Europaviertel (Frankfurt am Main)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Europaviertel (Frankfurt))
Wechseln zu: Navigation, Suche
Europa-Allee von der Emser Brücke in Richtung Innenstadt (Juni 2013)
Teilansicht Europagarten in Richtung Europaviertel Ost. Links die Sohle des künftigen Straßentunnels unter dem Europagarten (Juni 2011)
Städtebauliches Modell Europaviertel Ost (November 2001)
Die Rohbauten des Skyline Plaza und des Kongresszentrums (links), dahinter Grundstück für ein Hochhaus (Mai 2013)
Baugelände (etwa am Zelt) für das Skyline Plaza (Juli 2007)
Europa-Allee & Messeturm

Das Europaviertel in Frankfurt am Main ist ein neues innenstadtnahes Stadtviertel, das auf dem Gelände des ehemaligen Hauptgüterbahnhofs im Stadtteil Gallus gebaut wird. 2005 wurde mit Erschließungsarbeiten der Konversionsfläche begonnen, 2006 wurde der erste Hochbau eröffnet und bis 2019Vorlage:Zukunft/In 5 Jahren soll das gesamte städtebauliche Projekt mit Büros, Hotels, Wohnungen, sozialer Infrastruktur, Parks sowie Einkaufs- und Freizeitmöglichkeiten abgeschlossen sein. Nach Fertigstellung sollen im gesamten Europaviertel rund 30.000 Menschen arbeiten und 8.000-10.000 Menschen wohnen.[1]

Größe und Lage[Bearbeiten]

Das freigemachte Areal hat eine Größe von fast 90 Hektar. Das Gebiet wird – ausgehend von den zwei Grundstückseigentümern – in Europaviertel West und Europaviertel Ost unterteilt; die optisch gut erkennbare Grenze bildet die hochgelegene Bahnstrecke mit der Emser Brücke. Im westlichen Teil gehören der Aurelis Asset GmbH 66,7 Hektar und im östlichen Teil gehören 18 Hektar der Vivico Real Estate GmbH (seit Juni 2011: CA Immo). Das Quartier umfasst heute einschließlich weiterer Randflächen insgesamt 145 Hektar. Das Gebiet erstreckt sich vom Wohngebiet am Rebstockgelände im Nordwesten entlang des Messegeländes bis zum Güterplatz im Südosten. Im Süden wird das Areal durch die Hellerhofsiedlung begrenzt.

Geschichte[Bearbeiten]

1996 entschied die Deutsche Bahn, den Hauptgüterbahnhof, den größten Güterbahnhof der Stadt Frankfurt, mangels Auslastung stillzulegen und die verbliebenen Güteraktivitäten zum Ostbahnhof zu verlagern. 1998 wurde der Betrieb auf dem Hauptgüterbahnhof eingestellt. 1999 erstellte das Frankfurter Planungsbüro Albert Speer & Partner (AS&P) im Auftrag der Deutschen Bahn einen Rahmenplan für die zukünftige Entwicklung des Areals. Das Nutzungskonzept sah für die brachgefallenen Bahnflächen Anteile von jeweils 25 Prozent für Wohngebiete, Grünflächen, Messeerweiterung und Mischgebiete vor. Eine konkurrierende Planung, die der Architekt Helmut Jahn im Auftrag der Deutschen Bank unter dem Titel Messestadt konzipierte, wurde nicht weiter verfolgt, da die Deutsche Bahn das Kerngelände nicht verkaufen wollte. Zunächst erwarb die benachbarte Messe Frankfurt 31.000 m² Fläche, um ihr Gelände nach Süden ausdehnen zu können. Auf der Erweiterungsfläche entstand u. a. von 2000 bis 2001 die Messehalle 3 und das neue Tor Ost.

Auf dem Baufeld südlich des Kap Europa (Europallee Ecke Osloar Straße) wird einer der höchsten Wohntürme Deutschlands entstehen: ca. 160 Meter hoch u.a. mit Eigentumswohnungen auch für Normalverdiener. Der begrenzte Architektenwettbewerb für einen Turm mit stark modellierter Fassade wurde im Mai 2014 entschieden, Baubeginn könnte bis 2015 erfolgen.

