Europe 1

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Europe 1
Europe1-logo.svg
Hörfunksender (Privatrechtlich)
Programmtyp Nachrichtensender
Empfang UKW und Livestream
Empfangsgebiet Frankreich
Sendestart 1. Apr. 1955
Sprache Französisch
Sitz Paris
Eigentümer Lagardère News
Geschäftsführer Arnaud Lagardère (2017–2018)

Laurent Guimier fr (2018–2019) Constance Banqué (2019-)

Liste von Hörfunksendern
Website
Historisches Logo
ehemaliges Gebäude der Sendeanlage in Überherrn

Europe 1 ist ein französischer Hörfunksender der Lagardère News. Das Programm wurde bis 31. Dezember 2019 über Langwelle auf der Frequenz 183 kHz vom nahe Überherrn gelegenen Sender Felsberg-Berus im Saarland verbreitet. Seitdem ist der Sender nur noch in Frankreich über UKW zu empfangen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Sender Europe 1 wurde während der französischen Verwaltung des Saarlandes gegründet, um ein Verbot kommerziellen Rundfunks in Frankreich zu umgehen. Träger war die Europäische Rundfunk- und Fernseh-GmbH. Die Aussendungen waren zunächst rechtlich nicht legitimiert und galt aus französischer Sicht als Piratensender, wurde jedoch unter deutscher Funkhoheit im Saarland 1957 weitergeführt. Ab 1959 beteiligte sich auch der französische Staat an der Rundfunkgesellschaft, die heute von der Lagardère-Gruppe mit einem Anteil von 100 % verwaltet wird.

Produziert wurden die Sendungen stets in Paris. Sie wurden über Rundfunkleitungen in das saarländische Felsberg übertragen. Zunächst standen zwei 200-kW-Langwellensender zur Verfügung. 1976 wurden zwei 1.000-kW-Sender installiert, die mit einer Gesamtleistung von 2.000 kW betrieben werden.

Im Juni 2021 gab es Auseinandersetzungen zwischen der Belegschaft und Plänen einer zunehmenden Fusion mit dem von Vincent Bolloré kontrollierten Fernsehsender CNEWS. Bolloré hatte zuvor auch Anteile an der Lagardère-Gruppe erworben. Die Belegschaft fürchtete, der Radiosender könnte ähnlich wie CNEWS eine konservative bis rechte politische Ausrichtung nach dem Vorbild von Fox News erhalten und seine Glaubwürdigkeit gefährden.[1][2]

Technische Details[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Hauptsendeantenne des Langwellensenders, die im Oktober 2020 gesprengt wurde, wies in Richtung Südwesten. In östliche Richtung wurde das Signal abgedämpft, sodass in Osteuropa nur ein sehr schwaches Signal empfangbar war. Gedämpft wurde nur die Trägerfrequenz, während die Seitenbänder nur eine recht geringe Dämpfung erfuhren, weshalb östlich vom Sender die Programme stark verzerrt sein konnten.

Die Sendefrequenz von 183 kHz lag außerhalb des bei der Langwelle üblichen 9-kHz-Rasters. Damit sollten gegenseitige Störungen mit dem Sender Zehlendorf/Oranienburg bei Berlin, der bis 31. Dezember 2014 das Programm von Deutschlandradio Kultur auf 177 kHz ausstrahlte, vermieden werden. Im Zuge des Genfer Wellenplans war beiden Sendern (damals wurde über den Oranienburger Sender der DDR-Rundfunk übertragen) dieselbe Frequenz zugewiesen, woraus massive gegenseitige Störungen resultierten. Um diese untragbare Situation zu lösen, wurden beide Sender mit einer Abweichung („Frequenz-Offset“) von 3 kHz gegen die Nominalfrequenz von 180 kHz betrieben.

Die Ausstrahlung auf Langwelle wurde am 31. Dezember 2019 aus wirtschaftlichen Gründen eingestellt; ein möglicher Frequenzwechsel auf 180 kHz wurde nicht mehr vorgenommen.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Europe 1 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Harrison Stetler: Billionaire Tycoons Are Turning French Radio Into a Copy of Fox News. In: Jacobin. Abgerufen am 28. Juni 2021 (amerikanisches Englisch).
  2. French radio journalists strike in protest over plans to merge with ‘France’s Fox News’. In: The Local – France's News in English. Abgerufen am 28. Juni 2021.