euronews

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euronews
Senderlogo
Fernsehsender (Privatrechtlich)
Programmtyp Spartenprogramm (Information)
Empfang Antenne, Kabel, Satellit, Live-Streaming
Bildauflösung 1080i HDTV
576i 16:9 SDTV
Sendestart 1. Januar 1993
Sprache Deutsch, Französisch, Englisch, Italienisch, Spanisch, Portugiesisch, Ungarisch, Griechisch, Russisch, Arabisch, Persisch, Türkisch, Albanisch, Rumänisch
Sitz Lyon, Frankreich Frankreich
Eigentümer Euronews SA
Media Globe Networks (88 %)[1]
verschiedene Sender der EBU
Geschäftsführer Frankreich Deutschland Michael Peters
Liste von Fernsehsendern
Website
Vorstandsvorsitzender Michael Peters im Jahr 2018

euronews ist ein paneuropäischer Fernsehsender mit Sitz im französischen Lyon. Er ging am 1. Januar 1993 mit einem Nachrichtenprogramm auf Sendung.

Als gemeinschaftliches Eigentum einer Reihe von EBU-Sendern gegründet, hält seit 2015 Media Globe Networks von Naguib Sawiris den überwiegenden Anteil an dem Sender. Im Dezember 2021 wurde bekannt, dass die portugiesische Kapitalgesellschaft Alpac Capital einen Vertrag zur Übernahme dieser Anteile Sawiris', die 88 Prozent der Gesamtanteile des Senders ausmachen, unterzeichnet hat. Die Übernahme soll Anfang 2022 abgeschlossen sein.

Programm[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Programmaufbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mehrmals pro Stunde werden Nachrichten ausgestrahlt. Die frühere Untergliederung in Blöcke von Nachrichten-, Sport- und Wirtschaftsmeldungen besteht nicht mehr. Zudem gehören Magazinsendungen, Reportagen und Interviews zum Programm.[2]

Ab 2018 wurde eine moderierte Nachrichtensendung ausgestrahlt. Die deutschsprachige Version hieß „Euronews am Abend“ und wurde um 19 Uhr MEZ gesendet und mehrmals wiederholt.[3] Die vorerst letzte Sendung war Mitte Januar 2020.[4]

Das wohl bekannteste Format von euronews ist No Comment (ohne Kommentar), das aktuelle Bilder aus aller Welt ganz ohne gesprochenen Kommentar präsentiert und dem Zuschauer allein durch die Kraft der Bilder eine Urteilsbildung ermöglicht, wobei aber eine implizite Kommentierung durch Bildauswahl, Perspektive und Schnitt bestehen bleibt. Dieses Format wird als No Comment Live bezeichnet, wenn es live gesendet wird. No Comment ist auch als Video-Podcast verfügbar.

Ergänzt wird das Programm durch Börsenkurse (markets), das Weltwetter kurz vor der halben und das Europawetter (meteo europe) vor der vollen Stunde. Außerdem gibt es das Format meteo airport (nicht zu verwechseln mit meteo world), das Wetterdaten von internationalen Flughäfen anzeigt. Wichtige Ereignisse wie Wahlen oder Eilmeldungen werden direkt übertragen.

Empfang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Sender strahlte bis zum 10. Mai 2017 sein Programm gleichzeitig auf Englisch, Französisch, Deutsch, Italienisch, Portugiesisch, Spanisch, Russisch, Arabisch, Türkisch, Persisch, Ukrainisch, Griechisch und Ungarisch aus und war bis dahin nach eigenen Angaben in rund 350 Millionen Haushalten in 155 Ländern zu empfangen. Ab dem 10. Mai 2017 wurde jedoch das bisherige Multiplexverfahren, das seit der Gründung des Senders 1993 zum Einsatz kam und bedeutete, dass es ein einziges Videosignal in mehreren Sprachen gab, aufgegeben und durch zwölf in eigener Benennung Premium-Ausgaben auf mehreren Plattformen ersetzt. Die Einblendungen sind seither in der jeweiligen Sprache zu sehen. Zu empfangen sind die zwölf unterschiedlichen Versionen auf unterschiedlichen Wegen: Auf Deutsch, Englisch (auch HD), Französisch, Griechisch, Ungarisch, Italienisch und Russisch ist euronews sowohl via Satellit als auch über IPTV verfügbar. Die portugiesische, spanische und türkische Version wird nur über IPTV verbreitet. Arabisch und persisch gibt es euronews nur online. Ab 2018 soll euronews auch in Nord- und Südamerika über IP-Netze verfügbar sein.[5]

Der Sender strahlt sein Programm über Antenne, Kabel, Satellit, Internet via Livestream sowie über die Plattform Livestation aus. Daneben ist es über Freenet TV connect als Livestream empfangbar.