Europaviertel Ost – Zukunft[Bearbeiten]

  • Bereits 2008 schlossen Vivico und der Hotelbetreiber Hyatt einen Betreibervertrag für ein 5-Sterne-Hotel der Marke Grand Hyatt als Bestandteil des Großprojekts Skyline Plaza; im Frühjahr 2013 wurde bekannt, dass die Hyatt-Gruppe das Projekt aufgegeben hat.
  • Baurecht besteht für zwei weitere Hochhäuser: Den bis zu 369 Meter hohen Millennium Tower sowie den 210 Meter hohen Tower 1.

Europaviertel West – Bautätigkeiten Aurelis[Bearbeiten]

Der westlich der Emser Brücke gelegene 66,7 Hektar große Teil des Entwicklungsgebietes wurde bis Mitte 2010 durch Aurelis von alten Gleisanlagen geräumt, von Belastungen entsorgt und erschlossen. Dabei wurden in 18 monatiger Arbeit rund 300.000 Kubikmeter Material bewegt und neu eingebaut. Bereits im September 2008 begann die Aurelis mit der Vermarktung ihres Geländes im Europaviertel West. Es sollen nordwestlich zwei aufgelockerte reine Wohnquartiere entstehen. Zum einen die „Helenenhöfe“ und zum anderen das „Parkend“, wo 18 hochwertige Objekte nach bekannten europäischen Parkanlagen benannt werden. Die Helenenhöfe werden zu einem Großteil dem öffentlich geförderten Wohnungsbau angehören; insgesamt soll das Europaviertel einen Anteil von 30 Prozent von geförderten Wohnungen bieten. Zudem sollen in mittlerer Lage (direkt an der Europaallee) zwei gemischt genutzte Quartiere, „Boulevard Mitte“ und „Boulevard West“ entstehen, die mit Büros, Gastronomie und sozialen Einrichtungen die gesamte Vielfalt eines urbanen Stadtteils abbilden werden. Der Boulevard West wird auch die Wiederbelebung eines länger verachteten Haustyps erleben: mit dem Westside Tower (66 Meter hoch) bekommt Frankfurt wieder ein reines Wohnhochhaus. Für die im Gesamtbereich erwarteten 4-5000 Bewohner sind drei Kindertagesstätten und eine Grundschule, ein Supermarkt, Geschäfte der Nahversorgung, Gastronomie und ein zentraler Stadtplatz eingeplant. Der Boulevard Mitte wird den Schwerpunkt der Büro- und Dienstleistungsbauten bilden, seine Eingänge werden jeweils durch zwei Hochhäuser als Torbauten markiert.

Mittelpunkt und verbindendes Element dieser Quartiere wird die 6 Hektar große Parkanlage „Europagarten“ mit repräsentativem Brunnen, unter der hindurch die ansonsten 60 Meter breit und boulevardartig angelegte Europa-Allee in einem ca. 500 Meter langen Tunnel geführt werden soll. Ende September 2010 wurden 4 Spitzahornbäume als symbolischer Baubeginn des Europagartens gepflanzt. Ein erster Abschnitt des Europagartens ist seit Januar 2011 fertig, auch mit der Absicht, potentiellen Grundstückserwerbern eine optische Vorstellung des künftigen Erscheinungsbildes der Fläche zu geben. Das vormals völlig flache Gleisfeld wurde zum Teil leicht hügelig modelliert, es soll mit einem Drittel eingeplanter Grünflächen einen naturnah gestalteten Stadtraum bilden. Nach dem derzeitigen Planungsstand soll sich das Europaviertel West ruhig und harmonisch entwickeln, Zielpunkt der Bebauung etwa 2020.

Der Europagarten erhielt im Frühjahr 2013 eine durchgehende Grünverbindung mit dem Neuen Rebstockpark von einem kleinen „nördlichen Taschenpark“, verbunden mit einer Fußgängerbrücke über die tieferliegende „Straße der Nationen“ und dem neuen dreieckigen „Zeppelinpark“. Als Verbindung zur Altbebauung an der Idsteiner Straße im Südosten entsteht später der „südliche Taschenpark“. Diese mit Aufenthalts- und Spielflächen angelegten kleineren Grünanlagen erhöhen den Wert der derzeit entstehenden angrenzenden Wohnbebauung. Etwa 40 Prozent der reinen Wohnbauten können so mit dem Prädikat „direkt am Park“ werben. Die bisher angebotenen Eigentumswohnungen sind oft ab Plan, spätestens mit Baubeginn schon weitgehend verkauft.

