Eurac Research

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Eurac Research
Eurac Research logo.svg
Rechtsform Verein
Gründung 1992
Sitz Bozen
Repräsentanzbüros: Rom, Wien, Brüssel
Personen Roland Psenner (Präsident)
Stephan Ortner (Direktor)
Schwerpunkt Lebenswerte Regionen, Vielfalt als Mehrwert, Gesunde Gesellschaft
Methode Angewandte Forschung
Budget 33,013,727 Euro (2016)
(59 % Grundfinanzierung durch die Autonome Provinz Bozen-Südtirol, 41 % Drittmittel)[1]
Angestellte 391[2]
Website www.eurac.edu

Eurac Research ist ein privates Zentrum für angewandte Forschung mit Sitz in Bozen (Südtirol, Italien).

Das im Jahr 1992 begründete Forschungszentrum Eurac Research zählt derzeit elf Forschungsinstitute. Die Studien von Eurac Research fokussieren auf das mehrsprachige Berggebiet.[3] Dazu gehören etwa Untersuchungen über die klimatischen Veränderungen in einigen Südtiroler Tälern, zur Mobilität im Alpenraum, zu Energieeinsparung in Berggebieten und zum Autonomiestatut der Autonomen Provinz Bozen – Südtirol, das das Zusammenleben der drei Sprachgruppen (Deutsche, Italiener und Ladiner) in Südtirol regelt.[4] Die Forscher von Eurac Research arbeiten im Rahmen internationaler Organisationen wie der Alpen- und der Karpatenkonvention, dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen und der Organisation der Vereinten Nationen für industrielle Entwicklung.

Am Hauptsitz von Eurac Research befindet sich auch das Ständige Sekretariat der Alpenkonvention, das vordringlich mit technisch-operativen Aufgabenbereichen befasst ist.[5]

Institute[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    • Institut für Minderheitenrecht
    • Institut für Public Management
    • Institut für Angewandte Sprachforschung
    • Institut für Vergleichende Föderalismusforschung
    • Institut für Biomedizin
    • Institut für Alpine Notfallmedizin
    • Institut für Mumienforschung
    • Institut für Alpine Umwelt
    • Institut für Erdbeobachtung
    • Institut für Regionalentwicklung
    • Institut für Erneuerbare Energie

Den unterschiedlichen Forschungssäulen liegt ein gemeinsamer Nenner zu Grunde: Forscher verschiedenster wissenschaftlicher wie auch geographischer Herkunft arbeiten flexibel und interdisziplinär zusammen, um Grundlagenforschung auf wirksame und nachhaltige Weise zu ermöglichen. So entwickeln Sprachwissenschaftler und Informatiker Online-Lernprogramme für den Spracherwerb, Rechts- und EU-Experten untersuchen und erarbeiten rechtliche Instrumente zum Minderheitenschutz in der EU, Ökologen und Ökonomen entwerfen Zukunftsszenarien für die Entwicklung des alpinen Raums. Mediziner analysieren Genmaterial der Südtiroler Bevölkerung und Historiker erforschen deren Genealogie, um den Ursachen genetisch bedingter Krankheiten auf die Spur zu kommen.

Forschungsinfrastrukturen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eurac Research verfügt über mehrere Laboratorien, die über die ganze Stadt verstreut liegen. Das Labor für antike DNA des Instituts für Mumienforschung analysiert Gene und antike Krankheitserreger, die aus Mumien stammen, unter anderem vom Mann vom Tisenjoch (Ötzi). Im Labor für Biomedizin wird an Biomedizin und Epidemiologie geforscht. Herzstück des Labors ist ein DNA-Sequenzierer der neuesten Generation. In den Labors des Instituts für Erneuerbare Energie werden Photovoltaikmodule in einer Klimakammer getestet, außerdem thermische Solaranlagen. Die Tests erfolgen im Rahmen von Forschungsprojekten oder im Auftrag von Unternehmen, die ihre Produkte testen lassen.[6] Die Satellitenempfangsstation auf dem Rittner Horn des Instituts für Erdbeobachtung liegt auf 2.360 Meter Meereshöhe, steht in Kontakt mit drei Nasa-Satelliten (Terra, Acqua und Suomi NPP) und dient der Beobachtung von Oberflächenphänomenen.[7]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eurac Research wurde 1992 als privatrechtlicher Verein gegründet und zählte anfangs zwölf Mitarbeiter in den Forschungsbereichen Sprache und Recht, Minderheiten und Autonomien sowie Alpine Umwelt. Erstes großes Projekt war eine Machbarkeitsstudie zur Errichtung einer Universität in Bozen (1993), die 1997 gegründet wurde. Im Laufe der Jahre kamen weitere Forschungsgebiete dazu (unter anderem Management und Unternehmenskultur, Genetische Medizin und Erneuerbare Energien), so etwa das Institut für Biomedizin und das Institut für Alpine Notfallmedizin.[8]

