Europäischer Meersenf

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Europäischer Meersenf
Europäischer Meersenf (Cakile maritima),Habitus im Habitat

Europäischer Meersenf (Cakile maritima),
Habitus im Habitat

Systematik
Eurosiden II
Ordnung: Kreuzblütlerartige (Brassicales)
Familie: Kreuzblütler (Brassicaceae)
Tribus: Brassiceae
Gattung: Meersenf (Cakile)
Art: Europäischer Meersenf
Wissenschaftlicher Name
Cakile maritima
Scop.

Der Europäische Meersenf (Cakile maritima) oder Strandrauke ist eine Pflanzenart aus der Gattung Meersenf (Cakile) innerhalb der Familie der Kreuzblütengewächse (Brassicaceae). Sie ist ursprünglich hauptsächlich an den Stränden der Nord- und Ostsee sowie des Mittelmeeres und Schwarzen Meeres sowie Makaronesiens verbreitet. Als fakultativer Halophyt ist sie eine salzverträgliche Pflanze.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Illustration aus Flora Batava, Volume 2
Blüten-/Fruchtstände mit Blüten und Gliederschoten
Vierzählige Blüten vom Europäischen Meersenf

Vegetative Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Europäische Meersenf ist eine einjährige krautige Pflanze. Er wächst als eine kahle, dickliche und reich verzweigte Strandpflanze, die meist Wuchshöhen von etwa 30 Zentimeter erreicht. Der Stängel kann aufsteigend oder auch niederliegend sein.

Die hell- bis blaugrünen, leicht glänzenden Laubblätter sind wechselständig am Stängel angeordnet. Die Laubblätter sind 3 bis 6 Zentimeter lang, sind dicklich fleischig und im oberen Stängelbereich mit ungeteilter, im unteren Stängelabschnitt mit doppelt fiederspaltiger Blattspreite.[1]

Generative Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Blütezeit erstreckt sich von Juli bis September.[1] Der kopfige, traubige Blütenstand ist oben abgeflacht und besitzt keine Tragblätter.

Die Blüten verströmen einen angenehmen Duft.[1] Die zwittrigen Blüten sind vierzählig und etwa 1 Zentimeter breit. Die vier Kelchblätter sind lanzettlich. Die vier violetten bis rosafarbenen Kronblätter sind lang benagelt. Die Kelchblätter umschließen die Kronblätter so fest, dass eine enge, 4 bis 5 Millimeter lange Kronröhre entsteht. Die sechs gelben Staubblätter ragen aus der Kronröhre heraus.[2] Der oberständige, schlanke, einfächrige Fruchtknoten geht in einen Griffel mit kleiner Narbe über[3].

Der Fruchtstiel kurz und dick. Die zweigliedrige Gliederschote weist eine Länge von etwa 2 Zentimetern und ist mit einem Durchmesser von etwa 5 Zentimetern relativ dick. Das obere Schotenglied ist zusammengedrückt und leicht abbrechend. Der untere, an der Pflanze verbleibende Teil wird wegen seiner Form „Dolchgriff“ genannt, der obere Teil „Dolch“. Beide Teilfrüchte umschließen jeweils einen Samen.[1]

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 18.[4]

Ökologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Europäische Meersenf zählt zu den sommerannuellen Kriechtherophyten.[2] Die Neigung zur Sukkulenz ist ein typisches Blattmerkmal vieler Halophyten der Küste.[2]

Durch karpotropische Bewegungen steht die Schote nach der Blüte horizontal ab.

Blütenökologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blütenökologisch handelt es sich um „Nektar führende Stieltellerblumen mit herausregenden Staubbeuteln“. Die Bestäubung erfolgt durch langrüsselige Insekten, besonders durch Falter und Pollenfresser wie Schwebfliegen.

Früchte und samen

Ausbreitungsökologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Fruchtwand ist bei der Reife hart und lufthaltig. Der obere Teil der Frucht wird durch starke Winde abgerissen und ein Stück vom Wind mitgenommen, bleibt aber meist in der Nähe liegen, was auch als Ausbreitungshemmung gedeutet wird. Herbststürme reißen häufig die ganze, dürr gewordene Pflanze heraus und treiben sie als Steppenroller über den Boden. Diese verfangen sich oft in angeschwemmten Seegraspolstern und werden bei Hochwasser mit dem Seegras über weite Strecken transportiert; sie dienen also der Fernausbreitung. Die Schwimmdauer beträgt 1 bis 4 Monate. Fruchtreife ist im September.

Synökologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Europäische Meersenf ist Futter- und Nektarpflanze für die nachtaktive Strand-Erdeule (Agrotis ripae), die nach der Roten Liste der gefährdeten Großschmetterlinge als stark gefährdet eingestuft wird und an der Nordseeküste ausschließlich in Spülsaumgesellschaften als belegt gilt.[5] Auch die Raupen des Großen Kohlweißlings (Pieris brassicae) schätzen den Europäischen Meersenf als Futterpflanze.[6]

Vorkommen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vordünenlandschaft auf Amrum