Zudem unterhält euronews mehrere sprachregionale Kanäle bei YouTube, wo regelmäßig Beiträge aus dem laufenden Programm zum Abruf bereitgehalten werden.

Auch im Internetfernsehen kann Euronews über Plattformen wie Zattoo empfangen werden.

Produktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Büros[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

euronews unterhält Büros in Brüssel, Kairo, Doha, London, Paris, Kiew, Istanbul, Dubai, Washington und Peking (seit Ende 2011).

Eigentumsverhältnisse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gesellschafter von euronews sind die Media Globe Networks des ägyptischen Unternehmers Naguib Sawiris mit 88 % sowie 21 Rundfunkveranstalter und drei französische Gebietskörperschaften mit zusammen 12 % der Anteile.[6] Im Dezember 2021 gab euronews bekannt, dass die Anteile Sawiris' von der portugiesischen Kapitalgesellschaft Alpac Capital übernommen werden sollen.[7] Diese Übernahme soll Anfang 2022 abgeschlossen sein.[7] Mit der Übernahme wird Alpac Capital drei Mitglieder des Redaktionsrates bestimmen, hat der Vorstandsvorsitzende Michael Peters bestätigt.[8]

Land EU-Mitglied Euronews-Teilhaber Zeitraum
Agypten Ägypten ERTU→NMA (Gründungsmitglied) 1993–
Belgien Belgien vor 1993 RTBF (Gründungsmitglied) 1993–
Finnland Finnland 1995 YLE (Gründungsmitglied) 1993–
Frankreich Frankreich vor 1993 France Télévisions (Gründungsmitglied)
(zeitweise Hauptteilhaber >20%)
1993–
Griechenland Griechenland vor 1993 ERT (Gründungsmitglied) 1993–
Italien Italien vor 1993 RAI (Gründungsmitglied)
(zeitweise Hauptteilhaber >20%)
1993–
Portugal Portugal vor 1993 RTP (Gründungsmitglied) 1993–
Zypern Republik Zypern 2004 CyBC (Gründungsmitglied) 1993–
Schweiz Schweiz SRG SSR
(zeitweise Hauptteilhaber >10%)
1993–
Algerien Algerien EPTV 1993–
Tunesien Tunesien ERTT→TT 1993–
Slowenien Slowenien 2004 RTVSLO 1994–
Tschechien Tschechien 2004 ČT 1997?–
Malta Malta 2004 PBS 1997?–
Irland Irland vor 1993 RTÉ 1998?–
Russland Russland RTR
(zeitweise Hauptteilhaber >10%)
2001–
Rumänien Rumänien 2007 TVR 2004–
Schweden Schweden 1995 TV4 (privat) 2006–
Ukraine Ukraine NTU→PBCU 2006–
Marokko Marokko SNRT 2008–
Frankreich Frankreich vor 1993 Métropole de Lyon
Département Rhône
Région Auvergne-Rhône-Alpes
2012–
Agypten Ägypten MGN (privat)
(Hauptteilhaber mit 88 %)
2015–
Vereinigte Arabische Emirate VAE ADMIC 2017–
Monaco Monaco TMC (Gründungsmitglied) 1993–20??
Spanien Spanien vor 1993 RTVE (Gründungsmitglied)
(zeitweise Hauptteilhaber >20%)
1993–2008
Bulgarien Bulgarien 2007 BNT 199?–????
Turkei Türkei TRT
(zeitweise Hauptteilhaber >10%)
2009–2017
Vereinigte Staaten USA NBCU (privat)
(zeitweise Hauptteilhaber >20%)
2017–2020

euronews versucht, auch Deutschland für eine Beteiligung zu gewinnen. Dies scheiterte bisher vor allem an der komplizierten Rechtslage. In Deutschland befindet sich der Rundfunk in der Verantwortung der Bundesländer, so dass die Länderregierungen von einem Einstieg überzeugt werden müssen.