Verkehrsanbindung[Bearbeiten]

Durch das östliche Europaviertel verlaufen die S-Bahn-Linien S3 bis S6 mit den angrenzenden Bahnhöfen Galluswarte und Messe. Der östliche Teil des Europaviertel ist außerdem mit der U-Bahn-Linie U4 (Station Festhalle/Messe) zu erreichen. Hier halten auch die Straßenbahnen der Linien 16 und 17, die Busse der Linien 32 und 50 sowie die Nachtbuslinie n83. Etwas weiter südlich verkehren die Linien 11 und 21 der Straßenbahn Frankfurt am Main über die Station Güterplatz. Seit dem Fahrplanwechsel 2009/2010 am 13. Dezember 2009 verkehrt die Museumsuferlinie (Bus 46) vom Hauptbahnhof weiter zur neuen Endhaltestelle Dubliner Straße im östlichen Europaviertel. Ebenfalls bedient werden die Haltestellen Güterplatz und Den Haager Straße.

Nach ursprünglicher Beschlusslage war vorgesehen, mittelfristig das gesamte Europaviertel über eine (zumindest bis Ende Europagarten) unterirdisch geführte Verlängerung der U-Bahn-Linie U5 zum Messeparkhaus mehr zentral und leistungsfähig zu erschließen. Die bisher geplante Trasse zweigt nach der Station Hauptbahnhof auf Höhe der Mainzer Landstraße von der B-Strecke ab, verläuft durch die derzeitige Wendeanlage und erreicht dann an der Station Güterplatz das südöstliche Europaviertel. Diese für einen Kostenaufwand von 271 Millionen Euro (Stand Februar 2014) veranschlagte Strecke folgt danach dem Verlauf der zentralen Europa-Allee und hat weitere relativ dicht liegende oberirdische Stationen unter der Emser Brücke, am Europagarten (östlich) und westlich des Europagartens Wohnpark. Mit dieser Streckenführung soll auch der dicht besiedelte nördliche Teil des Gallusviertels erreichbar werden. Die Investorengruppen hatten angemahnt, die U-Bahn keinesfalls – wie von der Stadt aus Kostengründen bereits ins Gespräch gebracht – gänzlich oberirdisch anzulegen, da eine schienenbedingte Zerschneidung der Hauptachse Europaallee den Charakter des gesamten Quartiers abwerten würde. Man bezog sich vor allem auf die negativen Erfahrungen mit der oberirdischen U-Bahnstrecke in der nördlichen Eschersheimer Landstraße, die seit 1968 ein gewachsenes Viertel trennt und zu häufigen Unfällen geführt hat.

Wegen der hohen Kosten der überwiegend unterirdischen Streckenführung haben sich das Land Hessen und der Bund Anfang 2012 geweigert, ihren Finanzierungsbeitrag zu leisten. Aus Kostengründen wird nunmehr abweichend von der bisherigen Planung eine etwa hälftige oberirdische Streckenführung erfolgen. Die neuen Planungen für 271 Millionen sehen als Kompromiss vor, die vertunnelte Strecke bereits vor der Station Emser Brücke wieder an die Oberfläche zu führen. Diese sowie die weiteren zwei Stationen würden oberirdisch und barrierefrei in der Mitte der Europa-Allee errichtet. Im Bereich des Europagartens verläuft die Bahnstrecke zusammen mit den Autospuren wieder ca. 600 Meter in einem dreizelligen Tunnel (einer Einhausung). Dies beschloss die Stadtverordnetenversammlung am 1. März 2012, der Magistrat schloss sich dieser Planung am 3. Mai 2013 an. Baubeginn ist nun nach baugrundbedingter Wahl des bergmännischen Tunnelbauverfahrens für Ende 2015 vorgesehen. Die Stadt Frankfurt strebt nach neuerlicher Umplanung die Fertigstellung der ca. 2,7 km langen U-Bahnstrecke bis 2020/21 an. Dieser um 1-2 Jahre verschobene Termin kann allerdings die Terminvorgaben (bis 2019) aus dem Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz nicht erfüllen. Im Februar 2014 sind erste vorbereitende Arbeiten zum Tunnelbau in der Europaallee begonnen worden.

Europaviertel vom Europagarten aus gesehen (Juli 2011)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Europaviertel (Frankfurt) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Modell für die moderne Stadt Frankfurt.de

50.1094444444448.6519444444444Koordinaten: 50° 7′ N, 8° 39′ O