Der Europäische Meersenf kommt ursprünglich in Makaronesien auf Madeira und auf den Kanarischen Inseln, sowie in Nordafrika in Algerien, Marokko, Tunesien, Libyen und Ägypten, sowie in Kleinasien in gesamten Region Palästina, Syrien, Iran und der Türkei, sowie im Kaukasus in Georgien und Kaukasusvorland, sowie in Europa in Dänemark, Norwegen, Finnland, Island, im Vereinigten Königreich, Belgien, Niederlande, Deutschland, Polen, im europäischen Teil Russlands, Ukraine, Albanien, Bulgarien, im früheren Jugoslawien, Rumänien, Griechenland, Italien, Frankreich, Spanien und Portugal vor. In vielen Teilen der Welt ist der Europäische Meersenf eine invasive Pflanze, beispielsweise in Nordamerika und Australien.[7] In Deutschland besitzt er zerstreute Bestände an den Küsten Niedersachsens, Mecklenburg-Vorpommerns und Schleswig-Holsteins. Als unbeständiger Neophyt kommt er selten im Binnenland vor.[8]

Der Europäische Meersenf ist vor allem an salzhaltigen Stellen zu finden, insbesondere an den Küsten und den vorgelagerten Inseln. Er wächst hier gerne im Strand- und Vordünenbereich. Vor allem an stickstoffreichen Spülsäumen ist er als häufige Pionierpflanze vertreten.[2] Im Binnenland kommt er nur selten an salzigen Stellen vor.

Siehe auch: Strandpflanzen

Systematik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Erstveröffentlichung von Cakile maritima erfolgte 1772 von Giovanni Antonio Scopoli, auch als Johann Anton Scopoli bekannt. Synonyme für Cakile maritima Scop. sind Bunias cakile L. und Cakile pinnatifida Stokes.[9]

Im europäischen Raum werden manchmal vier oder fünf Unterarten erwähnt, die sich teilweise anhand der Früchte unterscheiden:[6][10]

Keimpflanze von Cakile maritima subsp. baltica
  • Cakile maritima subsp. maritima (Syn.: Cakile maritima subsp. integrifolia (Hornem.) Hyl. ex Greuter & Burdet) – hauptsächlich an der Nordsee- und Mittelmeerküste vorkommend, das untere Fruchtglied hat nur sehr kurze Anhängsel.
  • Cakile maritima subsp. baltica (Jord. ex Rouy & Foucaud) Hyl. ex P.W.Ball (Syn.: Cakile baltica Jord. ex Pobed.) – fast nur an der Ostseeküste wachsend, das untere Fruchtglied besitzt zurückgebogene Anhängsel
  • Cakile maritima subsp. aegyptiaca (Willd.) Nyman (Syn.: Cakile aegyptiaca Willd.) – hauptsächlich im Mittelmeerraum anzutreffen.
  • Cakile maritima subsp. islandica (Gand.) Hyl. ex Elven - hauptsächlich in Nordskandinavien, den Färöer-Inseln, Island und Grönland vorkommend
  • Cakile maritima subsp. euxina (Pobed.) Nyár. (Syn.: Cakile euxina Pobed.) – Heimat im Bereich des Schwarzen Meers.

Trivialnamen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für den Europäischen Meersenf bestehen bzw bestanden, zum Teil auch nur regional, auch die weiteren deutschsprachigen Trivialnamen: Meersenf (Pommern), Queller (Wangerooge) und Quennel (Wangerooge).[11]

Verwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blätter, Stängel und Blütenknospen können roh oder gekocht verzehrt werden. Sie sind reich an Vitamin C, jedoch von bitterem Geschmack. Sie werden hauptsächlich als Gewürz verwendet. Sehr junge Blätter können Salaten beigefügt werden. Getrocknete und zu Pulver gemahlene Wurzeln können mit Mehl vermischt zum Brotbacken verwendet werden. Die Samen enthalten ein fettreiches Öl.[12]

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Steinbachs großer Pflanzenführer. Ulmer-Verlag, 2005 / 2011, ISBN 978-3-8001-7567-3, Seite 84
  2. a b c d Düll, Düll: Taschenlexikon der Mittelmeerflora. Quelle & Meyer Verlag, 2007, ISBN 978-3-494-01426-5, Seite 76f
  3. Angelika Lüttig, Juliane Kasten: Hagebutte & Co - Blüten, Früchte und Ausbreitung europäischer Pflanzen, Fauna Verlag 2003, ISBN 3-935980-90-6, Seite 262 f.
  4. Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. 8. Auflage. Seite 442. Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart 2001, ISBN 3-8001-3131-5.
  5. Nabu-Projekt: Schmetterlinge der Küste in Zusammenarbeit mit der Nationalparkverwaltung Niedersächsisches Wattenmeer.
  6. a b Cakile maritima Scop., Europäischer Meersenf. In: FloraWeb.de.
  7. Cakile maritima im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland.
  8. Eckehart J. Jäger, Klaus Werner (Hrsg.): Exkursionsflora von Deutschland. Begründet von Werner Rothmaler. 18., bearbeitete Auflage. Band 2. Gefäßpflanzen: Grundband, Spektrum, Heidelberg u. a. 2002, ISBN 3-8274-1359-1, S. 230
  9. Cakile maritima bei Tropicos.org. Missouri Botanical Garden, St. Louis
  10. bei Flora Europaea online.
  11. Georg August Pritzel, Carl Jessen: Die deutschen Volksnamen der Pflanzen. Neuer Beitrag zum deutschen Sprachschatze. Philipp Cohen, Hannover 1882, Seite 71, online.
  12. Cakile maritima bei Plants For A Future

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Europäischer Meersenf (Cakile maritima) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
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