Kooperation mit der EU[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Vertrag zwischen der EU-Kommission und euronews sieht die Ausstrahlung EU-relevanter Beiträge von Ereignissen in den Mitgliedstaaten und EU-Beitrittskandidaten sowie in einigen anderen Ländern vor. Im Gegenzug wird euronews von der EU jährlich mit 24,5 Mio. Euro unterstützt.[9] Aus diesem Grunde sieht sich der Sender der Kritik ausgesetzt, er würde nicht neutral senden, sondern die EU in ein positives Licht rücken und seine Beiträge im Sinne der EU senden.[10]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anfänge als europäischer Nachrichtensender[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Logo von 1998[11] bis 2008

1982 schuf die Europäische Rundfunkunion (EBU) zu Testzwecken einen Satellitenfernsehkanal namens Eurikon, an dem auch Deutschland beteiligt war.[12] Hieraus ging Europa TV hervor, das von Oktober 1985[13] bis November 1986[14] über den Satelliten ECS auf Sendung war und von ARD (Deutschland), NOS (Niederlande), RAI (Italien), RTÉ (Irland) und RTP (Portugal) getragen wurde.[15][16]

Einen neuen Anfang machte die EBU mit Euronews, das im Juni 1992 von elf Rundfunkveranstaltern aus zehn Ländern gegründet wurde (siehe Tabelle; France Télévisions war damals noch geteilt in Antenne 2 und FR3). Zum Sitz wurde Écully bei Lyon bestimmt, das mit München und Valencia unter 15 europäischen Bewerbern in die Endausscheidung um den Standort des Nachrichtensenders gekommen war.[17] ARD und ZDF beteiligten sich wegen Bedenken der Bundesländer nicht an Euronews und waren außerdem bereits in 3sat und Arte involviert; die BBC hatte 1991 das eigene World Service Television gestartet.

Organisiert war Euronews anfangs über zwei französische Aktiengesellschaften:

  • die redaktionelle SECEMIE (Société éditrice de la chaîne européenne multilingue d’information Euronews),[18] deren Inhaber die Rundfunkveranstalter waren, und
  • die operative SOCEMIE (Société opératrice de la chaîne européenne multilingue d’information Euronews),[19] die zunächst im Alleineigentum der SECEMIE stand.

Anfang 1993 ging Euronews in den fünf Sprachen Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch und Spanisch auf Sendung.

1995 erwarb das französische Unternehmen Alcatel Alsthom 49 % der Anteile an der SOCEMIE, und 1997 gingen diese Anteile an den britischen Nachrichtenanbieter ITN, bis sie 2003 wieder von der SECEMIE übernommen wurden.

Neustruktierung und redaktionelle Modernisierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Logo von 4. Juni 2008 bis 17. Mai 2016

2009 wurde die SOCEMIE mit der SECEMIE zusammengelegt; die SECEMIE erhielt den Namen Euronews sowie Vorstand und Aufsichtsrat.

Im Mai 2009 übernahm der Rumäne Lucian Sârb[20] das Amt des Redaktionsleiters und sein Landsmann Peter Barabas im September desselben Jahres den Posten des Chefredakteurs.[21] Seit dem 11. Januar 2011 sendet man im 16:9-Breitbild-Format. Mit der Umstellung erhielt der Sender auch einen neuen On-Air-Auftritt. Im Dezember 2011 wurde Michael Peters neuer Vorstandsvorsitzender und damit Nachfolger von Philippe Cayla, der das Amt seit 2003 ausübte. Cayla übernahm die Leitung von Euronews Development und wurde Mitglied des euronews-Aufsichtsrates.[22]

2011 wurde erstmals eine moderierte Sendung unter dem Namen iTalk gesendet. Es handelte sich dabei um ein interaktives Format, das Zuschauern die Möglichkeit gab, Fragen zu Europa zu stellen. Die Sendung wurde in einem im Europäischen Parlament eingerichteten Studio aufgezeichnet und von Alex Taylor moderiert.

