Eugen Hönig

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Eugen Hönig (Mai 1933)
Hönig erteilt dem Juden Heinz Buchholz ein Berufsverbot (1935)
Geschäftshaus zum schönen Turm von Eugen Hönig und Karl Söldner mit Bildhauerarbeiten von Julius Seidler

Eugen Hönig (* 9. März 1873 in Kaiserslautern; † 24. Juni 1945) war ein deutscher Architekt und bis 1936 Präsident der Reichskammer der Bildenden Künste.[1]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hönig war der Sohn eines Möbelfabrikanten. Nach dem Abitur besuchte er von 1891 bis 1895 die Technische Hochschule München. Nach seinem Ingenieur-Examen war er zunächst gemeinsam mit dem Architekten Karl Söldner selbstständig tätig. In der Zeit von 1896 bis 1897 war Hönig Lehrer an der Baugewerkschule Augsburg und von 1906 bis 1913 Professor an der Bauschule in München.[2] Gleichzeitig war Hönig in den Jahren von 1910 bis 1912 Vorsitzender des Münchner Architekten- und Ingenieur-Vereins (MAIV). Er erbaute verschiedene Geschäftshäuser in München.

1931 wurde Hönig Mitglied im völkisch gesinnten, antisemitischen Kampfbund für deutsche Kultur.[1] Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten trat er 1933 in die NSDAP ein.[1] Am 23. März 1933 wurde er zum letzten Vorsitzenden des gesamtdeutschen Bundes Deutscher Architekten (BDA) gewählt.[3]

Der Bund Deutscher Architekten schaltete sich durch Hönig selbst gleich und verpflichtete sich opportunistisch zur Mitarbeit am Werk des „nationalen Aufbaus“.[4] Mit Beschluss der nationalsozialistischen Reichsregierung wurde der BDA als eigenständige Organisation aufgelöst und in die Reichskammer der Bildenden Künste eingegliedert. Am 15. November 1933[5] ging der BDA nach Verschmelzung mit mehreren anderen Verbänden im Fachverband für Baukunst der Reichskammer der Bildenden Künste auf, der Hönig ab November 1933 als Präsident vorstand.[6] 1936 legte er dieses Amt nieder, blieb aber Präsidialrat und Reichskultursenator.[1]

Hönig untersagte am 20. Oktober 1934 dem damals sechzigjährigen jüdischen Maler und Grafiker Eugene Spiro eine weitere Tätigkeit, was die Schließung von Spiros Malschule zur Folge hatte. Spiro ging daraufhin ins Exil nach Frankreich.

Nach dem Tod des Reichspräsidenten Paul von Hindenburg gehörte Hönig im August 1934 zu den Unterzeichnern des Aufrufs der Kulturschaffenden zur „Volksabstimmung“ über die Zusammenlegung des Reichspräsidenten- und Reichskanzleramtes.[1] In der Endphase des Zweiten Weltkriegs wurde Hönig von Adolf Hitler in die Gottbegnadeten-Liste der wichtigsten Architekten aufgenommen, was ihn vor einem Kriegseinsatz, auch an der Heimatfront, bewahrte.[1] Im Juni 1945 verstarb Eugen Hönig.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Uwe Schneider/Gert Gröning: Späte Ehren für Eugen Hönig? In: Die alte Stadt. Vierteljahresschrift für Stadtgeschichte, Stadtsoziologie u. Denkmalpflege. 25. Jahrgang, Heft 2, 1998, S. 174–181.
  • Werner Durth: Deutsche Architekten: Biographische Verflechtungen 1900–1979. Braunschweig 1986.
  • Barbara Miller-Lane: Architecture and Politics in Germany 1918–1945. Cambridge, 1968.
  • Anna Teut: Architektur im Dritten Reich 1933–1945. In: Bauwelt Fundamente 19, Ullstein, 1967, S. 95.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Eugen Hönig – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f Ernst Klee: Das Kulturlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. S. Fischer, Frankfurt am Main 2007, S. 256.
  2. baunetz.de, BDA Informationen, Neues zu Eugen Hönig, S. 38 (PDF), abgerufen am 6. Dez. 2008@1@2Vorlage:Toter Link/www.baunetz.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  3. baunetz.de, BDA Informationen, Wer ist Eugen Hönig, S. 30 (PDF), abgerufen am 6. Dez. 2008@1@2Vorlage:Toter Link/www.baunetz.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  4. Vgl. Schneider/Gröning 1998, S. 174ff.
  5. saaleck-werkstaetten.de, abgerufen am 6. Dez. 2008
  6. Bund deutscher Architekten, abgerufen am 12. März 2018