Gebäude[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit Herbst 2002 befindet sich der Hauptsitz von Eurac Research im früheren „ex-GIL“-Gebäude, nahe der Bozner Altstadt am Zusammenfluss von Eisack und Talfer gelegen. Der Komplex wurde in den 1930er Jahren als Sitz für die weibliche faschistische Jugend (GIL, Gioventù Italiana del Littorio) erbaut. Nach dem Sturz Mussolinis und dem Kriegsende wurde der ehemalige Paradebaus der faschistischen Italianisierungspolitik in Südtirol vielfältig genutzt. Unter anderem waren ein Kino, ein Supermarkt und eine Autowerkstatt hier untergebracht. Das Gebäude verfiel zusehends. Anfang der 1990er Jahre wurde beschlossen, das Gebäude zu renovieren und dort den Sitz des damals neu gegründeten Forschungsinstitutes zu errichten. 1995 wurde ein internationaler Architekturwettbewerb für den Umbau des Ensembles ausgeschrieben, den der Grazer Architekt Klaus Kada gewann. Sein Projekt sah die Bestandserhaltung und die bauliche Ergänzung mit einem transparenten Glasbau vor. Die Fassade trägt seit dem Umbau wieder das charakteristische pompeijanische Rot, die Farbe des ersten Baus. Das Gebäude nutzt erneuerbare Energien und verfügt über eine Absorbtionskältemaschine für die Kühlung im Sommer.[8][9]

Der ehemalige Kinosaal (Konferenzraum) und die neu errichteten Seminarräume werden für interne Veranstaltungen genutzt, können aber auch gemietet werden.

Lokalbezug und internationale Ausrichtung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eurac Research betreut neben internationaler und überregionaler Auftragsforschung, in die Wissenschaftler aus ganz Europa eingebunden sind, auch zahlreiche Projekte mit Lokalbezug: In der Grenzregion Südtirol überlagern sich der deutsche, italienische und ladinische Kulturraum. Diese Vielfalt stellt die Wissenschaftler vor die einmalige Herausforderung, Projekte von lokalem Interesse modellhaft auch für die Gestaltung europäischer Regionen zu entwerfen. So dienen etwa die Studien zur Autonomie Südtirols als wichtige Grundlage für die Entwicklung ähnlicher Autonomiemodelle etwa für Zypern, den Kosovo oder Tibet. Die Forschungsergebnisse im Bereich der Alpinen Umwelt fließen kontinuierlich in die Alpenkonvention ein.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Stephanie Risse-Lobis: Eurac – ein Haus für die Europäische Akademie Bozen. Architektur – Geschichte – Wissenschaft. Wien/Bozen: Folio Verlag, 2003. ISBN 3-85256-231-7.
  • Eurac: Tower to the People – Wissen schaf(f)t Kunst. Wien/Bozen: Folio Verlag, 2010. ISBN 978-88-6299-025-7.
  • Eurac: Activity Report 2012/13. Druck Esperia Trient, 2013.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Europäische Akademie Bozen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Eurac: Activity Report 2016/17. 2017.
  2. Eurac: Activity Report 2016/17. 2017.
  3. Stephanie Risse-Lobis: Eurac – ein Haus für die Europäische Akademie Bozen. Wien-Bozen 2003, S. 74.
  4. Eurac Research: Activity Report 2016/17. 2017
  5. Ständiges Sekretariat. Website der Alpenkonvention. Abgerufen am 17. Dezember 2013.
  6. ff – Südtiroler Wochenmagazin: In der Klimakammer. Nr. 37 / 2012, 13. September 2012, S. 56–58.
  7. Empfangsstation. Webseite von Eurac Research. Abgerufen am 20. Dezember 2013.
  8. a b Stephanie Risse-Lobis: Eurac – ein Haus für die Europäische Akademie Bozen. 2003.
  9. Michela Toni: Südtirol Architektur – Die Eigenheiten eines Gebietes am Beispiel von Gebäuden mit KlimaHaus-Standard. EdicomEdizioni, Monfalcone 2013, S. 226–229.

Koordinaten: 46° 29′ 39,5″ N, 11° 20′ 49,8″ O