Die Ende 2012 auf Sendung gegangene griechischsprachige Version wird nicht im Hauptsitz in Frankreich, sondern in Athen erstellt.[23] Gleiches gilt für das ungarischsprachige Programm (seit 2013), welches in Budapest produziert wird.[24]

euronews nutzte in erster Linie Agenturmeldungen der dapd Nachrichtenagentur, die jedoch im April 2013 ihren Dienst einstellte.

Am 8. Oktober 2013 wurde anlässlich des 20-jährigen Bestehens von euronews ein neues On Air Design eingeführt. Dazu wurden einige Intros überarbeitet sowie die Anzeige der Uhrzeit wieder aufgenommen (jetzt abwechselnd diverse Ortszeiten). Außerdem sollen wichtige Ereignisse nun stärker hervorgehoben werden.[25]

Übernahme durch Naguib Sawiris und Privatisierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Logo seit 2016

2015 erwarb der ägyptische Unternehmer Naguib Sawiris durch seine in Luxemburg ansässige Gesellschaft Media Globe Networks (MGN)[26] 53 % der Anteile an euronews.[27]

Am 19. März 2015 wurde bekannt, dass euronews die Sendelizenz in der Ukraine von der ukrainischen Medienaufsicht entzogen wird. Als Grund wurde ein Mangel an Einflussmöglichkeiten der Behörden auf das ukrainischsprachige Programm angegeben.[28] Ab Dezember 2015 sendete euronews wieder in der Ukraine.[29]

euronews-Hauptsitz in Lyon

Im Oktober 2015 verließ der Sender seinen bisherigen Hauptsitz in Écully und zog in ein neues Sendegebäude im Lyoner Stadtteil La Confluence.[30]

Im April 2016 nahm der in Pointe-Noire (Republik Kongo) ansässige Schwestersender Africanews seinen Betrieb auf.[31] Am 17. Mai 2016 führte der Sender ein neues Logo und Design ein.[32]

Am 10. Mai 2017 führte euronews zwölf Versionen seines Programms ein. Dadurch wird neben den Tonspuren auch fortan das Fernsehsignal in den jeweiligen Sprachen ausgestrahlt. Dies geht zurück auf ein neues überarbeitetes Konzept von euronews. Die deutsche Variante hat daher die Satellitenfrequenz gewechselt.[33] Im Mai 2017 wurde der ukrainischsprachige Dienst eingestellt, den es bei euronews seit 2009 gab.[34]

2017 übernahm das Unternehmen ADMIC aus den Vereinigten Arabischen Emiraten die euronews-Anteile in Höhe von zwei Prozent, die zuvor das türkische Fernsehen (TRT) gehalten hatte.[35][36]

2018 baute euronews in Folge des Eintritts des US-Medienkonzerns NBCUniversal als 25%-Anteilseigner sein englischsprachiges Programm aus, dieses wurde Euronews World getauft.[37] Im Mai 2018 wurde die in Algerien und Tunesien aufgewachsene französisch-amerikanische Journalistin Françoise Champey neue Redaktionsleiterin[38] und damit Nachfolgerin von Lucian Sârb. Im November 2018 wurde die Einrichtung von euronews Albanien bekanntgegeben,[39] der Sendebetrieb mit 150 Mitarbeitern im Hauptsitz in Tirana wurde am 21. November 2019 nach neunmonatigen Probeläufen aufgenommen, zudem richtete euronews Albanien Außenredaktionen in Skopje und Pristina ein.[40] Mitte Juli 2019 einigte sich das zu Telekom Srbija gehörende serbische Medienunternehmen HD-WIN mit euronews auf die Übername des Sendernamens, um als Lizenznehmer den Nachrichtensender euronews Serbien aufzubauen.[41] Nach demselben Prinzip der Lizenzvergabe des Namens euronews (Media-Franchising) kam wie zuvor mit den albanischen und serbischen Konzernen ebenfalls im Juli 2019 mit dem georgischen Telekommunikationskonzern Silknet eine Vereinbarung über die Einrichtung eines Nachrichtensenders zustande (euronews Georgien).[42] euronews Georgien ging Mitte September 2020 auf Sendung.[43] Im Sommer 2020 endete die Amtszeit von Redaktionsleiterin Champey.[44]

Am 20. April 2020 wurde bekannt, dass NBC seine Anteile an den Mehrheitseigner von EuroNews, den Medienkonzern Media Globe Networks verkauft hat. Grund war der geplante, aber nicht erfolgte Sendestart von NBC Sky World News.[45] Am 6. Januar 2021 wurde der Start eines Ablegers für Rumänien (euronews Rumänien) bekannt gegeben.[46]

