffnet, welche in den 1970er-Jahren geschlossen wurde, 1787 wird in Etzweiler die katholische Pfarrkirche St. Hubertus errichtet und 1794 wird Etzweiler, wie das gesamte Rheinland französisch. Im Jahre 1815 wird der Ort dann schließlich preußisch. Nachdem 1870 im Nachbarort Elsdorf die Zuckerfabrik eröffnet wurde, suchten mehr und mehr Etzweiler dort eine Arbeit. Somit hatte auch in Etzweiler die Industrialisierung Einzug genommen. 1971 wurde der Kindergarten gegründet. Im Jahre 1957 starteten die Planungen für den Tagebau Hambach und 1977 wurde dieser verbindlich. Von diesem Zeitpunkt an war das Ende der jahrhundertealten Geschichte von Etzweiler besiegelt.

Im Herbst 2006 wurden alle Zufahrtsstraßen nach Etzweiler gesperrt und mit Erdwällen blockiert.

Trivia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Zustand der fast vollständigen Evakuierung wurden in den leerstehenden Gebäuden und Abschnitten des Ortes einige Folgen der Comedy-Serie „Was nicht passt, wird passend gemacht“ gedreht. Bereits zu Beginn des Jahres 2007 waren auch die letzten verbliebenen Spuren des Dorfes verwischt; heute wird dort Braunkohle gefördert.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Johannes Mausbach: Etzweiler, Spuren eines verkauften Dorfes. Köln 1992.
  • Rudolf A. H. Wyrsch: Der heilige Arnold von Arnoldsweiler. Legende und Geschichte der Verehrung eines rheinischen Heiligen. Jülich 1994. (Forum Jülicher Geschichte 9), ISBN 3-9802601-9-4

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Koordinaten: 50° 54′ 21″ N, 6° 33′ 33″ O