Euroméditerranée

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Euroméditerranée ist der Name eines 1989 begonnenen Stadterneuerungsprojekts in Marseille.

Geschichte[Bearbeiten]

Das Projekt entstand 1989 aufgrund der Initiative des damaligen Bürgermeisters Robert Vigouroux. Vorbild war die geglückte Umgestaltung des Viertels um den Bahnhof Lyon-Part-Dieu in einen Central Business District der Stadt Lyon. Die eingesetzten Mittel stammen vom französischen Staat, von den betroffenen Gemeinden und Regionen, der Stadt Marseille, der Europäischen Union aber auch von privaten Investoren. Der Vertrag zur Gründung eines Etablissement Public d'Aménagement (EPA) wurde am 26. April 1994 geschlossen.[1] Das Projekt sollte 2012 abgeschlossen werden, es ist aber in eine zweite Phase übergetreten und stellt sich zu Anfang 2013 noch als Grossbaustelle dar.

Einbezogen sind die Stadtviertel La Belle de mai, Saint-Charles, La Joliette et Arenc, sowie die Rue de la République. Die Stadterneuerung bezieht sich auf eine Gesamtfläche von 3.1 km² im Zentrum von Marseille, in deren Zuge über Jahrzehnte vernachlässigten Wohn-Quartiere (mit einkommensschwacher, häufig zugewanderter Bevölkerung aus ehemaligen Kolonialgebieten im Mittelmeerraum) u.a. durch hunderttausende Quadratmeter Bürofläche ersetzt werden sollen ("Gentrifizierung").

Die Erschließung erfolgt durch die Marseiller Metro und durch die neue Linie T2 der Straßenbahn Marseille. Der im Dezember 2002 eröffnete Straßentunnel de la Major befreit das Sanierungsgebiet vom Durchgangsverkehr. Ein 2005 eröffneter Passagierhafen für das boomende Kreuzfahrtengeschäft soll es Marseille ermöglichen, in dieser Hinsicht mit Genua und Barcelona zu rivalisieren.[2]

Entlang der Uferstraße Les Quais d'Arenc ist die moderne Skyline einer typischen Waterfront-Entwicklung im Entstehen: Ein 135 m hohes Hochhaus von Jean Nouvel , die Tour La Marseillaise[3], sollte 2013 fertiggestellt sein, die Grundsteinlegung fand am 17. Dezember 2014 statt[4], die Fertigstellung ist nun für 2018 vorgesehen, im gleichen Jahr sollen auch die Tour Horizon von Yves Lion mit 113 m Höhe und und das H99 von Jean-Baptiste Piétri (99,9 m) fertig sein. Weniger hoch (31 m) wird Le Balthazar, ein von Roland Carta für die Gruppe Constructa entworfenes Bürogebäude.

Bereits bespielt wird das ebenfalls von Roland Carta geschaffene Veranstaltungszentrum "Le Silo", ein umgebauter ehemaliger Getreidespeicher.[5] Die frühere Tabakfabrik im Viertel Belle-de-Mai (üblicherweise als Friche la Belle de Mai bezeichnet) wurde in ein Medien- und Kulturzentrum umgewandelt.[6][7] Hier sind auch das Stadtarchiv von Marseille und die Depotbestände der Mareiller Museen untergebracht.[8]

Kritik[Bearbeiten]

Die Kritik am Projekt konzentriert sich auf den Vorwurf, die bisherigen Bewohner der Sanierunggebiete würden planmäßig vertrieben. Die Vereinigung Un Centre Ville pour Tous setzt sich für diese benachteiligten Schichten ein.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Euroméditerranée: Geschichte (französisch)
  2. Vgl. [1]
  3. Projektseite bei Arcora.com, Zugriff 16.1.2015
  4. http://www.marseille.fr/sitevdm/jsp/site/Portal.jsp?document_id=20918&portlet_id=8 Zugriff 16.1.2015
  5. Siehe Pressemitteilung der Gruppe Constructa vom Juli 2010:http://www.constructa.fr/groupe/upload/presse/le-groupe-constructa-demarre-les-15.pdf
  6. [2] Pôle Média, eröffnet 2000
  7. Präsentation des Kulturzentrums la Friche
  8. Informationen über den Pôle Patrimoine

Literatur[Bearbeiten]

  • Heidi Megerle:Lebenszyklen und Transformationsprozesse eines städtischen Boulevards – die Rue de la République in Marseille, in: Manfred Schrenk, Peter Zeile, Vasily V. Popovich (Hg): CORP 2011 Proceedings/Tagungsband, Essen 2011
  • Daniel Winkler: Transit Marseille: Filmgeschichte einer Mittelmeermetropole, S. 25, transcript Verlag 2007, ISBN 978-3-89942-699-1

Weblinks[Bearbeiten]