Die französische Tageszeitung Libération kritisierte, dass eine Medienpartnerschaft mit Dubai dazu führe, das Werbeinhalte in einem redaktionellen Format ausgestrahlt würden, die oft nur schwer als bezahlte Inhalte zu erkennen seien, zudem sei die Berichterstattung über Dubai stark auf touristische Reisen fokussiert und Menschenrechtsverletzungen in dem arabischen Land würden nicht angesprochen. euronews erwiderte daraufhin, es handle sich dabei um eine gemeinhin gängige Praxis zur Finanzierung des journalistischen Betriebes, dessen Kosten stets eine Herausforderung darstellten. Die redaktionelle Unabhängigkeit sei nicht gefährdet, zudem obliege euronews der Kontrolle durch den französischen Medienrat CSA.[36] Die Süddeutsche Zeitung sieht diese Entwicklung im Einklang mit einem generellen Wandel von euronews von einer Sendeanstalt mit dem Ziel einer gesamt-europäischen Perspektive auf das Tagesgeschehen zu einem Privatsender mit Finanzproblemen und Interessenskonflikten.[10] In diesem Zusammenhang betrachtet die SPD-Europaabgeordnete Petra Kammerevert auch die Finanzierung durch die EU-Kommission kritisch, weil so Geld an einen Sender flösse, der nicht mehr in europäischer Hand sei.[10]

Übernahme durch Alpac Capital[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Dezember 2021 gab euronews bekannt, dass eine Vereinbarung zur Übernahme der Anteile Naguib Sawiris', die sich mittlerweile auf 88 Prozent beliefen, durch die portugiesische Kapitalgesellschaft Alpac Capital unterzeichnet wurde. Diese Übernahme soll Anfang 2022 abgeschlossen sein. Die Übernahme folgt einer Zeit der ökonomischen Instabilität bei euronews, in der Sawiris mehrfach Kapital zuschießen musste.[7] Zu Beginn des Jahres 2021 kündigte euronews den Abbau von 30 Stellen in Lyon an, was der Sender durch verringerte Werbeeinnahmen im Zuge der Corona-Pandemie begründete, infolgedessen traten Mitarbeiter in den Streik.[47]

Reaktionen auf die Übernahme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der ehemalige Abgeordnete des Europa-Parlaments Mário David ist Vater des Vorstandsvorsitzenden von Alpac Capital, Pedro Vargas David. Mário David ist Berater des ungarischen Premierministers Viktor Orbán.[48] 2016 zeichnete Orbán den Politiker Mário David mit einem Orden für dessen Verdienste um die Interessen des ungarischen Volkes aus und dankte ihm für seine "Unterstützung, die signalisiere, dass Ungarn einen Platz in Europa habe, entgegen der Angriffe von Kritikern".[49] Alpac Capital hat Gelder aus ungarischen Investionsbanken erhalten und der ungarische Außenminister Péter Szijjártó war auf einer Veranstaltung anwesend, auf der ein neuer Investment-Fonds von Alpac Capital vorgestellt wurde.[8]

Diese Nähe von Alpac Capital zur ungarischen Regierung fand in einigen Medien, wie dem Polit-Nachrichten-Magazin Politico, dem Europa-Nachrichtenportal Euractiv und dem Radio Free Europe ein kritisches Echo.[8][50][51] Sie befürchten eine starke Gefährdung der redaktionellen Unabhängigkeit von Euronews durch den neuen Eigentümer. Politico zitiert die Direktorin der Denkfabrik Mertek Media Monitor, Ágnes Urbán, die vermutet, euronews könne eine “pseudo-unabhängige” Medienanstalt werden, die scheinbar unabhängig berichte, in Wahrheit aber eine Orbán-freundliche Linie vertrete. Sie sieht darin Ähnlichkeiten mit der Gründung der Medienorganisation KESMA, die in Ungarn die öffentliche Meinung kontrolliere.[8] Der Grüne Europa-Abgeordnete Daniel Freund sieht ebenfalls Grund zur Sorge, da Orbán bereits in der Vergangenheit Medien erworben und danach politisch beeinflusst habe.[8] euronews weist diese Kritik zurück und betont die Befürchtungen jedweden Einflusses auf die redaktionelle Unabhängigkeit seien "unbegründet"[8].[51] Orbán selbst bestätigte, er kenne Mário David aus der Arbeit in der EPP-Fraktion im EU-Parlament und sie seien beide in der Führung der Zentristischen Demokratischen Internationalen, das sei jedoch "alles, und nichts weiter".[8]

Sprachversionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Euronews radio[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Logo von euronews radio

euronews Radio war ab 2012 ein paneuropäischer 24-Stunden-Nachrichtenradiosender. Es gab halbstündlich Nachrichtensendungen sowie Sport, Wetter und Nachrichten aus dem Wirtschafts-, Kultur- und Filmbereich. euronews radio war in sechs Sprachen verfügbar: Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch und Russisch.[52] Der letzte Podcast trägt das Datum 13. Juli 2021; lediglich beim albanischen Franchise gibt es weiterhin einen Podcast.[53]

Verbote[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit dem 12. April 2021 verbietet das Informationsministerium der Republik Belarus die Ausstrahlung von euronews in Belarus.[54]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Euronews – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. NBC verkauft seine Anteile an Euronews. DWDL.de. Abgerufen am 20. April 2020.
  2. Euronews Live. In: de.euronews.com. Abgerufen am 28. März 2019.
  3. Wer macht Euronews auf Deutsch? Die Gesichter hinter den Nachrichten. In: de.euronews.com. Abgerufen am 28. März 2019.
  4. Euronews am Abend | Die Nachrichten vom 15. Januar 2020. In: de.euronews.com. Abgerufen am 19. Februar 2020.
  5. Uwe Mantel: „Glokale News“: Neues Konzept für Euronews. In: DWDL.de, 10. Mai 2017.
  6. Euronews: About us
  7. a b c Samuel Stolton: Portuguese investor will buy Euronews. In: Politico. 17. Dezember 2021, abgerufen am 24. Dezember 2021 (amerikanisches Englisch).
  8. a b c d e f g Samuel Stolton, Lili Bayer: Euronews defends independence after buyout by Hungary-linked firm. In: Politico. 21. Dezember 2021, abgerufen am 24. Dezember 2021 (amerikanisches Englisch).
  9. Europäischer Rechnungshof: EU-Unterstützung für Euronews – Wie gestaltet die Kommission die Überwachung? (Mai 2019), S. 12
  10. a b c Kathrin Müller-Lancé: Euronews: Wie es um den europäischen Sender steht. In: Süddeutsche Zeitung. 15. März 2021, abgerufen am 24. Dezember 2021.
  11. Stratégies: Euronews change de look (1998)
  12. Chronik der ARD: ARD beginnt einwöchiges mehrsprachiges Fernsehtestprogramm über Satellit (22. November 1982)
  13. Chronik der ARD: Europa TV nimmt Sendebetrieb auf (5. Oktober 1985)
  14. YouTube: Last transmission EUROPA-TV (29 november 1986)
  15. Saskia Cluistra: The forgotten channel: Europa TV (2018)
  16. Razvan Sibii: EuroNews, in: Encyclopedia of journalism (2009), Bd. 2 S. 552
  17. Susanne Vollberg: Kultur im europäischen Fernsehen (1998), S. 47
  18. 387 858 046 R.C.S. Lyon
  19. 388 234 650 R.C.S. Lyon
  20. Un român în Babilon. „La Euronews vorbim 35 de limbi, dar decizia e românească“. In: revistasinteza.ro. Abgerufen am 23. November 2019.
  21. euronews gagne 1 million de téléspectateurs. Abgerufen am 23. November 2019.
  22. Changement à la tête d'Euronews. (Nicht mehr online verfügbar.) 22. Dezember 2011, archiviert vom Original am 17. August 2016; abgerufen am 28. März 2019.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.lefigaro.fr
  23. Euronews to add Greek to its services | Kathimerini. Abgerufen am 28. März 2019 (englisch).
  24. l'Espace Datapresse – Euronews to launch its 24/7 Hungarian Service based in Budapest in April 13. Abgerufen am 28. März 2019.
  25. Uwe Mantel: Euronews mit neuem Design und B2B-Angeboten. DWDL.de, 8. Oktober 2013, abgerufen am 13. Oktober 2013.
  26. Luxembourg Business Registers: RCS B197150
  27. Broadband TV News: Sawaris Family gains control of Euronews (9. Juli 2015)
  28. Kiew entzieht Euronews die Lizenz. derStandard.at, 19. März 2015, abgerufen am 20. März 2015.
  29. Lyngsat EuroNews Ukraina. (Nicht mehr online verfügbar.) Lyngsat.com, 6. Januar 2016, archiviert vom Original am 6. Januar 2016; abgerufen am 6. Januar 2016.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.lyngsat.com
  30. Le départ d’Euronews a laissé un petit vide dans les commerces. Abgerufen am 29. März 2019.
  31. Africanews launches to 7 million homes across Africa. In: euronews.com. Abgerufen am 29. März 2019.
  32. DWDL.de: Nachrichtensender wird renoviert – euronews führt neues On-Air-Design und Logo ein
  33. http://de.euronews.com/2017/07/25/euronews-tv-verfuegbarkeit
  34. Euronews ferme son service ukrainien. 21. Mai 2017, abgerufen am 28. März 2019.
  35. Euronews joue la franchise. 12. September 2019, abgerufen am 22. November 2019 (französisch).
  36. a b Vincent Coquaz, Robin Andraca: Euronews : la chaîne européenne devenue vitrine de Dubaï. In: Libération. 29. November 2020, abgerufen am 24. Dezember 2021 (französisch).
  37. Euronews commence à tirer les premiers fruits de sa révolution éditoriale. 15. November 2018, abgerufen am 28. März 2019 (französisch).
  38. La Libre.be: Françoise Champey, nouvelle directrice des rédactions d'Euronews: „Je suis une adepte de Bourdieu“. 13. Mai 2018, abgerufen am 23. November 2019 (französisch).
  39. Euronews Albania: Euronews Albania Launching. 2. November 2018, abgerufen am 28. März 2019.
  40. Auf Sendung: euronews Albanien. In: de.euronews.com. 21. November 2019, abgerufen am 22. November 2019.
  41. Euronews and HD-WIN announce launch of Euronews Serbia. In: euronews.com. Abgerufen am 4. August 2019.
  42. Euronews enters Georgia, signs deal with local Silknet. Abgerufen am 4. August 2019.
  43. Euronews sendet jetzt auch in Georgien, auf Georgisch. 16. September 2020, abgerufen am 18. September 2020.
  44. Euronews navigue à vue sur ses finances – 21/09/2020. 21. September 2020, abgerufen am 11. November 2020 (französisch).
  45. DWDL.de: Rückschlag – Nach drei Jahren: NBC verkauft seine Anteile an Euronews
  46. Euronews Rumänien: Unabhängige und neutrale Nachrichten für Europa. 6. Januar 2021, abgerufen am 6. Januar 2021.
  47. Euronews: Streik bei europäischem Fernsehsender. In: Süddeutsche Zeitung. 9. Februar 2021, abgerufen am 24. Dezember 2021.
  48. Susana Frexes, Vítor Matos: O português ao lado de Viktor Orbán acusa PPE de “hipocrisia”. In: Expresso. 24. September 2018, abgerufen am 24. Dezember 2021 (europäisches Portugiesisch).
  49. Prime Minister Viktor Orbán presents state decoration to Portuguese politician – miniszterelnok.hu. Abgerufen am 24. Dezember 2021.
  50. New Euronews Owner, Alpac Capital, Linked To Hungarian PM's Adviser. In: Radio Free Europe/Radio Liberty. 21. Dezember 2021, abgerufen am 24. Dezember 2021 (englisch).
  51. a b Molly Killeen: Personal and professional links between Orbán and new Euronews owner. In: Euractiv. 22. Dezember 2021, abgerufen am 24. Dezember 2021 (britisches Englisch).
  52. Hörbeispiele im Internet Archive: DE, EN, FR, IT, ES, RU
  53. Euronews Albania: Radio Bulletin
  54. Мінінфарм забараніў тэлеканал «Еўраньюс». Замест яго запускаюць расійскую «Победу» (be) Nascha Niwa. 12. April 2021. Archiviert vom Original am 12. April 2021. Abgerufen am 12. April 2021.